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    RUDERN

    Bocksbeutelregatta feiert Jubiläum

    Rudern, Bocksbeutel-Regatta
    Die malerische Strecke für die traditionelle Bocksbeutelregatta in Würzburg. Foto: Heiko Becker

    Der Ehrenvorsitzende des Deutschen Ruderverbands fand tragende Worte für das Jubiläum: „Mich treibt in erster Linie das Fluidum der hier am Main domizilierenden Rudervereine her“, sagte Helmut Griep anlässlich der 30. Bocksbeutelregatta, der mittlerweile 85. Ruderregatta in Würzburg. Der grazilen Sprache folgt kurz und trocken: „Und natürlich der Wein.“

    Der ist an diesem Tag tatsächlich fast in aller Munde. Warum die Veranstaltung den Namen der für den fränkischen Wein typischen Flaschenform trägt, kann keiner der Veranstalter heute seriös beantworten. „Wir tragen aber bestimmt dazu bei, dass dieses Wochenende der Bocksbeutelabsatz in Würzburg etwas anzieht“, meint Andreas Holz, der Präsident des Akademischen Ruderclubs Würzburg. Außerdem dürfen sich die Gewinner traditionell nicht nur über die obligatorische Medaille freuen, wie sie bei Ruderveranstaltungen üblich ist, sondern zusätzlich noch über einen Bocksbeutel.

    Als eines von drei großen deutschen Langstreckenrennen im Oktober, zum Ende der Rudersaison, freute sich der veranstaltende Regattaverein Würzburg, der dieses Jahr seinen 100. Geburtstag feiert, trotz der eher ungünstigen Witterungsbedingungen über eine gewohnt rege Starterzahl. Mehr als 800 Ruderer in 297 Booten nahmen teil. Damit wurde das letztjährigen Rekordmeldeergebnis von damals 300 Boten nur knapp verpasst.

    Aus ganz Deutschland reisten die Sportler an, drei Teams kamen auch aus der Schweiz, um auf die 4500 Meter lange Strecke zu gehen. Für die Wettrennen im Jugendbereich wurde sie auf 3000 Meter gekürzt. Start war an der Schleuse Randersacker, für die Jugendrennen 1500 Meter flussaufwärts. Das Ziel befand sich in der Bayernbucht, kurz vor der Löwenbrücke.

    Im Mittelpunkt des Geschehens stand vor allem der Breitensport, wenngleich sich auch einige aktuelle und frühere Weltmeister und Olympioniken unter den Teilnehmern befanden. Allen voran der Würzburger Joachim Agne, der im vergangenen Jahr den WM-Titel im Leichtgewichts-Doppelvierer gewonnen hatte. In jener Disziplin startete der 25-Jährige auch beim Heimrennen und belegte darin mit seinem ARCW-Vereinskollegen Konstantin Steinhübel sowie mit Jonathan Schreiber (Ruderverein Erlangen) und Julian Schreiber (Frankfurter Rudergesellschaft Germania 1869) den ersten Platz. Ganz oben auf dem Podest stand Agne auch im Doppelzweier-A-Rennen – zusammen mit Steinhübel.

    Ein Stück Sportgeschichte

    Noch mehr Augen als auf den 2018-Weltmeister richteten sich aber auf das offene Achterrennen. Zu diesem Wettbewerb hatten sich die Mitglieder des legendären „Bayern-Express“, der 1981 für Deutschland bei der WM antrat, etwas Besonderes einfallen lassen. Seit fünf Jahren stellen einige Recken von damals immer 1000 Euro als Preisgeld für den Gewinner zur Verfügung. „Das soll ein wenig an unsere schöne Zeit damals erinnern“, erklärt Michael Gentsch, der seinerzeit Teil des Achters war, der mit Ruderern aus Würzburg, Marktheidenfeld, Karlstadt und München sensationell 1980 die Deutsche Meisterschaft gewann. Obwohl es dann im Jahr darauf bei der WM in München mit Platz fünf nicht zum ganz großen Wurf reichte, ist der „Bayern-Express“ ein Stück deutscher Sportgeschichte. „Es war das einzige Mal, dass ein Rebellenachter den existierenden Deutschen Achter geschlagen hat“, klärt Gentsch voller Stolz auf: „Es gab vom Verband gewisse Kriterien, wie sich ein Achter zusammensetzen musste. Uns interessierte das nicht. Wir haben uns einfach in die Augen geguckt und gewusst, dass wir eine Mannschaft sind und in ein Boot gehören. Das zeichnet Rebellen nun mal aus, dass sie eine ganz enge Gemeinschaft und damit stärker als die anderen sind.“

    Als Gratulanten überreichten die vier anwesenden „Bayern-Express“-Legenden Gentscher, Fleischmann, Perner und Greß, die auch alle am Samstag noch aktiv ins Geschehen eingriffen, bei der abschließenden Siegerehrung einer wieder mal rundum gelungenen Veranstaltung, den Gewinnern des offenen Achters, dem der Frankfurter Rudergesellschaft Germania, den Pokal und das Preisgeld in Höhe von 1000 Euro.

    Die Ergebnisse finden Sie online unter: www.regattaverein-wuerzburg.de

    Rudern, Bocksbeutel-Regatta
    Sieger im Doppelzweier A: Jochaim Agne (hinten) und Konstantin Steinhübel vom Akademischen Ruderclub Würzburg. Foto: Heiko Becker

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