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    Fußball: Dritte Liga

    Corona-Krise: Geisterspiele sind für Kickers-Boss Sauer kein Tabu

    Zwangspause, Heimtraining, Finanzen - wie es bei den Kickers weitergeht.
    Schwere Entscheidungen: Kickers-Vorstandschef Daniel Sauer und seine Drittliga-Kollegen haben durch die verkündete Pause bis 30. April erst einmal Zeit gewonnen. Foto: foto2press/Frank Scheuring

    Wie geht es weiter bei den Würzburger Kickers? Bis mindestens 30. April wird in der Dritten Liga kein Fußball gespielt. Das war das Ergebnis einer Videokonferenz zwischen Klub-Vertretern und hohen Funktionären des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Montag. Ist es realistisch, dass danach wieder weitergespielt wird? Welche finanziellen Folgen hat die Zwangspause für die Klubs? Wie trainieren die Spieler jetzt? Es geht längst nicht mehr um das Gewinnen von Spielen, sondern darum, ein paar Wochen Zeit zu gewinnen. Die Unsicherheit darüber, was auf den Profifußball durch die Corona-Krise noch zukommt, ist groß. Kickers-Vorstandvorsitzender Daniel Sauer äußerte sich am Dienstagmorgen schriftlich auf der Internetseite, Statements für Radio und Fernsehen wurden vom Verein vorbereitet. Nachfragen waren erst einmal nicht gewünscht. Was bislang bekannt ist:

    Ist ein Saisonabbruch vom Tisch?

    Keinesfalls. Die Situation wird in einigen Wochen neu bewertet werden. Es sei noch verfrüht, "eine finale Entscheidung zu treffen" schreibt Sauer in seinem Statement. "Die Fortführung und der Abschluss der Meisterschaftsrunde unter Ausnutzung aller terminlichen Möglichkeiten sind das erklärte Ziel der Klubs." Auch Geisterspiele scheinen für Sauer kein Tabu zu sein. "Bis zum 30. April die Spiele auszusetzen, gibt uns die Möglichkeit, die Saison wunschgemäß noch zu Ende spielen zu können. Ab wann und ob mit Zuschauern, was uns allen natürlich am liebsten wäre, oder mit einer begrenzten Zuschauerzahl kann zum aktuellen Zeitpunkt jedoch niemand seriös beantworten." In der Vergangenheit hatten die Drittligisten Partien ohne Publikum noch aus finanziellen Gründen ausgeschlossen.

    Wie halten sich die Kickers-Spieler nun fit?

    "Wir werden die Spieler im ersten Schritt jetzt einmal mit individuellen Trainingsplänen ausstatten", wird Trainer Michael Schiele in der offiziellen Mitteilung des Klubs zitiert. Ein gemeinsames Training ist schon deshalb nicht möglich, weil alle Sportplätze im Kampf gegen die Corona-Pandemie geschlossen wurden. "Ob und inwiefern es sinnvoll ist (...) eine Ausnahmeregelung zu erhalten, um den Trainingsbetrieb bei den Profis erhalten zu können, werden wir in den nächsten Tagen beratschlagen", so Kickers-Vorstandschef Sauer. Die Sperre der Sportplätze gilt erst einmal bis 16. April. Sollte sich die Lage bis dahin tatsächlich gebessert haben, blieben also knapp zwei Wochen, um sich auf einen möglichen Saison-Neustart vorzubereiten.

    Stehen die Kickers nun finanziell am Abgrund?

    Das wäre wohl (noch) übertrieben. Bereits gekaufte Eintrittskarten und Dauerkarten besitzen weiterhin ihre Gültigkeit, dann für die Nachholtermine. Berechtigte Rückforderungen von Karteninhaber gibt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt also nicht. Und auch vom Trikotsponsor kommen positive Signale. „Die aktuelle Situation, in der sich unser Land befindet und die niemand von uns verschuldet hat, ist dramatisch und eine große Herausforderung für uns alle. Wir als Hauptsponsor der Kickers und der s.Oliver Baskets stehen zu unseren vertraglichen Verpflichtungen. Gerade in Krisenzeiten braucht es Zusammenhalt und Geschlossenheit. Das ist unsere Maxime", erklärt Michael Reizel, Geschäftsführer der BVUK, auf Anfrage.

    Der Deutsche Fußball-Bund hat um Zahlungsschwierigkeiten bei Drittligisten zu verhindern angekündigt, mit Überbrückungskrediten aushelfen zu wollen. Gleichwohl scheint die Lage in Liga drei durchaus kritisch zu sein. Im Sommer 2018 verfügten die Kickers laut ihrer Bilanz im vergangenen Herbst veröffentlichten Bilanz über 1,13 Million Euro Eigenkapital. Eine ordentliche Reserve, die freilich nicht ewig hält. Am Ende der Spielzeit 2018/19 verzeichnete der DFB sieben Klubs mit einer negativem Eigenkapital. Die Dritte Liga hatte in der Vergangenheit oft mit dem Makel einer Pleite-Spielklasse zu kämpfen.

    Der Chemnitzer FC, der nach eine Insolvenz 2018 und einem Jahr in der Regionalliga die Rückkehr in die Dritte Liga geschafft hat, prüft, laut einem Bericht des "Sportbuzzer", ob er staatliche Hilfen beantragen kann. Beim FC Carl Zeiss Jena wird, laut der "Ostthüringer Zeitung", über Kurzarbeit für die Spieler nachgedacht. Alleine 37,4 Prozent der Ausgaben aller Drittligisten in der vergangenen Saison gingen für Trainer- und Spielergehälter drauf. Der mit Abstand größte Brocken.

    Kickers-Vorstandschef Sauer appeliert indes an die Solidarität unter den Vereinen: "Wir erwarten ganz klar, dass sich die gesamte 3. Liga solidarisch erklärt, als starke Einheit auftritt, kein Verein ausschert. Dies ist in der aktuellen Situation in unserem Lande auch nicht angebracht.“ 

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