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    FUßBALL: DRITTE LIGA

    Das Geheimnis der neuen Kickers

    Fragt man Michael Schiele nach dem Geheimnis der so ganz bestimmt nicht erwartbaren Siegesserie der Würzburger Kickers und was er denn, bitteschön, mit den Spielern gemacht hat, dass sie nun nicht nur mehr oder weniger bemüht und verkrampft über den Rasen hecheln, sondern als homogene Einheit auftreten und erfolgreich Fußball nicht nur kämpfen, sondern auch spielen, dann grinst der Trainer des Fußball-Drittligisten, überlegt kurz und meint: „Frag die Spieler.“

    Körperlich fit, mehr Selbstvertrauen

    Fragt man die Spieler, was sich denn geändert hat, seitdem Schiele Anfang Oktober das Zepter übertragen bekam, dann hört man immer wieder, dass sie sich nun körperlich fit fühlen, mehr Selbstvertrauen haben und eben „ein richtiges Team geworden sind“, wie Kapitän Sebastian Neumann am Samstagnachmittag nach dem durch Treffer von Emanuel Taffertshofer (41.) und Sebastian Schuppan (58.) verdienten 2:0 (1:0) gegen den SV Meppen meinte.

    Derart entspannt und gelöst wie am Samstag durfte man Neumann im Jahre 2017 im Anschluss an ein Ligaspiel noch nicht erleben. Der 26-Jährige war in den jüngsten zwölf Monaten häufigster Gesprächspartner beim ritualisierten Plausch mit der Journaille. Vor allem die unerquicklichen Ergebnisse, die es ja heuer zuhauf gab, musste der Abwehrchef immer wieder erklären. Selbst dann, wenn auch er keine Erklärung mehr hatte.

    Am Samstagnachmittag durfte er endlich mal wieder einen Sieg beschreiben. Den sechsten am Stück, was die Kickers, seitdem sie im Profifußball beheimatet sind, noch nie zustande brachten, und vermutlich muss man in die Untiefen der Kickers-Annalen eintauchen, um so eine Siegesserie ausfindig zu machen.

    Alle kämpfen, alle glauben an den Erfolg

    Zwischen seinen Sätzen lachte Neumann immer wieder mal, ganz so, als könnte er selbst noch nicht ganz glauben, was in den vergangenen Wochen am Dallenberg geschehen war. Er sprach von Leidenschaft, Moral und Einstellung, davon dass „alle kämpfen“ und an sich und „den Erfolg glauben“. Für Neumann sind das „die neuen Kickers“.

    Als der Kapitän dieses „brutale, intensive und anstrengende Jahr“ Revue passieren ließ, fielen ihm vor allem all die „Rück- und Nackenschläge“ im ersten Halbjahr ein, das nach einer beispiellos schwachen Rückrunde ohne einen Sieg mit dem Abstieg aus der Zweiten Liga gekrönt wurde. „Ganz klar: Da haben wir unser Ziel klar verfehlt.“ Und der geplante Neustart im Sommer gelang dann ja auch nicht. „Anfangs taten wir uns da sehr schwer“, untertrieb Neumann.

    Zwischendurch blickten die Kickers vom allerletzten Rang aus dem anvisierten Platz im oberen Mittelfeld mit Kontakt zur Spitzengruppe mit dem Teleskop hinterher. „Aber wie die Mannschaft aus dieser Negativphase herausgekommen ist“, sei schließlich aller Ehren wert. „Für mich war immer der Glaube entscheidend, und ich habe immer gesehen, was wir können“, sagte Neumann.

    Die unterschiedlichen Blickrichtungen

    In den jüngsten sechs Partien zeigten die Kickers dies dann auch, weshalb sie zwar nicht auf dem von Trainer Schiele vor Wochenfrist erhofften einstelligen Tabellenplatz überwintern, aber immerhin auf dem zehnten, punktgleich mit dem Neunten Aalen. Eine Situation, die so selbst der kühnste Rothosenfan nur sehr zaudernd gewagt hätte, auf seinen Weihnachtswunschzettel zu notieren.

    Und so war es am Samstag sehr schön zu beobachten, wohin die Blickrichtungen gingen bei den Würzburgern und den punktgleich auf Rang elf stehenden Emsländern. Meppens Trainer Christian Neidhart sprach vom „fantastischen Jahr“ für seinen Verein, mit dem sommerlichen Höhepunkt Aufstieg. „Wir haben nun elf Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz“, meinte Neidhart, das ist „für uns phänomenal“.

    Acht Punkte Rückstand auf Platz drei, 2015 waren's neun

    Bei den Kickers verweigern sie derzeit den Blick nach unten. Acht Punkte beträgt der Rückstand auf den zur Aufstiegsrelegation berechtigenden dritten Rang – vor zwei Jahren, in der Aufstiegssaison, in der bis zur Winterpause ein Spieltag mehr absolviert war, feierten die Kickers Weihnachten als Tabellenelfter, und vom Dritten Aue trennten sie damals neun Punkte . . . Auf den vierten Platz, der die vor allem finanziell lukrative Teilnahme an der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde garantiert, waren es 2015 sechs Zähler, wie heute auf den Vierten Rostock. Wie meinte Patrick Göbel am Samstag, nach diesem „sehr, sehr anstrengenden halben Jahr“: Im Fußball sei ja alles möglich. „Wie viele Spiele sind es noch? 18 . . . Man kann auch 18 gewinnen. Im besten Fall geht?s so weiter.“

    Die Spieler ein bisschen gekitzelt

    Mit solchen Zahlenspielereien will sich Schiele (noch?) nicht abgeben. Er ist froh, wie sich seine Mannschaft entwickelt hat. Und noch mal: sein Beitrag? „Ich habe es sicherlich nicht jedem Recht gemacht und die Spieler ein bisschen gekitzelt.“ Er habe klare Prinzipien und den Spielern „Leitlinien mitgegeben“, Positives bestärkt, aber auch deutlich gesagt, wenn ihm etwas nicht gepasst habe. „Ich bin so, wie ich bin“, sagt Schiele. Womöglich ist genau dies auch ein Geheimnis der neuen Kickers.

    Thomas Brandstett

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