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    WÜRZBURG

    Das flotte Ehepaar aus Kenias Hochland

    Kurz vor dem Zielsprint setzte doch noch der Regen ein, aber davon ließ sich Japhet Korir nicht mehr aufhalten. Mit langen Schritten stürmte er dem Zielband entgegen, berührte es schließlich nach 27:46 Minuten. Die europaweit schnellste Zeit dieses Jahres in einem 10-km-Straßenlauf und die zweitschnellste jemals in Würzburg gelaufene. Gerade mal 14 Sekunden fehlten zum Streckenrekord. Entsprechend zufrieden war der 22-jährige Kenianer. Schon zwei Jahre zuvor hatte der Cross-Weltmeister von 2013 in Würzburg dominiert, damals war er allerdings sechs Sekunden langsamer gewesen. „Ich bin total glücklich. Ich habe mir das Rennen perfekt eingeteilt und auf der letzten Runde gespürt, dass ich deutlich unter 28 Minuten laufen kann. Das hat mich noch einmal zusätzlich angespornt“, sagte Korir. Sage und schreibe 30 Sekunden hatte er auf den letzten 2,5 Kilometern seinem schärfsten Konkurrenten und Landsmann Dominic Kiptarus abgenommen, ihm gut eineinhalb Kilometer vor dem Ziel mit einem energischen Zwischenspurt jedwede Siegchance genommen. 6:46 Minuten benötigte Korir für die finalen 2500 Meter, was einer Kilometerzeit von 2:42 Minuten entspricht – ein Finale furioso.

    Den Gemütszustand des 22-Jährigen perfekt machte seine gleich alte Ehefrau Caroline Chepkemoi. Knapp vier Minuten nach ihrem Gatten lief sie in 32:35 Minuten als erste Frau über die Ziellinie und ließ den Residenzlauf-Sonntag zu einem ganz besonderen Tag für das Ehepaar Korir/Chepkemoi werden. „Ich freue mich besonders für unsere drei Jahre und zwei Monate alte Tochter zu Hause in Kenia“, sagte Korir und wanderte mit seinen Gedanken ins kenianische Hochland zu Eltern und Schwiegereltern.

    „Das war eine fantastische Vorstellung“, freute sich Organisationsleiter Reinhard Peter über Korirs tolle Zeit, mit der der Residenzlauf in der Laufwelt wieder einmal Schlagzeilen machen wird. Solche Schlagzeilen sorgen unter anderem dafür, dass sich Sportlerinnen wie die fünfmalige Berglauf-Weltmeisterin Andrea Mayr von sich aus und ohne jedes Startgeld für den Lauf anmelden. Auch wenn es für die 35-Jährige am Sonntag nicht nach Wunsch lief, sie will wiederkommen. „Irrsinnig schön“ sei es in Würzburg gewesen, Veranstaltung wie Stimmung an der Strecke „einfach nur super“. So gesehen hätte es natürlich prima gepasst, wenn es bei der Assistenzärztin in der Unfallchirurgie am Krankenhaus Gmund auch sportlich nach Wunsch gelaufen wäre. Den österreichischen Rekord im 10-km-Straßenlauf (33:24 Minuten) hatte die Olympiateilnehmerin im Marathon von London 2012 verbessern wollen, doch dieses Ziel verfehlte sie mit Rang neun und 34:07 Minuten deutlich. „Wirklich zufrieden kann ich deshalb nicht sein“, sagte die 35-Jährige, „wahrscheinlich hat mir der Halbmarathon von vor einer Woche in Linz doch noch zu sehr in den Knochen gesteckt.“ Den hatte sie noch in österreichischer Rekordzeit von 1:11:34 Stunden gewonnen – in Würzburg blieb die neue Bestmarke nur ein Wunschtraum. Spaß hat es Andrea Mayr trotzdem gemacht. Und im nächsten Jahr kann sie im zarten Alter von 36 Jahren ja einen neuen Anlauf wagen.

    redsp

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