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    BASKETBALL: BUNDESLIGA

    Der neue Baskets-Coach Wucherer: „Würzburg hat alles, was es braucht“

    Denis Wucherer: „Würzburg hat alles, was es braucht“
    Will in Würzburg gerne langfristig etwas aufbauen: Der neue Baskets-Cheftrainer Denis Wucherer. Foto: Heiko Becker

    Was die Spatzen schon seit Wochen von den Dächern gepfiffen hatten, ist seit Freitagmittag offiziell: Denis Wucherer hat bei Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben und tritt die Nachfolge des nach China abgewanderten Dirk Bauermann als Cheftrainer an.

    Der 45-jährige Wucherer folgt damit seinem langjährigen Mentor, mit dem er zusammen als Spieler vier Meisterschaften und zwei Pokalsiege mit Bayer Leverkusen feierte und als dessen Assistent Wucherer bei der Nationalmannschaft und beim FC Bayern München erste Erfahrungen im Profi-Trainergeschäft sammelte. Der 123-fache Nationalspieler trainierte zuletzt Zweitligist Rheinstars Köln und war zuvor vier Jahre als Headcoach der Gießen 46ers maßgeblich am Erstliga-Wiederaufstieg des Traditionsklubs beteiligt.

    Frage: Vor eineinhalb Jahren, als s.Oliver Würzburg Dirk Bauermann als Cheftrainer verpflichtet hatte und Sie nach einem Kommentar dazu gefragt wurden, sollen sie gesagt haben . . .

    Denis Wucherer: . . . schöner Mist (lacht)! Ich habe das zwar mit einem Augenzwinkern damals geantwortet, aber da war natürlich auch ein Stückchen Wahrheit dabei. Natürlich beobachtet man den Markt und die Liga, man sieht, welche Vereine vielleicht schon das Ende der Fahnenstange erreicht haben und andere, die auf dem Sprung sind. Bei Würzburg herrschte die einhellige Meinung vor, dass da noch jede Menge Potenzial ist. Da steht zwar noch nicht die große Arena, aber der Standort hat alles, was es braucht, um erfolgreich zu arbeiten. Und dass wir damals schon mal in Gesprächen waren, auch über meinen Bruder Nico, und dass ich informiert war über den Klub, ist ja ein offenes Geheimnis.

    Und jetzt treten Sie ausgerechnet Bauermanns Nachfolge in Würzburg an.

    Wucherer: Das ist auf jeden Fall spannend. Noch traue ich mich im Büro gar nicht in seinen Chefsessel, sondern habe den Schreibtisch gegenüber gewählt. Dirk ist ein besonderer Typ, aber auch immer schon ein großartiger Coach. Auch die letzten Wochen haben gezeigt, was er aus einer Mannschaft herausholen kann. Ich habe allerhöchsten Respekt vor ihm, und die Vorstellung, dass er hier in diesen Räumlichkeiten eineinhalb Jahre seiner Arbeit nachgegangen ist, mit all der Professionalität, die er an den Tag legt, macht mir klar, dass das relativ große Fußstapfen sind. Aber in der Kombination mit Stephen Arigbabu und einem weiteren Co-Trainer werden wir versuchen, diese auszufüllen. Ich glaube, wir haben genug Qualität, um ähnlich gute Arbeit zu leisten.

    Wie viel vom Trainer Dirk Bauermann steckt im Trainer Denis Wucherer?

    Wucherer: Wer an mich als Basketballer zurückdenkt, der würde jetzt nicht glauben, dass ich ein typischer Dirk-Bauermann-Spieler war. Mein Ansatz war eher, einen Ball mehr in den Korb zu werfen als der Gegner. Aber bei der Europameisterschaft 2005 mit Dirk Nowitzki habe ich plötzlich auch andere Aufgaben wahrnehmen müssen und gemerkt, wie man erfolgreich sein kann, wenn man hinten den Laden dicht hält und wie weit es dann gehen kann. Ohne es vielleicht zu wissen, habe ich in meiner Karriere als Spieler den größten Einfluss von ihm als Coach bekommen und eben dann auch in meiner Anfangsphase als Trainer, als sein Assistent. Diese DNA der Verteidigung habe ich in mich aufgesogen, und in den vier Jahren in Gießen und auch letzte Saison in Köln haben meine Mannschaften immer zu den besten Defensiv-Reihen gehört.

    Sie haben gerade Ihre Spielerkarriere angesprochen. Wie viel vom Spieler Denis Wucherer steckt im Trainer Denis Wucherer?

    Wucherer: Ich konnte alles so ein bisschen, aber nichts so richtig. Deshalb auch die vielen Triple-Doubles (zweistellige Werte in drei Kategorien, Anm. d. Red.), die darauf hindeuten, dass der Junge kein Spezialist war (lacht). Nein, im Ernst. Ich glaube, ich bin noch relativ nah dran an den Spielern, sprich meine Karriere ist gefühlt noch nicht so lange vorbei, auch wenn es mittlerweile doch zehn Jahre sind. Ich habe viele gecoacht, die mich noch als Spieler kannten, gegen die ich vielleicht sogar noch selber gespielt habe. Auch wenn ich jetzt langsam anfange eine Generation zu coachen, die meinen Namen vielleicht erst mal googeln muss, denke ich immer noch darüber nach, wie es mir als Spieler gefallen würde, was ich als Trainer vorhabe. Ich habe viel mitbekommen von vielen Coaches, aber ich versuche, meinen eigenen Weg zu finden. Wichtig ist der Spaß an der ganzen Geschichte. Die Jungs, die täglich ins Training kommen wollen, um sich zu verbessern, Lust auf ihren Job haben, auch wenn es mal hart ist, ich glaube, die brauchen wir, und mit denen kann man auch erfolgreich arbeiten.

    Bei seiner Verpflichtung im Januar 2016 hat Dirk Bauermann ambitionierte Ziele verkündet, wollte den Klub bis 2020 in der deutschen Spitze etablieren. Bleibt die Messlatte so hoch?

    Wucherer: Natürlich habe ich den Schritt nach Würzburg auch gemacht, weil ich hier die Möglichkeit habe, mit anderen Zielen zu arbeiten. In Gießen war es so, dass wir zweimal mit dem Abstieg nichts zu tun haben wollten und dann um die Play-offs mitgekämpft haben. Wir haben dort Spieler aus nicht so hochklassigen Ligen verpflichtet und weiterentwickelt. Sie haben Gießen als Sprungbrett genutzt, um anschließend woanders das Zwei-, Drei- oder wie bei Braydon Hobbs (jetzt FC Bayern, Anm. d. Red.) vermutlich das Zehnfache zu verdienen. Hier kann ich jetzt natürlich anders arbeiten, was neu für mich ist. Jetzt habe ich die Möglichkeit, Spieler für Würzburg zu begeistern, die in der Bundesliga schon aufgefallen sind und einen guten Job gemacht haben. Daher ist es realistisch, Richtung Play-offs zu denken. Dies hängt natürlich auch immer ein bisschen davon ab, wie die Mannschaften an anderen Standorten aussehen, wie viel investiert wird und vor allem, wie gut unsere Arbeit jetzt im Sommer ist, wenn es darum geht, die Mannschaft zusammenzustellen. In Gießen haben wir früh wichtige Spieler unter Vertrag genommen, früh Jungs gefunden, die unbedingt zu uns kommen wollten, die dies für den richtigen Schritt in ihrer Karriere gehalten haben. Gerade jetzt kann man die finden, die dann zwischen November und Februar Spiele für dich gewinnen. In den kommenden Wochen wollen wir eine Mannschaft zusammenstellen, die zu Würzburg passt, die zum Budget passt und die die Investitionen in Erfolge auf dem Parkett ummünzt. Das macht Spaß, aber der Druck und die Erwartungshaltung ist natürlich anders als ich es bisher kannte.

    Aus der aktuellen Mannschaft haben sich im Saison-Endspurt einige Spieler „aufgedrängt“, wie es Geschäftsführer Steffen Liebler sagte. Inwieweit spielt das bei den Planungen der neuen Mannschaft eine Rolle?

    Wucherer: Die letzten Wochen waren sehr aufschlussreich um zu sehen, was jeder Einzelne kann, wenn er ein bisschen von der Leine gelassen wird, wenn er in die Bresche springen muss, Stichwort die Verletzungen von Topscorer Robin Benzing und Kapitän Kresimir Loncar. Ich habe die Spiele natürlich am Fernseher beobachtet und genau gesehen, was vielleicht vorher im Verlauf der Saison so noch nicht ersichtlich war. Im Nachgang der Saison wird derzeit ganz eng mit Steffen besprochen, wer eine Option für die nächste Saison sein könnte. Prinzipiell wäre es natürlich von Interesse, einen Kern der Mannschaft zu halten, das hilft immer. Das gibt immer einen Vorteil, wenn die Spieler sich aus dem Jahr zuvor kennen. Da hoffen wir und arbeiten stark daran, dass wir das auch hinbekommen und darauf aufbauend eine Mannschaft finden, die eine ähnliche Team-Chemie hat wie dieses Jahr. Denn das war gerade hintenheraus offensichtlich, dass es da gestimmt hat.

    Publikumsliebling Maurice Stuckey hat einen Vertrag, wird aber von Alba Berlin umworben. Benzing, Loncar und auch US-Spielmacher Cliff Hammonds haben Optionen für die nächste Saison, aber ihr Verbleib ist ungewiss. Welche Rolle spielt dieses Quartett in Ihren Überlegungen?

    Wucherer: Ich glaube, diese vier sind das Herz der Mannschaft gewesen. Robin als Kapitän der Nationalmannschaft, aufgrund seiner Leistung und der Aufmerksamkeit und den Zahlen, die er aufs Parkett gebracht hat, ist er ein absoluter Glücksgriff gewesen. Wenn man so einen Spieler einbauen kann, ist das einfach großartig. Über Moe brauchen wir nicht zu reden, er ist das Gesicht der Mannschaft, der in den letzten Jahren Tolles geleistet hat und letzte Saison noch mal einen Sprung gemacht hat. Um sie herum, mit den beiden erfahrenen Spielern Kreso und Cliff, hat man Puzzlestücke gefunden, die dann, vielleicht ein bisschen zu spät, gepasst haben und Leistung aufs Parkett gebracht haben. Insofern müssen wir mit den vier Spielern reden, das tun wir auch, da sind wir dran. Aber im Sport ist es nun mal so, dass viele Kriterien eine Rolle spielen und verschiedene Begehrlichkeiten geweckt werden. Jeder dieser vier hat so sein Thema, und darüber reden wir. Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, was möglich ist und was dann eventuell eben auch nicht möglich ist.

    Seit der Gründung der Baskets 2007 sind Sie bereits der zehnte Trainer, andererseits haben Sie in Gießen bewiesen, dass Sie langfristig arbeiten können. Mit welcher Perspektive treten Sie ihr Amt an?

    Wucherer: Ich glaube, in Gießen war die Haltwertzeit für Trainer bis zu meinem Amtsantritt noch kürzer. Mit der zweiten vollständigen Saison war ich dort alleiniger Rekordhalter der Neuzeit (lacht). Aber ähnlich wie damals in Gießen ist die Idee auch für hier. Zwei Jahre sind im Profisport mittelfristig. Ich würde daraus natürlich gerne ein langfristiges Engagement machen mit dem großen Ziel, in die große Halle zu ziehen, die dann auch die Chance bietet, die Großen richtig zu ärgern und auch kontinuierlich zu ärgern, in die Phalanx der Top-Sechs-Klubs in Deutschland einzudringen. Würzburg hat alles, was es braucht. Aber dafür müssen Siege her, dafür muss erfolgreich gearbeitet werden. Nur dann werden wir aus einer mittel- eine langfristige Zusammenarbeit machen können. Aber das ist das Ziel, zumal ich als alleinerziehender Vater von zwei Jungs (elf und zwölf Jahre, Anm. d. Red.) möglichst lange an einem Standort bleiben möchte.

    X-Rays
    Denis Wucherer als Spieler im Trikot der Würzburger x-Rays. Foto: Frühwirth

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