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    Basketball: Bundesliga

    Die Baskets auf der Suche nach ihrer Identität

    Wie Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg die zweieinhalbwöchige Spielpause mit einem Kurz-Trainingslager nutzen und wieder in die Erfolgsspur zurückfinden will.
    Jordan Hulls (im Zweikampf mit Bryce Alford) war gegen Bayreuth mit 14 Punkten treffsicherster Würzburger.  Foto: Heiko Becker

    Die Aussichten sind nicht besonders rosig. Zwar ein bisschen wärmer als in Würzburg soll's werden, aber Tag für Tag sinken die Temperaturen dann, und regnen soll's nächste Woche mit großer Wahrscheinlichkeit auch in Valencia. Behaupten jedenfalls die Wetterfrösche im Internet. Aber Basketball ist ja ein wetterunabhängiger Hallensport, und selbst wenn der Frühsommer sich angesagt gehabt hätte in der spanischen Hafenstadt an der Ostküste: Ziemlich ungemütlich könnten die Tage von Montag bis Samstag schon werden für die Bundesliga-Basketballer von s.Oliver Würzburg, die in der drittgrößten Stadt des Königreichs ein Kurz-Trainingslager beziehen werden, weil Pokalfinale und Länderspielfenster den Unterfranken abermals eine zweieinhalbwöchige Pause aufnötigen im Dienstplan der Bundesliga.

    In die dritte Unterbrechung dieser Spielzeit verabschiedeten sich die Baskets am späteren Mittwochabend schlechtmöglichst. Mit der wohl schwächsten Vorstellung in dieser Runde - und einer auch in dieser Höhe verdienten 66:85-Heimklatsche gegen medi Bayreuth, wodurch nach dem 88:79-Hinspielsieg auch der direkte Vergleich mit den Oberfranken verlustig gegangen ist. Weshalb Baskets-Trainer Denis Wucherer am Mittwoch auch gleich mal ankündigte, dass ab Montag ein anderer Wind wehen wird, und "wir die Brise der letzten Tage sicher mitnehmen werden nach Spanien". Wucherer meinte im übertragenen Sinne vermutlich "Sabine", den Orkan, der zuletzt Deutschland ziemlich durcheinandergewirbelt hat. 

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    Auch in seiner Mannschaft ist zuletzt einiges durcheinandergeraten. Der Ball flutscht nicht so durch die Reihen wie noch vor einigen Wochen, sondern entweder durch die Hände, oder er klebt zu lange daran, gegen Bayreuth fand die Mannschaft zu keinem Zeitpunkt einen Rhythmus, vor allem in der Offensive nicht. "Uns ist die Leichtigkeit abhanden gekommen, und das Selbstvertrauen ist auch  nicht da", sagte Wucherer, und sein mit 14 Punkten bester Schütze gegen Bayreuth, Jordan Hulls, analysierte so simpel wie treffend: "Im Angriff haben wir nicht das gemacht, was wir machen wollten, weil sie uns alles weggenommen haben. Es war ein ganz schlechtes Spiel von uns vor unseren eigenen Fans."

    Die waren dann auch entsprechend übel gelaunt, nicht nur in den teilweise auch recht unsozialen Kommentaren in den sogenannten sozialen Medien. Zum zweiten Male in dieser Runde (wie nach der Heimniederlage gegen Alba Berlin) schallten Pfiffe durch die s.Oliver Arena, und gar erstmals in Wucherers Amtszeit forderte der Anhang die Spieler zu mehr Engagement auf: "Wir wollen Euch kämpfen sehen." Sie seien ja noch immer mittendrin im Play-off-Rennen, sagte Hulls völlig zu Recht, wenngleich er nachschob: "Wir müssen uns jetzt Gedanken darüber machen, wie wir nach der Pause wieder Spiele gewinnen können."

    "Die Pause werden wir dazu nutzen, um in den Spiegel zu schauen und herauszufinden, was wir alles falsch gemacht haben und was wir ändern müssen."
    Baskets-Trainer Denis Wucherer

    Da täten sie ganz bestimmt gut daran. Ein erster Schritt könnte sein, nicht im Schlussviertel ziemlich einzubrechen und es deutlich herzuschenken, wie zuletzt in München (10:22) und Braunschweig (8:27) sowie gegen Bayreuth (16:28). "Sobald im Spiel etwas schief läuft, heute zum Beispiel die blutende Nase von Luke Fischer, dann fallen wir komplett auseinander", sagte Wucherer am Mittwoch - und stellte damit natürlich auch seinen Führungsspielern ein schlechtes Zeugnis aus. Es fällt derzeit schwer, einen Akteur zu sehen, der in wichtigen und engen Phasen die Zügel in die Hand nimmt. Kapitän Cameron Wells, der dies in dieser Runde häufiger energisch und erfolgreich tat, knüpfte nach seiner erkältungsbedingten Pause in Braunschweig gegen Bayreuth (offensichtlich noch geschwächt) nahtlos an seine merkwürdig blutarme Vorstellung in München an. Und seine Kollegen Hulls, Skyler Bowlin oder auch Victor Rudd treten zu unbeständig auf und haben oft genügend mit sich zu tun, um in die Bresche springen zu können. Das aktuelle Baskets-Team lebt ein Stück weit auch davon, "eine nette Mannschaft" zu sein, wie Wucherer es umschreibt. Was er meint: Wenn's gut läuft und die Spieler gemeinsam einen Rhythmus finden, dann können auch mehrere Akteure heißlaufen. Wenn's nicht gut läuft, ist derzeit keiner dabei, der die Ärmel hochkrempelt und die anderen mitreißt.

    Baskets-Kapitän Cameron Wells (im Zweikampf mit Bayreuths Bastian Doreth) ist wie die gesamte Mannschaft von Basketball-Bundesligist s.Oliver Wuerzburg aus dem Tritt geraten. Foto: Heiko Becker

    Was am Mittwoch freilich noch auffiel: Auch Wucherer selbst war im Schlussviertel erstaunlich passiv. Der 46-Jährige, der an der Linie bisweilen auch derart toben kann, dass Rumpelstilzchen als Phlegmatiker daherkommt, hatte womöglich auch erkannt, dass alles Toben nicht viel helfen würde an diesem Abend, in mancher Szene gegen Ende ziemlich demoralisiert gewirkt und seiner Mannschaft attestiert, derzeit "wie ein Abstiegskandidat" aufzutreten. 

    Womöglich kommt die dritte, eigentlich so unerwünschte Spielpause jetzt ja gerade zum richtigen Zeitpunkt für die Baskets, die in Valencia auch "ihre Identität" wieder finden wollen, wie Wucherer sagte: "Wir müssen die letzten drei Wochen vergessen. Die Pause werden wir dazu nutzen, um in den Spiegel zu schauen und herauszufinden, was wir alles falsch gemacht haben und was wir ändern müssen, um dann in gut zwei Wochen wieder konkurrenzfähig zu sein."

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