• aktualisiert:

    BASKETBALL: BUNDESLIGA MÄNNER

    Die Baskets bekommen ihre Grenzen aufgezeigt

    Basketball - easyCredit BBL - s.Oliver Wuerzburg - ratiopharm ulm
    Der Frust sitzt tief: Die Würzburger Gabriel Olaseni (links) und Xavier Cooks nach der klaren Niederlage gegen Ulm. Foto: Heiko Becker

    Mit einem kräftigen Dämpfer in die zweiwöchige Länderspielpause: Nach sechs Liga-Erfolgen in Serie beendete ratiopharm Ulm am Donnerstagabend den Siegeszug von Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg ziemlich abrupt, ungemütlich und auch sehr schmerzhaft: Mit 77:99 (38:47) setzte es für die Unterfranken nicht nur die höchste Saisonniederlage – nach dieser Klatsche mussten die Baskets mit den Schwaben auch die Tabellenplätze tauschen. Die Würzburger stehen nun mit weiterhin zehn Saisonerfolgen auf dem letzten Play-off-Rang acht – punktgleich mit den beiden hinter ihnen logierenden Teams aus Ludwigsburg und Braunschweig. Bei den Niedersachsen geht's für die Würzburger dann am Faschingswochenende (2. März) weiter auf ihrer Punktejagd.

    Extreme Athletik und Physis

    „Wir sind glücklich, dass wir die Mannschaft der Stunde neben Vechta besiegen konnten“, meinte Ulms Trainer Thorsten Leibenath. Er sah den Hauptgrund in der über „40 Minuten konstant guten Verteidigung“ seines Teams. Und da pflichtete ihm Baskets-Trainer Denis Wucherer bei: „Gratulation an Thorsten und großes Kompliment an das Ulmer Team. Es hat heute über 40 Minuten mit einer extremen Athletik und Physis agiert, der wir nicht nicht genug entgegenzusetzen hatten.“

    Mike Morrison bleibt bis Saisonende

    Das einzig wirklich Positive am Donnerstagabend durften die Baskets-Anhänger kurz vor den Mannschaftsvorstellungen zur Kenntnis nehmen: In Zivil verkündete Mike Morrison übers Hallen-Mikrophon, dass er dem Klub nun doch bis Saisonende erhalten bleibt. Gegen die kräftigen und ziemlich großen Ulmer (im Vergleich zu den Gegnern dieser Woche, Crailsheim und Göttingen) verzichtete Wucherer überraschenderweise auf die Dienste des US-Amerikaners und schickte Gabriel Olaseni als einzigen wirklich großen Mann aufs Parkett. Wucherers Dilemma: Aufgrund der Ausländerregelung in der Bundesliga hätte er auf einen seiner anderen Importspieler verzichten müssen – und die hatten sich zuletzt allesamt als reichlich unersetzlich erwiesen.

    Vor den Augen von Bernd Freier und OB Christian Schuchardt

    Olaseni eröffnete den Körbereigen nach 35 Sekunden – vor den Augen von Hauptsponsor und s.Oliver-Boss Bernd Freier und Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt zeigten die Baskets anfangs eine abermals ziemlich leidenschaftliche Vorstellung, wie in den sechs gewonnenen Ligapartien zuvor. Weil den Gästen nach zuletzt zwei Niederlagen in Serie ihr Wille anzusehen war, wieder in die Erfolgsspur einscheren zu wollen, entwickelte sich eine sehr intensive, spannende und total ausgeglichene Begegnung, dessen erster Abschnitt, in dem die Baskets zwischenzeitlich zweimal mit sechs Punkten vorne lagen (10:4, 13:7), folgerichtig remis endete (19:19).

    Der Auftritt von Ra'Shad James

    Ab den zweiten zehn Minuten übernahmen die Gäste das Kommando - und gaben es auch nicht mehr her. Vor allem Ulms Aufbauspieler Ra'Shad James drückte dem zweiten Abschnitt seinen Stempel auf: Vier Mal warf der US-Amerikaner aus der Ferne – vier Mal flog die Kugel durch den Ring. Nach sechzehneinhalb Minuten sorgte er für die erste zweistellige Führung der Gäste (42:31) – die er mit seinem nächsten Dreier ausbaute: 45:33. Alleine im zweiten Abschnitt machte der 29-Jährige 17 seiner insgesamt 21 Punkte.

    Die Entscheidung der Begegnung

    Mit neun Punkten Differenz (38:47) ging es dann in die Pause. Nach der Viertelstunde Verschnaufen entschieden die Ulmer die Partie binnen zwei Minuten und drei Sekunden, als sie nach einem 9:1-Lauf auf 17 Punkte davonzogen (56:39), ehe Wucherer die Auszeit nahm. Fortan merkte man den Hausherren an, dass die letzten Wochen und vor allem die letzten Tage mit dem Heimspielmarathon viel Energie gekostet hatten. Wobei zur ganzen Wahrheit natürlich auch gehört, dass die Ulmer ein genauso kräftezehrendes Programm hinter sich hatten. Zwar nährte dann vor allem Devin Oliver mit neun Punkten noch einmal kurzzeitig die Hoffnungen der Baskets-Anhänger, und als Joshua Obiesie nach knapp 27 Minuten unwiderstehlich zum Korb zog und die Kugel hineinlegte, betrug der Vorsprung der Gäste auch nur noch neun Zähler (64:55).

    Hungriger und stabiler und abgezockter 

    „Wir wollten natürlich unsere Serie fortsetzen, aber die Ulmer waren hungriger als wir. Wir haben versucht Energie reinzubringen, aber der frühe, hohe Rückstand war eine zu große Hypothek“, sagte US-Neuzugang Oliver, der sich noch am augenfälligsten gegen die Pleite zu stemmen versuchte. Aber letztlich erwiesen sich die Ulmer an diesem Abend dann nicht nur als hungriger, sondern auch als wesentlich stabiler und abgezockter: Sie ließen nichts mehr anbrennen. Zu Beginn des Schlussabschnitts sorgte Dwayne Ewans für die 21-Punkte-Führung (81:60). Die Messe war endgültig gelesen.

    Joshua Obiesie auf vorläufiger NBA-Draft-Liste

    Apropos gelesen: Joshua Obiesie, der von Bundestrainer Henrik Rödl zum Lehrgang der Nationalmannschaft vor den WM-Qualifikationsspielen am 21. Februar in Israel und am 24. Februar in Bamberg gegen Griechenland eingeladen ist, wurde angeblich auch schon in der s.Oliver Arena von NBA-Scouts in Augenschein genommen. Und jetzt wurde bekannt, dass der 18-Jährige es bereits auf die vorläufige NBA-Draft-Liste des großen US-Fernsehsenders ESPN geschafft hat. Das heißt zwar noch lange nicht, dass er dann auch am 20. Juni bei der Talentwahl der stärksten Liga der Welt, bei der sich die Klubs die Hochbegabtesten nach einem festen Setzsystem herauspicken können, tatsächlich dabei ist – aber geringer ist die Wahrscheinlichkeit dadurch natürlich auch nicht geworden. Die Liste des Sport-Netzwerks ESPN ist zwar erst mal nicht mehr als eine Prognose, wie sie vor Wahlen in der Politik üblich sind. Sie ist freilich eine mit traditionell hoher Trefferquote – sozusagen eine Art ZDF-Politbarometer des Basketballs.

    Nach einem unbekümmerten und sehr erstaunlichen Start bei den Baskets hatte Obiesie in den jüngsten Bundesligapartien freilich auch zu spüren bekommen, dass die Bäume nicht permanent in den Himmel wachsen. Genauso wie die Baskets am Donnerstagabend auch.

    Basketball - easyCredit BBL - s.Oliver Wuerzburg - ratiopharm ulm
    Ernüchtert: Würzburgs Headcoach Denis Wucherer. Foto: Heiko Becker

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!