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    Basketball: Bundesliga

    Die Baskets kämpfen sich zurück

    Applaus für die Aufholjagd: Die Würzburger feiern ihren Sieg in Jena: Jordan Hulls, Mike Morrison, Xavier Cooks, Brad Loesing, Johannes Richter und Florian Koch. Foto: Heiko Becker

    Denis Wucherer hatte bereits am Freitag die Hoffnung gehegt, dass durch den internationalen Erfolg mit dem Halbfinaleinzug im Europe Cup am Mittwoch und die zuvor gezeigte ordentliche Leistung gegen den Branchenprimus Bayern München seine Mannen dank der Glückshormone die körperliche Müdigkeit würden wettmachen können. Die ist natürlich da, wenn man auf mehreren Hochzeiten tanzt und zudem das dritte Spiel innerhalb von sechs Tagen bestreitet. Mit Glück freilich hatte der 82:78 (39:43)-Erfolg von Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg am späten Samstagabend beim neuen Schlusslicht Science City Jena nichts zu tun. Vielmehr mit einem fast schon beeindruckenden Willen und enormer Mentalität. Die Baskets drehten in den letzten sechs Minuten eine zwar nie hochklassige, dafür umso mehr umkämpfte Partie noch und münzten einen Zwölf-Punkte-Rückstand um in den Vier-Zähler-Vorsprung-Sieg. Sie profitierten dabei freilich auch ein wenig davon, dass der gastgebenden im Schnitt ältesten Mannschaft der Liga auf der Zielgeraden dann offensichtlich die Puste ausging.

    "Das war heute ein großes Comeback", meinte Baskets-Spielmacher Cameron Wells, mit 17 Punkten der treffsicherste Würzburger, der 50 Sekunden vor Schluss nicht nur die sechste und spielentscheidende Führung der Baskets erzielte. Der Texaner war es auch, der als einziger Würzburger den gegen Ende des dritten und Anfang des vierten Viertels heißlaufenden Jenaer Julius Jenkins dann wieder in den Griff bekam. Der 38-jährige Amerikaner in Diensten der Thüringer konterte einen zwischenzeitlichen 14:0-Lauf der Gäste fast im Alleingang mit einem identischen Lauf. Zwölf der 14 Zähler am Stück der Hausherren warf der mit insgesamt 25 Punkten erfolgreichste Korbjäger der Begegnung, der anschließend meinte, er fühle sich auch in seinem Alter noch gut, um "auf diesem hohen Niveau" zu spielen.

    Ein gelungener Dienstgang

    Jena ist durch die Niederlage und den zeitgleichen Sieg des bisherigen Schlusslichts Bremerhaven gegen Bayreuth nun ans Tabellenende gepurzelt, und weil die Oberfranken - ein direkter Kontrahent der Baskets um die Play-off-Teilnahme - im hohen Norden nichts erbten und sich die Mitstreiter um die Qualifikation zur Saisonverlängerung Ulm und Braunschweig gegenseitig die Punkte abnahmen (in diesem Fall die Schwaben den Niedersachsen) konnten die Würzburger von einem rundherum gelungenen Dienstgang nach Thüringen sprechen.  Für ihre Moral wurden die Baskets mit der Behauptung von Rang acht belohnt.

    Dass es für beide Mannschaften eine sehr wegweisende Begegnung war, bemerkte bestimmt auch der Gefühlskälteste. Beide Mannschaften machten unglaublich viele Fehler, und zwischendurch erinnerte die wüste Ballerei ein wenig ans Hornberger Schießen - bestimmt würde es sich lohnen, in den Archiven der Bundesliga zu kramen, um eine Partie zu finden, in der hüben wie drüben ähnlich viele Airballs zu bestaunen waren: So nennen Basketballer einen Korbversuch, bei dem der Ball weder Ring noch Brett touchiert. Und beim Blick auf den Statistikbogen kann es auch ein wenig Staunen machen, dass Jena lediglich mit vier Punkten Vorsprung in die Halbzeit ging. In der ersten Hälfte hatten die Hausherren die Hoheit unter den Brettern, und die Dreierquote der Gäste war auch nicht gerade ligatauglich: Lediglich drei von 14 Versuchen der Baskets fanden ihren Weg durch den Ring (am Ende waren's dann acht von 22, auch nicht sehr berauschend).

    Weiter geht es Schlag auf Schlag

    Aber da es im Profisport ja vor allem darum geht, was hinten rauskommt (um an den großen Pfälzer Philosophen Helmut Kohl zu erinnern), heißt es für Wucherer und seine Schützlinge: Mund abputzen und das durch die siegreiche Aufholjagd abermals hinzugekommene Selbstvertrauen für die nächsten Aufgaben zu nutzen: Bereits am Donnerstag geht's mit dem Heimspiel gegen Frankfurt weiter (20.30 Uhr, s.Oliver Arena), in dem sich die Gelegenheit bietet, den am weitesten entfernten Play-off-Kontrahenten womöglich endgültig aus dem Rennen zu kicken. Und am Sonntag darauf (15 Uhr) kommt Kellerkind Bremerhaven an den Main. Beides also Aufgaben, die beim tendenziell eher ungemütlichen Restprogramm tunlichst siegreich abgehakt werden sollten, soll nach dem reichlich verkorksten Saisonstart überraschenderweise doch noch der Sprung unter die besten Acht gelingen.

    Sience City Jena -s.Oliver Würzburg 78:82 (17:20, 26:19, 17:18, 25:18)
    Top-Scorer Jena: Jenkins 25, Allen 14, Williams 14, Joyce 10
    Würzburg: Wells 17, Cooks 14, Hulls 13, Olaseni 11, Oliver 10,  Bowlin 8, Richter 4, Lösing 3, Koch 2, Hoffmann.
    Rebounds: 33 - 36
    Dreierqute: - 8/22 (36 %) - 13/31 (42 %)
    Freiwürfe: 11/16  (69 %) - 16/18 (89  %)
    Treffer aus dem Feld: 27/65 (42 %) - 29/60 (48 %)
    Zuschauer: 2353

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