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    WÜRZBURG

    Die Baskets stürmen ins Europacup-Finale

    Basketball - Fiba Europe Cup - s.Oliver Wuerzburg - Pallacanestro Varese
    Es ist geschafft: Die Basketballer von s.Oliver Würzburg sind ins Finale des Fiba EuropeCuo eingezogen. Das feiern Spieler und Verantwortliche zusammen mit ihren Fans nach dem 89:86-Sieg gegen Pallacanestro Varese in der s.Oliver Arena. Foto: Heiko Becker

    Ein wenig Nervosität war bei den Verantwortlichen von Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg am Mittwochabend vor dem Halbfinal-Rückspiel des Fiba EuropeCup-Wettbewerbs dann doch zu spüren. So komfortabel der Vorsprung nach dem 89:66-Hinspiel-Sieg der Baskets eine Woche zuvor bei Pallacanestro Varese auch war. Die Fallhöhe, das Polster in der heimischen s.Oliver Arena noch verspielen, war gewaltig, das Spott-und-Häme-Potenzial hoch.

    Doch die Sorgen waren nicht nur unbegründet, mehr noch: Mit einer Gala-Vorstellung in den ersten zehn Minuten erstickten die Hausherren vor 2313 begeisterten Zuschauern alle Aufhol-Bemühungen des zehnfachen italienischen Meisters früh im Keim, entschieden den ersten Spielabschnitt mit 30:11 (!) für sich und gewannen auch das zweite Aufeinandertreffen mit 89:86 (46:32).

    Eine Reise nach Sardinien

    Der Einzug ins europäische Finale ist – neben dem Erreichen des Play-off-Halbfinales um die deutsche Meisterschaft 2012 – der größte Erfolg der Klubgeschichte. Und die Reise durch ist noch nicht beendet: An den kommenden beiden Mittwochen (24. April und 1. Mai) geht es für die Mannschaft von Cheftrainer Denis Wucherer erneut gegen ein Team aus Italien. Gegen Dinamo Sassari, das sich im zweiten Halbfinale gegen Unet Holon aus Israel mit 105:75 (Hinspiel 94:89) durchsetzen konnte, haben die Würzburger die Chance, den ersten Titel der Vereinshistorie zu gewinnen.

    „Das ist ein großer Moment für uns. Ich glaube, wir kapieren gerade alle noch gar nicht so genau, was wir da erreicht haben. Dass wir in zwei Wochen ein europäisches Basketball-Finalspiel in Würzburg haben, ist Wahnsinn“, freute sich Baskets-Geschäftsführer Steffen Liebler. „Wow, Finale! Ein tolles Gefühl, das wir heute ein bisschen genießen dürfen“, freute sich US-Spielmacher Cameron Wells nach dem Sieg über seinen letztjährigen Klub.

    Feuer in der Partie

    Einen Gegner, der sich „mit Macht und Physis“ gegen das Ausscheiden stemmen wird, erwartete Wucherer im Vorfeld des zweiten Aufeinandertreffens mit seinem Ex-Klub. Und tatsächlich waren exakt fünf Sekunden gespielt, da war bereits Feuer in der Partie. Vareses Aleksa Avramovic war mit Baskets-Spielmacher Skyler Bowlin aneinandergeraten, kassierte nach einem Ellenbogenschlag gegen den US-Amerikaner ein unsportliches Foul – und die Anhänger waren sofort auf Betriebstemperatur.

    Der Ton schien gesetzt für die Begegnung, doch die Hausherren zeigten sich gänzlich unbeeindruckt. Vor den Augen von Bundestrainer Hendrik Rödl drehten die Hausherren auf, als hätten sie einen 23-Punkte-Rückstand aufzuholen. Devin Oliver mit zwei schnellen Dreiern zum 10:4 zwang Gäste-Headcoach Attilio Caja früh zu einer ersten Auszeit. Nach gerade einmal 4:12 Minuten führten die Baskets nach zwei von Center Gabriel Olaseni erstmals zweistellig (14:4).

    Wie im Rausch

    Und als Florian Koch per Dreier zum 19:7 nach nicht einmal sechs Minuten traf, zog Caja bereits die zweite und letzte Auszeit der ersten Hälfte. Allein, es nützte nichts! Die Hausherren spielten weiter wie im Rausch und überrollten die Norditaliener förmlich bis Viertelende. 19 Punkte hatten sie nach zehn Minuten zwischen sich und Varese gebracht – in Addition beider Begegnungen 42 Zähler.

    Selbst den größten Pessimisten unter den Baskets-Fans war zu diesem Zeitpunkt klar, dass dieser Vorsprung in den verbleibenden 30 Spielminuten nicht mehr verspielt werden würde. „Wir sind sehr ordentlich aus der Kabine gekommen. Die Jungs haben mit Selbstbewusstsein gespielt, ohne Arroganz und so frühzeitig die Weichen auf Finale gestellt“, resümierte Wucherer, dem sein US-Guard Jordan Hulls beipflichtete: „Wir wussten, dass Varese es nochmal versuchen und härter als im Hinspiel agieren würde. Aber wir waren darauf vorbereitet, waren aggressiv und haben unser Spiel gespielt.“ So gelang es den Gästen im weiteren Spielverlauf zwar immer wieder mal, den Rückstand zu verkürzen. In die Nähe die Serie zu drehen, kamen sie allerdings zu keinem Zeitpunkt.

    Etwas Spannung zum Schluss

    Immerhin bot der Schlussabschnitt, in den die Hausherren mit einer 75:59-Führung gegangen waren, noch etwas Spannung. Mit einem 12:0-Lauf verkürzte Varese zunächst auf 71:75 (34.), um vier Minuten vor Spielende durch zwei Dreier von Ronald Moore sogar nochmal in Führung zu gehen (83:82).

    Doch auch dieses Gastgeschenks in Form eines – letztlich bedeutungslosen – Sieges wollten die Baskets dem Team aus der Lombardei nicht zukommen lassen. Devin Oliver mit einem verwandelten Freiwurf 24 Sekunden vor Schluss tütete auch im Rückspiel den 89:86-Sieg ein. „Mission erfüllt“, freute sich Wucherer, und ergänzte: „In einem Finale stehst du nicht so oft, egal ob als Spieler oder Trainer. Insofern ist die Freude darüber natürlich groß. Wir werden bereit sein.“

    Die Statistik des Spiels

    Für Würzburg spielten: Wells 13/3, Hulls 13/1, Olaseni 12, Cooks 11, Koch 11/2, Oliver 11/2, Albus 9/3, Bowlin 5, Obiesi 4, Morrison, Hadenfeldt.

    Beste Werfer Varese: Scrubb 29, Archie 11, Cain 11, Moore 11/3.

    Rebounds: 38 – 25. – Treffer aus dem Feld: 25/51 ( 49%) – 31/66 ( 47%).

    Dreierquote: 11/24 ( 46%) – 8/28 ( 29%).

    Freiwürfe: 28/33 ( 85%) – 16/16 ( 100%).

    Größte Führung: 19 (30:11) – 1 (83:82).

    Schiedsrichter: Marius Ciulin (Rumänien), Janusz Calik (Polen), Boris Krejic (Slowenien).

    Zuschauer: 2313.

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