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    Fussball / Basketball

    Die Kickers und die Baskets: Die Trainerfrage

    Zwei Vereine und ihre Trainer: Eine aktuelle Analyse über den Umgang von Würzburgs hochklassigsten Klubs mit Michael Schiele und Denis Wucherer.
    Trainer Michael Schiele wird von seinem Arbeitgeber FC Würzburger Kickers trotz einer Erfolgsserie weiter hingehalten.
    Trainer Michael Schiele wird von seinem Arbeitgeber FC Würzburger Kickers trotz einer Erfolgsserie weiter hingehalten. Foto: foto2press/Frank Scheuring

    Ja, zugegeben, man kann den Vergleich sofort verurteilen! Und sagen: Was für ein Quatsch! Auf den ersten Blick. Man kann dann sagen: Da geht`s einerseits um die Massensportart Fußball. Andererseits nur um die Nischensportart Basketball. In Würzburg kicken die einen, der FC Würzburger Kickers, den Ball in der dritten Klasse. Die anderen, s.Oliver Würzburg, werfen die Kugel in der höchsten Liga. Zu den Kickern rennen viel mehr Menschen als zu den Basketballern. Liegt nicht nur hierzulande in den Genen der Sporthierarchie: Fußball, Fußball, Fußball - und dann lange nix. In Würzburg aber ist - zumindest auf den zweiten Blick - gerade ein sehr interessantes Schauspiel zu beobachten, das auch viel aussagt über zwei Sportarten und über zwei Vereine - und über ihren Umgang mit ihren Trainern: also den Fußball-Lehrer Michael Schiele und den ehemaligen Basketball-Nationalspieler Denis Wucherer. Eine kommentierende Zustandsbeschreibung in Fragen und Antworten.

    Denis Wucherer am vergangenen Freitagabend nach der Verkündung seiner Vertragsverlängerung.
    Denis Wucherer am vergangenen Freitagabend nach der Verkündung seiner Vertragsverlängerung. Foto: Heiko Becker
    Soeben wurde verkündet, dass Wucherers Vertrag bei den Baskets um zwei Jahre verlängert wurde, obwohl die Mannschaft nur eines der letzten vier Spiele gewonnen hatte und das fünfte dann auch noch deutlich verloren hat. Das Saisonziel, der Einzug in die Play-offs, ist noch immer realistisch. War die Vertragsverlängerung richtig?

    Ja! Die Baskets vertrauen ihrem Trainer. Er hat trotz Rückschlägen die Mannschaft fortentwickelt, Spieler gestärkt und besser gemacht, und er wird das weiterhin tun, unabhängig davon, ob das Saisonziel, die Play-off-Teilnahme, erreicht wird oder nicht: Wucherer und die Baskets - das ist schon jetzt eine Art Erfolgsgeschichte. Und die wird Wucherer fortschreiben.

    Schiele ist mit den Kickers seit sechs Partien unbesiegt und kann inzwischen bei nur einem Sieg Rückstand sogar wieder an den Aufstiegsplätzen schnuppern - aber der Verein drückt sich seit Wochen darum herum, ihn weiterzuverpflichten. Warum?

    Die Kickers vertrauen ihrem Trainer offenbar nicht (mehr). Jedenfalls spätestens seit dem Einstieg von Felix Magath beim Hauptsponsor wirkt es so. Schiele hat die Mannschaft fortentwickelt und auch immer wieder erfolgreich Antworten auf schwierige Herausforderungen gefunden. Schiele hat Spieler besser gemacht, aber er wird die Früchte nicht ernten dürfen. Wenn nicht nach den jüngsten Erfolgen, wann dann könnte man einem Trainer Vertrauen aussprechen? 

    Können die Trainer mehr, als sie derzeit zeigen (dürfen)?

    Zweimal ja! Mit unterschiedlichen Ansätzen. Wucherer, 123-facher Nationalspieler, hat Spielideen und eine Art, dass ihm von Experten schon mehrfach unterstellt wurde, er könne Euroleague-Mannschaften, also die europäische Königsklasse, erfolgreich coachen. Und mit Würzburg sind die Play-offs drin. Schiele, die meiste Zeit seiner aktiven Karriere Regionalliga-Kicker und alleine schon deshalb in Magaths Weltbild offenbar nicht wirklich Ernst zu nehmen, da er nicht erstklassig spielte, hat bewiesen, erfolgreich zu sein. Zweimal Platz fünf. Und hat aktuell auch noch die realistische Chance, aufzusteigen mit einem Kader, der in dieser engen Klasse, selbst nach den Nachverpflichtungen im Winter, nicht zwangsläufig Aufstiegsaspirant zu sein hat. Aber selbst der mögliche Aufstieg wird vermutlich nicht ausreichen, um weiter am Dallenberg arbeiten zu dürfen.

    Können die beiden mit Medien?

    Unfaire Frage! Liegt auch an der Grundeinstellung der Vereine. Mitunter erscheint es so, als empfänden die Kickers journalistische  Begleitung eher als lästiges Übel, das irgendwie halt bedient werden muss. Die Baskets freuen sich zum Beispiel über Besuche im Trainingslager. System: Der Fußball-Drittligist bemüht sich eifrig, der vorgelebten Attitüde von richtigen Profifußballvereinen nachzueifern. Der Basketball-Bundesligist hat keinerlei Probleme damit, wenn der journalistische Begleiter im Mannschaftshotel nächtigt. Im Gegenteil: Schön, dass du da bist. Wucherer ist - unabhängig vom Spielausgang - oft sehr, manchmal fast schon zu ehrlich. Schiele ist - sehr abhängig vom Spielausgang - mehr oder weniger zugänglich und professionell im Vier- oder Sechs-Augen-Gespräch nach einer Partie.

    Und wie geht's weiter?

    Bei den Baskets und mit Wucherers Vertragsverlängerung um zwei Jahre ist das ja geklärt. Bei den Kickers und Schiele eben noch nicht. Prognose: Schiele kann machen, was er will, und notfalls sogar auch aufsteigen - und wird sich dann wohl trotzdem einen neuen Arbeitgeber suchen müssen.

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