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    HANDBALL: ZWEITE BUNDESLIGA MÄNNER

    Die Wölfe jubeln in Emsdetten

    TVE-Rimpar
    Wölfe außer Rand und Band: Nach dem hart erkämpften 31:29-Sieg in Emsdetten lassen die Rimparer ihrer Freude freien Lauf. Foto: Bernd Oberheim

    „Der Bessere wird gewinnen.“ Der Satz, den Konstantin Madert vor dem Wiedersehen mit seinem Ex-Klub DJK Rimpar Wölfe gesagt hatte, hallte nun nach. Im leeren Kabinengang der Ems-Halle, in dem er augenscheinlich Ruhe suchte. Und vielleicht auch in ihm, wie er da stand im Neonlicht und ebenso leer wirkte. Konfrontiert mit der Frage, ob tatsächlich der Bessere gewonnen habe, zuckte der Handballtorwart des TV Emsdetten mit den Schultern. „Rimpar hatte ein paar personelle Optionen mehr. Bei uns war irgendwann die Luft raus“, antwortete er dann, während es sich den Schweiß aus dem traurigen Gesicht wischte. Nach einer Pause schob er nach: „Die Wölfe haben in der Schlussphase wohl auch die eine oder andere bessere Entscheidung im Angriff getroffen.“

    Nur wenige Minuten zuvor am Samstagabend hatten Maderts ehemalige Teamkollegen in der Halle nebenan Ringelreihen getanzt und lautstark ihren Auswärtssieg gefeiert. Auch das hallte irgendwie nach in der Stille auf diesem leeren Gang im Bauch der Arena. 31:29 (14:15) hatten die Wölfe nach einer bis zum Ende engen Kiste gegen die verletzungsbedingt nur mit zehn Feldspielern angetretenen Westfalen gewonnen. Und ja, genau diese zwei Tore waren die Unterfranken besser gewesen.

    Nuancen geben den Ausschlag

    „Nuancen haben schließlich den Ausschlag gegeben, vielleicht auch unsere breitere Bank“, resümierte DJK-Coach Matthias Obinger nach dem zehnten Saisonsieg seiner Mannschaft, dem ersten überhaupt im fünften Zweitliga-Vergleich mit dem Ex-Erstligisten Emsdetten. Er stoppte nicht nur das Negativläufchen nach zuletzt drei Auswärtsniederlagen, sondern festigte den Rimparern auch Platz fünf in der Tabelle. Nach wie vor bleiben sie bis auf zwei Punkte am Spitzentrio und den Aufstiegsrängen dran. Emsdetten dagegen trennen als Zwölften nur zwei Zähler von der Abstiegszone.

    Eine dieser Nuancen, von denen Obinger sprach, war der Anschlusstreffer zum 25:26 in der 52. Minute gewesen. Kurz zuvor hatte der mit insgesamt zwölf Paraden gut aufgelegte Konstantin Madert noch einen Siebenmeter von Patrick Schmidt gehalten, doch dann überwand ihn Max Bauer mit einem Kempa-Tor. Spektakuläre Treffer wie diese spielen psychologisch immer dem Schützen und seinem Team in die Karten. Bauer erzielte damit sein einziges Tor – allerdings ein wichtiges. Der Berliner Wolf war erkältet in die Partie gegangen, weil die Wölfe sonst keinen etatmäßigen Rechtsaußen hätten aufbieten können.

    Julian Sauer fiel wegen seiner Fingerverletzung erneut aus. So bekam Lukas Böhm, der sonst vor allem in der Abwehr eingesetzt wird, große Spielanteile auf dem Flügel.

    Bauers Anschlusstreffer jedenfalls eröffnete einen 5:0-Lauf der Gäste. Zweimal Sebastian Kraus, Lukas Siegler und der mit acht Toren erfolgreichste Werfer der Wölfe, Steffen Kaufmann, wendeten den Rückstand bis zur 57. Minute in eine 29:26-Führung. „Da kam auch der Trotz bei uns durch, weil wir durch einige Pfiffe klar benachteiligt wurden“, meinte Co-Trainer Josef Schömig, der zurecht das wiederholt unsouverän wirkende Schiedsrichtergespann kritisierte.

    Diejenigen unter den 1133 Zuschauern in der leidlich stimmungsvollen Ems-Halle, die bereits eine Entscheidung witterten, wurden dennoch eines Besseren belehrt. Und sie wurden an die erste Halbzeit erinnert, als sich beide Klubs zwar eine umkämpfte Auseinandersetzung auf Augenhöhe geliefert hatten, allerdings in Form eines Duells in Wellen. Mal war die eine Mannschaft oben auf gewesen, mal die andere; mal waren der einen drei oder vier Treffer in Folge gelungen, mal der anderen. So etwa hatte Rimpar den besseren Start erwischt (4:1, 8.), zur Pause jedoch war Emsdetten vorn gelegen (15:14).

    Nach dem Seitenwechsel gewann die Partie noch mehr den Charakter eines Schlagabtauschs. Die Wölfe hatten in der Abwehr ihre Schwierigkeiten mit dem gefährlichen Kreisläufer des TVE, André Kropp; auch den gegnerischen Rückraum gingen sie nicht immer früh und offensiv genug an. Dafür trafen sie im Angriff von fast allen Positionen. So stand das Match lange auf des Messers Schneide. Erst acht Minuten vor Abpfiff gelang den Gastgebern die erste Zwei-Tore-Führung in Halbzeit zwei. Doch die Gäste konterten mit besagtem 5:0-Lauf.

    Geschlossene Mannschaftsleistung

    In diese Phase fiel eine weitere wohl ausschlaggebende Nuance: Beim Stand von 28:26 parierte DJK-Keeper Max Brustmann einen Tempogegenstoß von Yannick Terhaer – die wichtigste seiner 17 Paraden. Zwar kam Emsdetten in der spannenden Schlussphase tatsächlich noch zweimal auf einen Treffer heran (28:29, 29:30), doch zweimal demoralisierten die Grün-Weißen die Gastgeber gleich im Gegenzug wieder. Zunächst drosch der nach seinem Magen-Darm-Virus wieder zu seiner Stärke zurückfindende Spielmacher Benjamin Herth einen Ball in die Maschen, dann warf Jan Schäffer in der 59. Minute die Kugel zum 31:29-Endstand ins leere Emsdettener Tor.

    „Diese Niederlage tut extrem weh“, gestand TVE-Trainer Daniel Kubes, zugleich tschechischer Nationalcoach, später. „Wir hatten die Chance auf den Sieg, aber Rimpar hat letztlich verdient gewonnen. Wir haben verloren, weil wir vorne unsere Chancen nicht gut genug genutzt und hinten zu viele Fehler gemacht haben.“

    Sein DJK-Kollege lobte vor allem die Angriffsleistung seines Rudels: „Wir waren variabel und sind nie in Hektik verfallen. 31 Tore gelingen uns auswärts nicht so oft.“ Zuletzt war das am 26. Februar der Fall gewesen, damals unterlagen die Wölfe allerdings mit 31:32 in Essen. In Emsdetten siegten sie laut Obinger auch, „weil wir geschlossen aufgetreten sind, weil auch jeder, der von der Bank kam, seine Rolle erfüllt hat und weil wir für alle Aufgaben eine Lösung parat hatten“. Es gewann die reifere Mannschaft. Und damit die bessere.
     

    Wolf des Tages

    Steffen Kaufmann #18
    Mit acht Treffern bester Torschütze der Wölfe. Kam bei nur drei Fehlwürfen auf eine ansehnliche Quote von 62,5 Prozent. Bei Emsdetten schaffte es kein Werfer über 50 Prozent.
     

    Die Statistik des Spiels

    Emsdetten: Madert (1.-54.), Komendant (55.-60.) – Krings, Terhaer 3, Pröhl, Steffen, Dräger, Wesseling 4, Adams 7, Kropp 5, Gretarsson 5, Pöhle 5/2.
    Rimpar: Brustmann (1.-60.), Wieser (n.e.) – Kraus 3/1, Schmitt, Schömig 2, Böhm 1, Bötsch, Schäffer 4, Schmidt 1/1, Kaufmann 8, Siegler 1, Bauer 1, Brielmeier 5, Herth 5.
    Spielfilm: 1:4 (8.), 3:4 (9.), 5:5 (12.), 5:7 (15.), 9:7 (19.), 9:11 (24.), 12:12 (25.), 15:14 (HZ), 15:16 (32.), 18:17 (38.), 24:24 (48.), 26:24 (52.), 26:29 (57.), 29:30 (59.), 29:31 (Endstand).
    Siebenmeter: 2/2 : 2/4.
    Zeitstrafen: 3:5.
    Schiedsrichter: Karamuk/Seliger (Berlin).
    Zuschauer: 1133 in der Ems-Halle.

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