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    Basketball: Bundesliga

    Die Würzburger Baskets verlieren nach freudiger Kunde

    Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg verliert im Schlussviertel den Faden, unterliegt Bamberg 77:95 und verkündet, mit Trainer Denis Wucherer zwei weitere Jahre zusammenzuarbeiten.
    Enttäuschung pur bei den Baskets nach dem desaströsen Schlussviertel und der 77:95-Niederlage gegen Brose Bamberg (von links): Cameron Wells, Jordan Hulls, Nils Hassfurther, Florian Koch, Felix Hoffmann, Jonas Weitzel und Skyler Bowlin.
    Enttäuschung pur bei den Baskets nach dem desaströsen Schlussviertel und der 77:95-Niederlage gegen Brose Bamberg (von links): Cameron Wells, Jordan Hulls, Nils Hassfurther, Florian Koch, Felix Hoffmann, Jonas Weitzel und Skyler Bowlin. Foto: Heiko Becker

    Die freudigste Nachricht des Abends hörte das Publikum kurz vor dem Sprungball. Nach der Vorstellung der Mannschaften, just als die Anhängerschar in Vorfreude auf die Partie den Dezibelpegel noch ein wenig nach oben schrauben wollte, bat der Hallensprecher kurz noch einmal um etwas Ruhe - und sorgte dann für mehr Lärm, als es zuvor zu erwarten gewesen wäre. Weil er verkündete, dass Cheftrainer Denis Wucherer seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag bei den Baskets nach - doch einigen Verhandlungen - vorzeitig um zwei weitere Jahre verlängert hat. 

    Und diese Tatsache könnte womöglich zumindest ein paar rot-weiße Fans darüber hinwegtrösten, dass Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg nach der Schlappe gegen Bayreuth auch das zweite Frankenderby zu Hause verloren hat: mit 77:95 (51:45) gegen Brose Bamberg und damit auch den direkten Vergleich, weshalb beide Mannschaften zumindest über Nacht die Plätze tauscht.

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    Wucherer gratulierte seinem Bamberger Kollegen Roel Moors zu "einem aufgrund des letzten Viertels verdienten Sieg". Und ärgerte sich über "die zehn Ballverluste in der zweiten Halbzeit". Über sechs richtige Turnovers, und viermal lief die Wurfuhr ab, ohne dass die Würzburger die Kugel innerhalb von 24 Sekunden auf den Korb werfen konnten. "Wir haben drei Viertel ein tolles Spiel gezeigt", behauptete Wucherer völlig zurecht. "Wenn man dann aber in der Verteidigung an sich und am defensiven Brett den Job komplett einstellt, dann brauchst du dich nicht wundern", meinte der 46-Jährige. Zumal es ja nicht das erste Mal geschehen ist in den letzten Wochen. Konditionelle Probleme verneint Wucherer: "Wenn wir solche Probleme bekommen, sind das in aller Regel Kopfprobleme. Clevereren Teams passiert das so nicht."

    Dass die Bamberger mit ordentlich Wut im Bauch angereist waren und sich bestimmt Wiedergutmachung schworen, war zu erwarten gewesen. Vergeltung zum einen natürlich für die 69:72-Niederlage gegen den fränkischen Nachbarn, dem ersten Erfolg der Baskets in Bamberg überhaupt. Und Entschädigung freilich auch für die 70:107-Demütigung in Berlin am vergangenen Wochenende. Es wäre eine herausfordernde Aufgabe für einen sehr fleißigen Archivar, mal nachzusehen, wann der einstige Serienmeister letztmals derart erniedrigt worden war (wenn überhaupt schon einmal in der Bundesliga). Bei den Gästen stand die jüngste Nachverpflichtung in der Anfangsformation: Aufbauspieler Jordan Crawford hat 295 Spiele in der NBA auf dem Buckel und machte bei seiner Premiere in Berlin elf Zähler. In Würzburg wollte er mehr. Und zeigte es: Mit 23 Zählern Topscorer der Gäste, versenkte er auch fünf seiner neun Dreierversuche, teilweise aus den ausweglosesten Situationen.

    "Der Verein war zufrieden mit meiner Arbeit in den eineinhalb Jahren, und ich war es auch mit dem Verein."
    Denis Wucherer, Baskets-Cheftrainer

    Dass die Gäste was gutmachen wollten, merkte man anfangs allerdings erst einmal nicht so wirklich. Auch, weil die von Wucherer zum Sprungball geschickten Cameron Wells und Skyler Bowlin, Luke Fischer und Brekkott Chapmann sowie Florian Koch mit mächtig viel Verve ans Abendwerk gingen. Als Florian Koch nach vier Minuten seinen ersten Dreier versenkte, führten die Hausherren schon mal mit sechs Punkten (11:5). Es entwickelte sich eine ziemlich spannende, phasenweise sogar richtig hochklassige und intensive Partie, in der sich auf Seiten der Gäste neben Crawford (14 Punkte in der ersten Hälfte) vor allem der einst für ein paar Wochen auch in Würzburger Diensten stehende Kameron Taylor (am Ende 21 Punkte) hervortat. Bei den Hausherren machte Center Luke Fischer (14 Zähler in den ersten 20 Minuten, insgesamt 20) gerade dort weiter, wo er bei seiner überragenden Vorstellung in Bonn aufgehört hatte, und weil es Crawford anfangs gelang, Baskets-Spielmacher Wells das Leben ziemlich unleidlich zu machen, musste Skyler Bowlin (12, alle in Halbzeit eins) einspringen.

    Das erste Viertel beendete Neu-Nationalspieler Joshua Obiesie mit einem buzzerbeatenden Dreier, weshalb die Baskets mit einem 24:21 in die erste Verschnaufpause gehen durften. Auch in den zweiten zehn Minuten wechselten sich beide Teams munter ab mit Läufen: Die Gäste legten ein 8:0 zum 24:29 vor, die Baskets konterten mit einem 9:0-Lauf zum 49:43. Mit sechs Zählern Vorsprung gingen die Würzburger in die Pause (51:45) - und bauten anschließend ihre Führung das erste und einzige Mal sogar auf zehn Punkte aus (55:45, 23. Minute). Als dann aber nach gerade einmal zweieinhalb Minuten des dritten Viertels Brekkott Chapmann sein viertes Foul angeschrieben bekam (und deshalb erstmal auf der Bank platznahm), geriet die Statik des Baskets-Spiels etwas ins Wanken.

    Der Bamberger war mit 23 Punkten Topscorer der Begegnung - und von den Würzburgern (links Lukas Fischer) kaum zu bremsen.
    Der Bamberger war mit 23 Punkten Topscorer der Begegnung - und von den Würzburgern (links Lukas Fischer) kaum zu bremsen. Foto: Heiko Becker

    Zwar behaupteten die Hausherren ihre Führung bis zum Viertelende, aber die war bis auf vier Punkte geschmolzen. Mit 67:63 ging's in den Schlussabschnitt - und dann brachen irgendwie alle Dämme. Die Bamberger erhöhten den Druck in der Defensive enorm, trafen auch vorne besser, und den Würzburgern ging ihr bis dorthin holdes Würfglück (gute 56 Prozent Trefferquote aus dem Feld nach drei Vierteln) flöten. Nachdem Retin Obasohan nach 90 Sekunden des Abschlussviertels die Führung für Bamberg zurückerobert hatte (70:69), ging's plötzlich ganz, ganz schnell. Den Hausherren fiel in der Defensive nichts mehr ein gegen die nun aufdrehenden Gäste, die einen 25:4-Lauf hinlegten. Mit 10:32 verloren die Baskets das Schlussviertel, in dem die Bamberger die Wut, mit der sie angereist waren, tatsächlich zur Schau stellten.

    Denis Wucherer bei der bejubelten Verkündigung seiner Vertragsverlängerung am Freitagabend.
    Denis Wucherer bei der bejubelten Verkündigung seiner Vertragsverlängerung am Freitagabend. Foto: Heiko Becker

    Insofern überwog bei Wucherer in den Momenten nach der Partie mehr der Ärger über die Niederlage als die Freude über die Vertragsverlängerung, zu der er sagte: "Durch die nächsten zwei Jahre, stehen die Chancen gut, einen Fußabdruck in Würzburg zu hinterlassen. Der Verein war zufrieden mit meiner Arbeit in den eineinhalb Jahren, und ich war es auch mit dem Verein." Mit seiner Mannschaft war er es an diesem Abend nicht.

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