• aktualisiert:

    Fußball: Toto-Pokal

    Die Würzburger Kickers schnappen sich den Toto-Pokal

    Jubel, Trubel, Heiterkeit: Kickers-Akteur Daniel Hägele präsentiert den Toto-Pokal vor dem Würzburger Fanblock. Foto: Frank Scheuring

    Die Würzburger Kickers sind ihrer Favoritenrolle gerecht geworden. Mit 3:0 (1:0) siegten die Rothosen am Ende souverän bei Regionalligist Viktoria Aschaffenburg. Am Ende einer zwischenzeitlich holprig verlaufenen Pokalsaison bekam Kickers-Spielführer Sebastian Schuppan die Trophäe von Ex-Meistertrainer Felix Magath überreicht und reckte sie in die Höhe. Die Rothosen haben sich damit nicht nur zum dritten Mal nach 2014 und 2016 den Titel als bayerischer Pokalsieger gesichert - sondern auch die Teilnahme an der ersten Hauptrunde des DFB-Pokal-Wettbewerbs. Die alleine dürfte schon 150 000 Euro in die Kickers-Kasse spülen. Geld, dass der Drittligist bei seiner Kaderplanung gewiss gut gebrauchen kann. Vom Imagegewinn durch ein garantiertes Erstrundenspiel gegen einen Erst- oder Zweitligisten ganz zu schweigen.

    Rund 2000 Kickers-Anhänger

    Es war, da gibt es kein Vertun, eine Pflichtaufgabe, die die Rothosen im Aschaffenburger Stadion am Schönbusch zu bewältigen hatten. Der Drittliga-Fünfte gegen den Regionalliga-Elften - das klingt nach einer eindeutigen Angelegenheit. Es war aber eben auch ein Spiel unter besonderen Voraussetzungen, in einer dem Anlass angemessenen Atmosphäre. Die Ränge im Aschaffenburger Stadion waren mit 6033 Zuschauern nahezu komplett gefüllt, und die Aussicht auf den DFB-Pokal versetzte auch die Würzburger Anhängerschaft in Bewegung. Rund 2000 Kickers-Fans  kamen an den Untermain.

    Kickers-Trainer Michael Schiele hatte mit einem Geduldsspiel gerechnet. Die Ruhe sollte sein Team bewahren, sich nicht zu schnell aus der Reserve locken lassen. Die Kickers hielten sich an diese Vorgabe. Nur auf einer Position hatte Schiele seine Mannschaft im Vergleich zum 2:1-Sieg in Lotte am letzten Drittliga-Spieltag verändert. Simon Skarlatidis kehrte ins Team zurück, für ihn blieb Dave Gnaase erst einmal draußen. Patrick Sontheimer und Janik Bachmann bekamen im zentralen Mittelfeld von Schiele den Vorzug.

    Die Würzburger ließen den Ball in der Startphase recht gefällig durch ihre Reihen laufen, kamen vor allem über die Flügel dem Aschaffenburger Tor auch einige Male ziemlich nahe. Wirklich gefährlich wurde es vor dem Viktoria-Kasten aber vorerst nicht. Es brauchte schon eine Standardsituation, um die Partie in die von den Kickers angedachte Richtung zu lenken. Der nach Halle abwandernde Patrick Göbel trat in seinem letzten Spiel für die Rothosen einen Eckball gefühlvoll und punktgenau in den Strafraum, der erstaunlich ungedeckte Abwehrmann Daniel Hägele schraubte sich nach oben und köpfte den Ball exakt neben den Pfosten zur 1:0-Führung für die Gäste in den Kasten (22.).

    Manch einer dachte schon daran, dass die Kickers bei ihrem letzten Pokalsieg 2016 in Unterhaching mit 6:2 gewonnen hatte. Ganz so bitter kam es für die Viktoria nicht. Weil die Mannschaft von Trainer Jochen Seitz ihr Herz in die Hand nahm, ihrerseits immer wieder angetrieben von ihrem besten Mann, Björn Schnitzer, ihre Chance suchten und auch eine echte Torgelegenheit hatten: Schnitzer hatte versucht, Kickers-Keeper Eric Verstappen mit einer Bogenlampe zu überlupfen - doch der Holländer ließ sich nicht überraschen und lenkte den Ball über die Latte. 

    Magath lobt die Kickers

    Hatten die Gastgeber sich in der ersten Hälfte noch aufs Kontern beschränkt, versuchten die Aschaffenburger es nach dem Seitenwechsel mit etwas mehr Offensivgeist. Ein paar Torchancen erarbeitete sich die Viktoria so schon. Wirklich spannend wurde die Partie an diesem Nachmittag aber nicht mehr. Die Kickers spulten unaufgeregt ihr Pensum herunter. Patrick Göbel (65.) und Orhan Ademi (90.) legten noch zwei blitzsaubere Treffer nach.

    "Ich wäre als Kickers-Trainer heute zufrieden", sagte Magath, nachdem er den Pokal überreicht hatte und fasste zusammen: "Das war professionell, das war souverän." Wer wollte Magath da widersprechen.  Aschaffenburg hatte sich nach Kräften gewehrt, das reichte aber nicht aus um den Favoriten ins Wanken zu bringen. "Wir haben die ganze Woche gespürt: Von uns wurde erwartet, dass wir das hier schaffen. Das war auch unser Anspruch. Wir haben das gut gemacht", sagte Spielführer Schuppan mit dem Pokal unterm Arm freudestrahlend: "Es war heute nicht einfach, die Konzentration hochzuhalten." In seiner langen Karriere war es für den 32-Jährige das erste Mal, dass er einen der deutschen Landespokal-Wettbewerb gewinnen konnte: "Wir haben in dieser Saison einige Satzbälle vergeben, als wir an den vierten Tabellenplatz heranrücken konnten. Am Ende war es jetzt dann aber doch eine gute Saison."

    "Danke Schweinfurt!"

    Der Sturm des Innenraums der Würzburger Anhänger war der Auftakt für die große Feierei, die auf der Heimfahrt und schließlich in Würzburg weitergehen sollte. "Wir haben vor dem Spiel nicht darüber gesprochen. Ich weiß nicht, was passiert, aber ich gehe davon aus, dass wir ein bisschen Gas geben", sagte Schuppan, der im Moment des Triumphs auch an den steinigen Weg ins Finale dachte. Eigentlich schienen die Kickers nach dem 1:3 beim FC Schweinfurt 05 im Achtelfinale ja schon ausgeschieden, weil die Schnüdel aber nur drei statt vier U-23-Spieler auf dem Spielberichtsbogen hatten, bekamen die Rothosen den Sieg nachträglich noch zugesprochen. "Danke, Schweinfurt!", so Schuppan mit dem Pott im Arm.

    Die Statistik des Spiels
    Viktoria Aschaffenburg - Würzburger Kickers 0:3 (0:1
    Aschaffenburg: Birk – Zehnder (60. Beinenz), Schmidt, Dähn, Boutakhirt, Kizilyar – Cheron, Verkaj, Grünewald – Schnitzer, Oppermann (73. Harrer).
    Würzburg: Verstappen – Göbel, Hägele, Schuppan, Kurzweg – Kaufmann (87. Ünlücifci), Sontheimer (63. Gnaase), Bachmann, Skarlatidis – Ademi, Baumann (74. Breitkreuz).
    Schiedsrichter: Dietz (Kronach).
    Tore: 0:1 Hägele (22.), 0:2 Göbel (65.), 0:3 Ademi (90.).
    Zuschauer: 6033

    Weitere Artikel

    Kommentare (1)

    Kommentar Verfassen

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!