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    Fußball: Dritte Liga

    Die zerstrittene Dritte Liga

    Wer für oder gegen einen Saisonabbruch argumentiert, der hat fast immer auch den eigenen Tabellenstand im Kopf.
    Dieses Bild wird es in dieser Saison ganz sicher mehr geben: volle Ränge am Dallenberg.
    Dieses Bild wird es in dieser Saison ganz sicher mehr geben: volle Ränge am Dallenberg. Foto: foto2press/Frank Scheuring

    Am Dienstag hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Verantwortlichen der Drittligisten zu einer Videokonferenz gebeten. Der Verband wollte, so war im Vorfeld zu hören, den Vereinsvertretern aufzeigen, welche Folgen ein Saisonabbruch hätte. Die endgültige Entscheidung, ob die Saison mit Geisterspielen weitergeführt wird, trifft am Ende aber ohnehin der DFB. Das muss man wissen, wenn dieser Tage immer wieder zusammengezählt wird, wie viele Klubs sich für und gegen einen Abbruch positioniert hatten. Und am Ende müssten Vereine und Verband ohnehin ein Konzept vorlegen, das unter gesundheitlichen Aspekten auch die Behörden überzeugt. Die Liga ist derzeit tief gespalten. Ein Überblick über die diskutierten Szenarien:

    Geisterspiele 

    Auch die Würzburger Kickers haben sich in der Diskussion der vergangenen Wochen bereits öffentlich festgelegt. Die Rothosen sind dafür, sofern das gesundheitlich verantwortbar ist, die Saison mit Geisterspielen zu Ende zu bringen. Alle fünf bayerischen Drittligisten haben sich auf diese Linie verständigt. Was auch nicht weiter verwundert: Die Klubs aus dem Freistaat machen sich, von der nicht-aufstiegsberechtigten U 23 des FC Bayern München mal abgesehen, allesamt noch Hoffnungen, den Sprung in Liga zwei zu schaffen. Nur drei Punkte trennen die Kickers als Tabelenzehnten von einem Aufstiegsrang. Als "alternativlos", bezeichnet Kickers-Vorstandsvorsitzender Daniel Sauer dise Lösung, "wenn die Dritte Liga in Zukunft als Profiliga existieren soll".

    Warum, das wird in der Stellungnahme der bayerischen Klubs nicht erläutert. Die Vorteile liegen freilich auf der Hand: Es gäbe ein unzweideutiges sportliches Endresultat. "Geisterspiele sind nicht schön, aber überhaupt kein Fußball ist die schlechteste Lösung", lässt der FC Ingolstadt verlauten. Und Günther Gorenzel, Geschäftsführer von 1860 München, fragt: "Wenn ich jetzt den Saisonabbruch fordere, weil sie wirtschaftlich nicht tragbar sind - was machen wir dann bis ins Frühjahr 2021?“  So blieben immerhin die Einnahmen aus TV-Vermarkung und Sponsoring. Das sei doch besser als gar nichts. Für die Saisonfortsetzung ausgesprochen haben sich auch Eintracht Braunschweig und Hansa Rostock. Auch diese beiden Klubs liegen derzeit nur knapp hinter der Aufstiegszone.

    Befürworter: SpVgg Untehaching (3.), FC Ingolstadt (5.), 1860 München (6.), Bayern München II (7.), Eintracht Braunschweig (8.), Hansa Rostock (9.), Würzburger Kickers (10.).

    Saisonabbruch

    Keine Spiele, keine Kosten. So die einfache Rechnung der Befürworter eines Abbruchs. Partien ohne Zuschauer würden viele Klubs schnell in die Zahlungsunfähigkeit treiben, weil dann zum Beispiel auch die Mannschaft nicht mehr auf Kurzarbeit gesetzt werden könnte. Ein fairer Wettbewerb sei wegen der unterschiedlichen Trainingsbedingungen - nur ein Teil der Klubs trainiert derzeit in kleinen Gruppen auf dem Feld - nicht möglich. Und überhaupt solle der Fußball "keine Sonderrolle beanspruchen" und "seine Verwurzelung nicht aufs Spiel setzen", heißt es in einer Erklärung, die insgesamt acht Drittliga-Klub unterzeichnet haben. Ganz selbstlos sind deren Motive freilich nicht. Von den acht in der Tabelle derzeit ganz hinten platzierten Klubs gehören sieben zu den Unterzeichnern; darunter alle, die derzeit auf einem Abstiegsplatz stehen. Sie plädieren nicht nur für einen Saisonabbruch, sondern auch dafür, dass der Abstieg ausgesetzt wird, und wären auf einen Schlag alle gerettet. Aufsteigen, so der Vorschlag, soll man trotzdem können. Und so ist auch der Überraschungszweite aus Mannheim für den Abbruch.

    Befürworter: Waldhof Mannheim (2.), Chemnitzer FC (13.), 1. FC Magdeburg (15.), Hallescher FC (16.), FSV Zwickau (17.), Preußen Münster (18.), Sonnenhof Großaspach (19.), Carl Zeiss Jena (20.).

    Acht zu sieben für einen Abbruch, so lautet das Verhältnis derzeit. Fünf Vereine haben sich noch nicht öffentlich geäußert.

    Unentschieden: MSV Duisburg (1.), SV Meppen (4.), KFC Uerdingen (11.), Viktoria Köln (12.), 1. FC Kaiserslautern (14.).

    Zweiteilung der Liga

    Mitten in der Diskussion um einen Saisonabbruch ht sich auch noch eine weitere Interessengruppe zu Wort gemeldet. Regionalligist SV Elvrsberg hat dem DFB in Konzept vorgelegt, in dem der Zweite der Süd-West-Staffel die Aufstockung der Dritten Liga auf 40 Klubs und deren Zweiteilung fordert. Mehr Derbys und geringere Kosten, so die Argumentation, seien die Vorteile. Klubs wie Rot-Weiß Essen oder Kickers Offenbach, die seit Jahren erfolglos den Drittliga-Aufstieg anpeilen, unterstützten den Vorschlag bereits öffentlich. Unter den Drittligisten herrscht hingegen ungewohnte Einigkeit. Für sie ist dieser Vorschlag keine Alternative. Auch beim DFB gibt man sich reserviert. Allerdings hatte erst im vergangenen Jahr DFB-Direktor Oliver Bierhoff öffentlich über eine mehrgleisige Dritte Liga nachgedacht, um Talenten zu mehr Einsatzzeit zu verhelfen.

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