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    FUßBALL: DRITTE LIGA

    Ein Weckruf für die Kickers

    „Wir sind stabiler geworden“, sagt Simon Skarlatidis, der hier mit Dominic Baumann (links) und Dave Gnaase seinen Treffe... Foto: frank Scheuring, foto2press

    Aus drei mach sieben: Das Punktepolster der Würzburger Kickers auf die Abstiegsränge ist an den ersten beiden Drittliga-Spieltagen des Jahres 2019 schon mal deutlich angewachsen. Möglichst schnell, möglichst viele Punkte zu sammeln, um sich aus der Gefahrenzone abzusetzen. Das hatten sich die Kickers in der Winterpause vorgenommen und da sind die Rothosen nach dem 2:1 (1:0) gegen den VfR Aalen auf dem richtigen Weg.

    Aber ist das schon mehr als ein Trend? Geht der Weg der Rothosen wieder dauerhaft nach oben? Ist sogar eine neue Siegesserie möglich, wie im Herbst, als die Kickers mal acht Spiele am Stück ungeschlagen geblieben war? Eine Woche nach dem recht beeindruckend herausgespielten 3:0-Auswärtssieg gegen den KFC Uerdingen ließ der Last-Minute-Erfolg gegen den Tabellenvorletzten aus Aalen da schon wieder Zweifel aufkommen. Diese Partie war, da gibt es kein Vertun, ein fußballerischer Rückschritt. In der zweiten Halbzeit agierten die Kickers so zaghaft und zögerlich, dass es ihnen am Schluss selbst ein Rätsel war, wie sie noch gewinnen konnten.

    „Wir müssen das verinnerlichen“, sagte Siegtorschütze Sebastian Schuppan: „Auch für schlechte Spiele gibt es drei Punkte, wenn man sie gewinnt.“ Und genau diese Zielstrebigkeit sei es doch, die den Kickers in dieser Saison bisweilen abgegangen war. Übersetzt heißt das: Die Kickers wollen nun das Resultat über das Spiel stellen. Schuppan selbst hatte den Denkprozess im Team angestoßen, hatte nicht mit klaren Worten gespart im Trainingslager, wenn es darum ging, die Ernsthaftigkeit der Situation im Abstiegskampf zu beschreiben, in die sich das Team in den weitgehend erfolglosen Wochen vor der Winterpause selbst gebracht hatte. Vor dem Saison-Neustart gegen Uerdingen war der Kapitän der erste bei den Kickers gewesen, der seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag verlängerte. Schuppan ging voran.

    Und doch hatte das Team gezeigt, dass es auch ohne ihn geht. Beim Jahresauftakterfolg fehlte er gelbgesperrt. Dass der gute Ibrahim Hajtic für Schuppan seinen Platz in der Startelf räumen musste, war für Trainer Michael Schiele keine leichte Entscheidung. Aber Spielführer ist eben der Mann, der auf den sich die Kickers verlassen können. Der Kopfball, den er in der zweiten Minute der Nachspielzeit zum 2:1 einnickte, war nicht leicht zu verwerten. „Besser, als wenn man vor dem leeren Tor steht und sich die Ecke aussuchen kann“, so Schuppan, den Aalens Abwehr allerdings auch sträflich alleine gelassen hatte. So habe er am Ende nur gewinnen können, frei nach dem Motto „Augen zu und durch.“

    „Wir sind“, spannte Simon Skarlatidis den Bogen vom zweifelsohne glücklichen Heimsieg zur Winter-Vorbereitung: „stabiler geworden. Nicht nur auf dem Feld, sondern auch mental.“ Der Glaube die Partie, trotz aller unübersehbarer Schwächen noch gewinnen zu können, sei nie verloren gegangen gewesen. Auch Skarlatidis 1:0 in der aus Kickers-Sicht weitaus besseren ersten Spielhälfte (24.) war Ausdruck gewachsenen Selbstvertrauens. Wie er sich den Ball zurechtlegte, kurz verzögerte und dann gezielt mit einem Aussetzer abschloss, das zeigte die individuelle Klasse, die auch Skarlatidis ins Spiel der Rothosen einbringen kann.

    „Mit der Qualität, die wir im Kader haben müssen wir nach vorne spielen und nicht nach hinten wie in der zweiten Hälfte“, sagte der Deutsch-Grieche. Beschönigen wollte den Auftritt am Ende keiner der Würzburger Protagonisten. „Wir dürfen nicht zwei Prozent nachlassen“, so Skarlatidis: „Die zweite Halbzeit war ein Weckruf. Es geht nicht, wenn wir auch nur einen Schritt weniger machen.“

    Es scheint, als hätten die Rothosen im Winter tatsächlich die Kurve bekommen. Selbst der Aalener Kickers-Schreck Matthias Morys, der im sechsten Spiel gegen die Kickers sein fünftes Tor erzielte (67.) konnte die Würzburger Laune diesmal nicht nachhaltig trüben. Nur Trainer Schiele hatte am Ende auch ein bisschen Mitleid mit den Unterlegenen, seinem alten Herzensklub VfR Aalen: „Für Aalen war das heute schon bitter“, sagte er.

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