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    Fußball

    Ein unterfränkischer Kronzeuge gegen DFB-Vize Rainer Koch

    Er bestreitet alle Vorwürfe: DFB-Vizepräsident Rainer Koch. Foto: Thomas Boecker

    Rainer Koch, Vize-Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Präsident des Bayerischen Fußballverbands (BFV), steht in der Kritik. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches für eine Person, die diese Ämter schon seit Jahren bekleidet. Dass nun die Ethikkommission des DFB sich mit dem Verhalten Kochs auseinandersetzen muss, gibt dem jüngsten Vorgang aber eine besondere Tragweite. Koch, der in Zukunft die deutschen Interessen in den Gremien der europäischen Fußballunion UEFA und des Weltverbandes FIFA vertreten soll, wird vorgeworfen, im Vorfeld einer Wahl innerhalb des DFB seinem Wunsch mit unverhohlenen Drohungen Nachdruck verschafft zu haben. Ein Unterfranke ist der Kronzeuge in dieser Geschichte. 

    Es war im Jahr 2016. Der damalige Verbands-Jugendleiter des Bayerischen Fußballverbands (BFV),  Karl-Heinz Wilhelm aus Höchberg, und der BFV-Präsident Rainer Koch saßen im Anschluss an einen offiziellen Termin noch vertraut zusammen. Da wollte Wilhelm wissen, wie die Sache mit der Wahl des DFB-Jugend-Ausschusses im gleichen Jahr abgelaufen war. An einen Satz von Koch erinnert sich Wilhelm noch ganz genau: "Ich habe den Regional- und Landesverbandsgeschäftsführern auf der Geschäftsführertagung in der Sportschule Oberhaching klargemacht, wenn die Wahl so nicht kommt, dass wir uns über die Verteilung der DFB-Gelder neue Gedanken machen müssen." Das habe Koch in Bezug auf die Wahl eines hessischen Vertreters zum sechsten Vertreter im Jugendausschuss erzählt. Der sei Kochs Favorit gewesen, weil er aus dem Bereich des Süddeutschen Fußballverbands (SFV) kommt, dessen Vorsitzender Koch auch ist. Ein anderer, offenbar aussichtsreicher Kandidat aus Berlin hatte kurz vor der Wahl einen Rückzieher gemacht. Der "Spiegel" zitiert in diesem Zusammenhang aus dem Wortprotokoll des Bundesjugendtags 2016. Darin heißt es, der Berliner habe seine Kandidatur zurückgezogen, "um Schaden vom Nordostdeutschen Fußballverband abzuwenden." Der nicht unerhebliche Vorwurf: Koch habe die Verteilung von Finanzmitteln innerhalb des DFB als Druckmittel eingesetzt, um die Wahl zu beeinflussen. Im Alleingang hätte Vize-Präsident Koch freilich die Zuwendungen für bestimmte Landesverbände nicht kürzen können. 

    Der einstige Jugend-Ausschuss-Vorsitzende Christian Pothe, ehemaliger Vize-Präsident des FC St. Pauli, hatte den Stein ins Rollen gebracht, als er Ende September kurz vor dem DFB-Bundestag seine Vorwürfe in einem Brief an die 2016 geschaffene Ethikkommission des DFB darlegte. Darin ist auch von persönlichen Drohungen Kochs die Rede, Pothe könne sein Amt nicht weiter ausüben, wenn er nicht einen Kandidaten aus dem Bereich des Süddeutschen Fußbalverbands unterstützt. Der "Spiegel" hatte zuerst darüber berichtet. Pothe hatte gegenüber der Ethikkommission, an deren Spitze im Oktober der SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann neu gewählt wurde, auch Zeugen genannt - und so kam auch Wilhelm ins Spiel.

    Und der weiß, wie vermeintliche Ränkespiele an der Verbandsspitze ablaufen könnten. Zwölf Jahre stand Wilhelm auf bayerischer Ebene an der Spitze des Jugendausschusses. 2018 wurde er in einer Kampfabstimmung beim bayerischen Verbandstag abgewählt. Danach verlor er  auch seine Ämter beim SFV als Jugendobmann und beim DFB als stellvertretender Vorsitzender im Jugendausschuss. 

    Karl-Heinz Wilhelm Foto: Riedl

    Nun also schildert er das Treffen mit dem bayerischen Fußball-Boss und DFB-Vize vor etwa drei Jahren aus seiner Erinnerung in einem Brief an die Ethikkommission. Hätte er das auch getan, wenn er noch im Amt wäre? Wilhelm muss bei der Frage eine Weile nachdenken. "Wahrscheinlich nicht", sagt er schließlich: "Wenn man in einer führenden Funktion ist, dann wird man auch unter Druck gesetzt. Ich habe meine Arbeit beim Verband gerne gemacht und ich wollte sie auch weitermachen. Ich habe mir nichts vorzuwerfen." Wilhelm schildert rückblickend einen Verband mit einer klaren patriarchalen Struktur. Gremien, in denen sich kaum Widerstand rege, wenn Koch seine Personalien durchdrücke. "Es geht um Macht und um nichts anderes", sagt Wilhelm.

    An der Person Koch reiben sich viele in Fußball-Deutschland. Speziell der "Spiegel" stellte zuletzt zahlreiche Fragen. Koch sei, so heißt es in einem Text des Magazins, "der Prototyp jener Funktionärskaste, die das Ansehen des größten deutschen Sportverbandes abgewirtschaftet hat." So etwas würde Wilhelm so nicht sagen. Koch habe in Bayern einiges bewegt für den Fußball, meint er. Wilhelm ist kein Revolutionär. Aber der Umgang mit ihm und anderen ehrenamtlichen Kollegen sei einfach nun zu viel gewesen. "Ich war mir das schuldig", sagt er über den Brief an die Ethikkommission.

    Koch, Richter am Oberlandesgericht München, bestreitet die Vorwürfe. "Damals war einfach im Jugendausschuss ein Kandidat mehr da, als insgesamt Plätze zur Verfügung standen. Und ich habe mit den Kollegen aus den Regionalverbänden dann eine Lösung gesucht. Und da ist dann die Frage gewesen: ein Kollege aus Hessen oder ein Kollege aus Berlin? Ich hab beide nicht gekannt. Und es wird jetzt behauptet, einer wäre ein Vertrauter von mir gewesen. Das ist ein blanker Unsinn. Ich habe mit dem damals überhaupt noch nicht gesprochen gehabt", so Koch. Auf Nachfrage dieser Redaktion bekräftigte er diese in einem Interview mit dem Deutschlandfunk gemachte Aussage. Sollte die Ethikkommission zu einem anderen Urteil kommen, dürfte es Koch mit seiner Bewerbung um die Ämter in den Gremien der internationalen Fußballverbände schwer haben.

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