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    FUßBALL: ZWEITE LIGA

    Erschreckend schwacher Club

    SV Sandhausen - 1. FC Nürnberg
    Club-Neuzugang Johannes Geis aus Oberstreu im Zweikampf mit Sandhausens Philipp Förster. Foto: U. Anspach, dpa

    Da reagierten selbst die sonst so geduldigen Club-Ultras sauer. Der 1. FC Nürnberg unterlag beim SV Sandhausen mit 2:3 (1:2) und muss sich in der Tabelle der zweiten Bundesliga nach der zweiten Niederlage im dritten Saisonspiel erst einmal nach unten orientieren.

    Schwer erklärlich war vor allem die völlig verpatzte erste Spielhälfte. „Das war die schlechteste Liga-Halbzeit, seit ich hier bin“, gestand Rechtsverteidiger Enrico Valentini, der in der Pause die Binde übernommen hatte und den aufgebrachten FCN-Fans unter den 7542 Besuchern am Zaun Erklärungen liefern musste.

    Club-Trainer Damir Canadi vertraute exakt jener Startelf, die sich eine Woche zuvor beim DFB-Pokalspiel in Ingolstadt mit 1:0 durchgesetzt hatte. Mit einer Ausnahme: Christian Mathenia, der wegen der Geburt seiner Tochter gefehlt hatte, kehrte ins Nürnberger Tor zurück. Auch der jüngste Neuzugang Johannes Geis, der gleich durchgespielt und überzeugt hatte, war wieder unter den ersten Elf.

    Angst prägte die Aktionen

    Von Selbstvertrauen, das der Pokal-Erfolg eigentlich hätte vermitteln sollen, war in der ersten Halbzeit jedoch nichts zu sehen. Der Club bot einen desolaten Auftritt, legte kämpferisch, aber auch spielerisch einen Offenbarungseid hin. Ein Zweikampf nach dem anderen ging verloren, Angst prägte die Aktionen. Mehr als lange Bälle aus der Abwehr, die von den drei Spitzen entweder schlecht verarbeitet wurden oder zu ungenau waren, hatte der Bundesliga-Absteiger im Aufbau nicht zu bieten.

    Von zwei Ausnahmen abgesehen. Mikael Ishak fand nach Doppelpass mit Sebastian Kerk seinen Meister in Sandhausens Torwart Martin Fraisl (32.). Dann war es Kerk selbst, der Fraisl in der Nachspielzeit mit einem tief angesetzten Kopfball aufs kurze Eck überraschte (45.+1). Die Flanke war von Tim Handwerker gekommen, der auf seiner Seite gegen Ex-Cluberer Rurik Gislason ansonsten manches Problem hatte.

    Kerks Anschlusstreffer schmeichelte den Franken. Sandhausen war die deutlich aktivere Mannschaft, zeigte die bessere Spielanlage und überzeugte auch kämpferisch. Die zwischenzeitliche 2:0-Führung für die Gastgeber war verdient, obwohl der FCN bei beiden Gegentreffern mächtig Schützenhilfe leistete. Beim 0:1 ließ Torwart Christian Mathenia einen flach geschlagenen Freistoß von Mario Engels wohl deshalb passieren, weil ihn ein vergeblich grätschender Sandhausener irritiert hatte (25.). Trotzdem sah er nicht gut aus. Vor dem 0:2 durfte Sandhausens Leart Paqarada ungehindert flanken, Lukas Mühl und Handwerker sahen dann im Zentrum zu, als Kevin Behrens aus Nahdistanz einköpfte (38.).

    Trainer Canadi: „Es tut weh, wie wir aufgetreten sind“

    „Es tut weh, wie wir in der ersten Halbzeit aufgetreten sind. Das geht nicht in der zweiten Liga“, sagte Canadi, der die Steigerung nach dem Wechsel auch mit seinen beiden Wechseln erklärte. Zwei Protagonisten der letzten beiden Jahre mussten raus, es hätte jedoch auch andere treffen können. Lukas Jäger ersetzte Hanno Behrens, der die Kapitänsbinde an Valentini weiterreichte. Und Törles Knöll kam im Sturm für Ishak. Die so veränderten und auch neu eingestellten Nürnberger wurden besser und übernahmen das Kommando. Ein Freistoß, den Geis über den Querbalken drehte, war zunächst noch die beschreibenswerteste Szene (53.). Sandhausen befreite sich wieder und zeigte flüssiges Konterspiel mit klugen Verlagerungen, doch die Schwierigkeiten der Gastgeber in der Defensive blieben.

    So häuften sich die Freistöße für den Club. Ein Freistoß von Geis leitete auch den Ausgleich ein. Sandhausens Behrens missriet der klärende Schlag und der aufgerückte Asger Sörensen hatte keine Mühe, den Ball zum 2:2 zu verwerten (70.).

    Kalte Dusche kurz vor Schluss

    Danach schien Nürnberg dem Sieg näher, aber die kalte Dusche folgte in der 89. Minute. Sandhausens Förster passte mit viel Übersicht von der Torauslinie nach innen, an der 16-Meter-Linie kam Joker Philip Türpitz ungehindert zum Schuss und sorgte für den ersten Saisonsieg der Gastgeber. „Wir dürfen den nicht so frei stehen lassen, dann gehen wir mit einem 2:2 nach Hause“, ärgerte sich Torschütze Sörensen.

    SV-Trainer Uwe Koschinat schnaufte durch, dass es endlich geklappt hatte: „Unsere Spielanlage ist sehr attraktiv. Ich hätte nicht gewusst, was ich der Mannschaft noch hätte sagen sollen.“ Der Club muss in den beiden folgenden Heimspielen sein Mentalitätsproblem lösen – und punkten. Möglicherweise hilft dabei dann Stürmer Michael Frey – der FCN steht angeblich kurz davor, den Schweizer vom türkischen Klub Fenerbahce Istanbul auszuleihen.

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