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    Fußball

    Ex-Kickers-Trainer Bernd Hollerbach legt Traumstart in Belgien hin

    Daumen hoch: Bernd Hollerbach ist mit seinem Team derzeit sehr zufrieden. Foto: Virginie Lefour, dpa

    Die Resultate lassen aufhorchen. Drei Spieltage sind in Belgiens höchster Fußballliga gespielt, und auf Platz drei steht noch ungeschlagen: Royal Excel Mouscron, das Team von Bernd Hollerbach. Der hatte zuletzt als Trainer in Deutschland keine allzu leichte Zeit. Erst die sieglose Zweitliga-Rückrunde mit den Würzburger Kickers im Frühjahr 2017 und der folgende Abstieg. Und dann das verunglückte Engagement bei seinem Herzensklub Hamburger SV. In sieben Bundesligaspielen gab es auch dort keinen Sieg. "Dort anzufangen war eine emotionale und keine rationale Entscheidung", sagt er rückblickend. Danach war er erst einmal ein Jahr lang raus aus dem Trainergeschäft. Jetzt also der Neubeginn in der belgischen Provinz gleich an der französischen Grenze.

    Der verläuft erstaunlich erfolgreich. Am Sonntag gab es den zweiten Saisonsieg: 2:1 gegen den amtierenden Meister KAA Gent. Eine faustdicke Überraschung war das. Tags darauf wirkt Hollerbach beim Telefongespräch entspannt. "Es ist wichtig, dass wir schon jetzt gut gepunktet haben. Wir wollen unten weg bleiben", sagt er. Ganz ähnlich hatte er auch in Würzburg nach Siegen öffentlich immer gesprochen: Bloß nicht abheben! Dabei war das am Sonntagabend doch ein großer Triumph. "Die Jungs haben gekämpft wie die Löwen", lobt Hollerbach sein Team. Der Ausgleichstreffer von Meister Gent wurde nach einem Videobeweis wegen Abseits aberkannt. Nach einem 1:0-Auftaktsieg in St. Truiden, gab es in der Vorwoche gab im heimischen Stade Le Canonnier ein 0:0 gegen Rekordmeister RSC Anderlecht. Dort ist seit dieser Saison Vincent Kompany, bis Sommer noch Kapitän beim englischen Meister Manchester City, als Spielertrainer tätig. "Da war das Stadion rappelvoll", berichtet Hollerbach. Überhaupt gäbe es derzeit in Belgien einen Fußball-Boom. "Die starke Nationalmannschaft sorgt dafür, dass hier alle heiß auf Fußball sind", sagt Hollerbach.

    "Ich wollte schon immer einmal ins Ausland"

    Auch ein Grund, warum ein Engagement in Belgien für den gebürtigen Würzburger interessant ist. Den Kontakt nach Mouscron hat Hollerbach einem Testspiel mit den Kickers im Winter-Trainingslager 2017 in Marbella zu verdanken. Danach kamen Hollerbach und Mouscrons Klub-Chef Paul Allaerts ins Gespräch. Der erinnerte sich daran im Sommer und klopfte bei Hollerbach an. "Ich wollte schon immer einmal ins Ausland", sagt der 49-Jährige, der die Chance ergriff.

    Mit den Spielern spreche er englisch, berichtet Hollerbach, der mit Sami Allagui einen aus der Bundesliga bekannten Angreifer verpflichtete, "weil der auch schon in Belgien gespielt hat". Mit Lamine Cisse und Dennis Schmidt ist gleich ein Co-Trainer-Duo von den Würzburger Kickers zu Hollerbach gewechselt. Cisse, gebürtiger Senegalese, spricht perfekt französisch. Eine Hilfe für Hollerbach, für den es derzeit auch darum geht, die neue Liga kennenzulernen. "Ich bin viel unterwegs, schaue mir viele Spiele an", erzählt er. Seine Aufgabe in Mouscron sei es zuvorderst, Spieler weiterzuentwickeln. "Der Besitzer will mit dem Klub Geld verdienen. Da geht es auch darum, Spieler günstig zu verpflichten und für gutes Geld weiterzuverkaufen. Das ist ein Geschäft. Das ist mir klar."

    Derzeit wohnt der Trainer noch im Hotel. Zur Wohnungssuche sei während der Vorbereitung schlicht und ergreifend keine Zeit geblieben: "Manche Kollegen machen sich immer Gedanken, ob sie zu viel trainieren. Ich denke immer darüber nach, ob wir zu wenig trainieren." Nun aber wolle er sich einmal nach einer Wohnung umschauen: "Mir gefällt es hier. In Belgien herrscht eine sehr weltoffene Mentalität. Von Mouscron aus ist man in ein paar Minuten in Lille in Frankreich. Von dort fährt der TGV in etwas mehr als einer Stunde nach Paris und durch den Ärmelkanal nach London." 

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