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    FUßBALL: DRITTE LIGA

    Kickers: Vorne fahrlässig und hinten nachlässig

    Nicht jedes Lob tut gut – selbst wenn es ehrlich gemeint ist. Man konnte Pavel Dotchev, dem Trainer von Hansa Rostock, nicht einmal unterstellen, dass er die „sehr starken Würzburger“ piesacken wollte mit seinen Komplimenten. „Wir waren die meiste Zeit am Verteidigen“, stellte er bei der Pressekonferenz im Bauch des Rostocker Ostseestadions fest – wohlgemerkt nachdem sein Team die Kickers gerade mit 3:1 (2:0) besiegt hatte. Und er hatte ja Recht. Betrachtet man das ganze Spiel, waren die Kickers das aktivere, das spielfertigere und überlegene Team. Aber auch das bessere?

    Die Kickers nutzen ihre Chancen nicht

    Soll man nach einem 1:3 tatsächlich von Glück und Pech reden? „Heute war es von allem ein bisschen“, meinte der einzige Kickers-Torschütze Jannis Nikolaou: „Unvermögen, Pech und fehlende Konsequenz.“ Vorne fahrlässig, hinten nachlässig – so brachten sich die Kickers um den Lohn für ihre taktisch reife und mutige Vorstellung.

    Reihenweise Torchancen

    Letztlich reichen die Zeilen nicht, die Einschussmöglichkeiten im Detail zu schildern, die die Kickers verdaddelten. Am knappsten war es beim Pfostentreffer von Linksaußen Kai Wagner. Alleine Orhan Ademi – der Zusatz Torjäger verbietet sich bei ihm trotz der bislang sieben Saisontreffer erst einmal – hätte die Partie gänzlich drehen können. Vier Torchancen aus der Kategorie der sogenannten hundertprozentigen hatte der Schweizer. Genutzt hat er keine.

    Die Noten der Roten

    „Naiv“ nannte Kickers-Trainer Michael Schiele das Verhalten seines Teams bei den drei Gegentoren, die allesamt aus Standardsituationen fielen: Soufian Benyamin verwandelte einen in der Entstehung überflüssigen Elfmeter. Stefan Wannenwetsch war bei seinem Kopfballtreffer nach einer Freistoßflanke sträflich ungedeckt. Vladimir Rankovic zog, nachdem Torhüter Patrick Drewes eine Freistoßflanke aus dem Strafraum geboxt hatte, einfach einmal ab. Sein Schuss wurde abgefälscht. Herausgespielt hatte Rostock keines der Tore. „Dieses Spiel musst du eigentlich gewinnen“, sagte der Kickers-Coach.

    Stimmt! Aber es ist halt auch eine Qualität einer Mannschaft, aus den vorhandenen Möglichkeiten möglichst viel zu machen. In der Kategorie war Hansa an diesem frischen Februar-Nachmittag in Mecklenburg-Vorpommern deutlich besser. Und deshalb war Rostock am Ende des Nachmittages auch kein unverdienter Sieger.

    In der Tabelle irgendwo mittendrin

    Der Hansa-Anhang feierte mit brachialer Lautstärke den Sieg. Die Ostseestädter sind nun mittendrin im Aufstiegsrennen. Und die Kickers? Die sind irgendwo mittendrin in der Tabelle. Auf Platz zehn ist das Schiele-Team jetzt wieder abgerutscht. Auf den Rang, auf dem es ins Jahr 2018 gestartet war. Zwei Siege, zwei Niederlagen stehen seit der Winterpause auf dem Konto. Die Aufholjagd in Richtung Spitze ist ins Stocken geraten.

    Nur drei Tore in vier Spielen

    Was bleibt da als Ziel? Droht die Mannschaft nun, in ein Motivationsloch zu fallen, nachdem der Rausch der Siegesserie erst einmal vorbei ist. „Das würden wir nicht dulden“, sagt Schiele. Am Samstag gegen Zwickau wollen die Rothosen zumindest ihre Heimserie fortsetzen. Am Dallenberg haben sie schließlich zuletzt fünfmal gesiegt. Jetzt freilich werden die Anhänger speziell beim Würzburger Angriffsspiel genau hinschauen. Drei Tore in vier Spielen nach der Winterpause sind eine mickrige Bilanz.

    Schieles bittersüßes Lächeln

    „Zuletzt wurde ja auch kritisiert, dass wir nicht zu Torchancen kommen. Diesmal hatten wir ganz viele Chancen“, suchte Schiele aber auch in der Niederlage einen positiven Aspekt. Genutzt hat sein Team nur eine. „Schade!“ Mit diesem Statement hatte Schiele nach einer kurzen Denkpause sein Statement bei der Pressekonferenz beendet – mit einem bittersüßen Lächeln.

    Die Statistik des Spiels

    FC Hansa Rostock – FC Würzburger Kickers 3:1 (2:0)

    Rostock: Blaswich – Rankovic, Hüsing, Riedel, Holthaus – Hilßner, Br. Henning, Wannenwetsch (69. Grupe), Scherff – Breier (79. Väyrynen), Benyamina (73. Evseev).

    Würzburg: Drewes – Ahlschwede, S. Neumann, Schuppan – P. Göbel (68. F. Kaufmann), Skarlatidis (68. Königs), Nikolaou, Fe. Müller, K. Wagner – Ademi (81. Bytyqi), Baumann.

    Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf). Zuschauer: 10 300.

    Tore: 1:0 Benyamina (32./Foulelfmeter), 2:0 Wannenwetsch (38.), 2:1 Nikolaou (48.), 3:1 Rankovic (56.). Gelb: Wannenwetsch (5), Scherff (1), Evseev (2) / Ahlschwede (4), Baumann (3), Schuppan (5)

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