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    FUSSBALL

    Fußball-Verband will Vereine mitnehmen

    „Zeitmanagement ist schon ein großes Thema für mich“: Jürgen Pfau, der unterfränkische Bezirksvorsitzende, ist auch Vize... Foto: Fabian Frühwirth

    Im Würzburger Vogel-Convention-Center trifft sich der unterfränkische Fußball an diesem Freitag (18.30 Uhr) zu seinem Bezirkstag. Auch Rainer Koch, der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), wird dabei sein. Im Vorfeld sprachen wir mit dem Bezirksvorsitzenden Jürgen Pfau. Der 42-Jährige aus Frankenwinheim (Lkr. Schweinfurt) ist Polizist. Als Hauptkommissar leitet er eine Dienstgruppe bei der Verkehrspolizeiinspektion Würzburg-Biebelried.

    Frage: Herr Pfau, nach vier Jahren stellt sich die Bezirksführung wieder der Wahl. Will die bisherige Mannschaft unter Ihrer Führung weitermachen oder wird es Umbesetzungen geben?

    Jürgen Pfau: Ich bin in der glücklichen Situation, mit dem vertrauten Team weitermachen zu können. Beim Bezirkstag in Mittelfranken, der am Samstag folgt, wird dagegen fast die Hälfte der Funktionsträger wechseln. Ich bin mit fünf Jahren als Bezirksvorsitzender nun schon der dienstälteste in Bayern. Ich habe das erst gar nicht geglaubt, als ich das erfahren habe. Aber in Unterfranken herrscht Kontinuität, alle Amtsinhaber stellen sich wieder zur Wahl. Aus gesundheitlichen Gründen hatten wir innerhalb der Periode nur zwei Wechsel im Juniorenbereich. Wolfgang Hellert ist jetzt seit gut einem Jahr Bezirksjugendleiter und mittlerweile gut eingearbeitet.

    Sind Sie zufrieden mit dem, was der Bezirksausschuss in den vergangenen vier Jahren erreichen konnte?

    Pfau: Ich denke, wir haben gut und sehr harmonisch gearbeitet. Die Aufgaben, die wir hatten, fordern uns aber weiter. Vor allem der demografische Wandel. Kinder und Jugendliche kommen nicht mehr wie früher von alleine zu uns, wir müssen sie schon für den Fußball begeistern. In Würzburg, wo es viele Freizeitangebote gibt, ist das deutlich schwieriger als häufig auf dem Land. Jugendliche sind nicht mehr so selbstverständlich selbst mobil – dafür aber mobil im Internet.

    Das ist wohl ein Grund dafür, dass der Bayerische Fußball-Verband sehr darauf aus ist, den Amateurfußball auf allen Kanälen erlebbar zu machen.

    Pfau: Ja. Unser Motto für die Kreis- und Bezirkstage bis hin zum Verbandstag lautet bewusst doppeldeutig: Den Ball ins Netz. Wir müssen und werden unsere Angebote im Netz und in den sozialen Medien weiter ausbauen. Noch in diesem Jahr gibt es auch einen Relaunch der Homepage.

    Das Bemühen, die Vereinsvertreter von den Vorstellungen der Verbandsführung zu überzeugen und sie mitzunehmen auf dem Weg zu Beschlüssen, die der Verbandstag trifft, ist beim BFV sehr deutlich wahrzunehmen.

    Pfau: Das stimmt, und wir werden es nach den guten Erfahrungen mit der mehrheitlich mit Vereinsvertretern besetzten Arbeitsgemeinschaft Finanzen auch in Zukunft tun. Wir brauchen künftig 1,5 Millionen Euro jährlich mehr an Einnahmen, um die Sportschule Oberhaching zu sanieren, die BFV-Immobilie in München umzubauen und die Digitalisierung voranzutreiben. Ein Drittel will der Verband selbst finanzieren, die beiden anderen Drittel sollen durch höhere Lizensierungsgebühren für Trainer und durch eine pro Verein um 120 Euro jährlich höhere IT-Gebühr aufgebracht werden. Dieses Konzept hat die AG entwickelt, fünf Unterfranken waren da auch dabei.

    Auch Reformen im Spielbetrieb werden mit den Delegierten bei den Kreis- und Bezirkstagen diskutiert, es gibt Abstimmungen zur Meinungsbildung. Worum geht es da im Einzelnen?

    Pfau: Beim Bezirkstag werden wir darüber sprechen, ob Jugendliche ab dem 18. Geburtstag generell bei den Aktiven eingesetzt werden sollen. Da erwarte ich nach den bisherigen Erfahrungen ein Pro-Votum, hoffe aber, dass der A-Junioren-Bereich nicht darunter leidet. Sehr unterschiedliche Meinungen gab es bisher dazu, ob eine Gelb-Rote Karte auf Bezirksebene eine Sperre von einem Meisterschaftsspiel nach sich ziehen sollte. Ich bin beim BFV auch für Fair Play zu ständig und würde es begrüßen, wenn das so käme. Über die Möglichkeit von bis zu fünf Auswechselspielern werden wir am Freitag nicht mehr sprechen, da es nur die Kreisebene betrifft. Mich hat überrascht, dass die Mehrheit der Vereine das gar nicht will.

    Die Montagsspiele in der Fußball-Bundesliga werden von vielen Fans abgelehnt. Der BFV will die Delegierten dahingehend hinter sich bringen, dass ein weiteres Spiel am Sonntagnachmittag alternativ zum Montag nicht akzeptabel wäre. Aber ist es nicht egal, ob da zwei oder drei Bundesliga-Spiele stattfinden?

    Pfau: Aus unserer Sicht ist jedes Bundesliga-Spiel mehr am Sonntagnachmittag schädlich für den Amateurfußball. Wenn Sonntag, dann am Abend.

    Sie haben schon angesprochen, dass Sie neben dem Bezirksvorsitz auch einer der vier Vizepräsidenten des BFV sind, unter anderem zuständig für das Schiedsrichterwesen. Wie ist der hohe zeitliche Aufwand im Ehrenamt mit Ihrem Beruf vereinbar?

    Pfau: Zeitmanagement ist schon ein großes Thema für mich. Und auch bei mir ist es so wie bei vielen Ehrenamtlichen: Wenn mir meine Frau nicht den Rücken freihalten würde, ginge das alles nicht.

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