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    Fußball: Dritte Liga

    Kickers treffen in der Nachspielzeit zum Sieg

    Kickers treffen in der Nachspielzeit zum Sieg
    Zweites Spiel, zweiter Sieg: Bei den Würzburger Kickers läuft es nach der Winterpause rund. Beim 2:1 gegen Aalen brauchten die Rothosen allerdings auch viel Glück. Foto: Frank Scheuring

    Es war kein glanzvoller Sieg, kein gutes Spiel – aber vielleicht war das 2:1 (1:0) der Würzburger Kickers gegen den VfR Aalen gerade deshalb so wertvoll. Die 90. Minute war schon vergangen, die Nachspielzeit lief, als Fabio Kaufmann den Ball von der Nähe der Mittellinie aus noch einmal lang und weit in den Strafraum der nach einer Gelb-Roten Karte (Marian Sarr/85.) dezimierten Gäste schlug. „Ich habe gemerkt, dass ich relativ alleine bin“, erzählte Sebastian Schuppan über seine Gedanken kurz bevor er den Ball zum Siegtreffer über die Linie köpfte. Tatsächlich hatten die Aalener Gegenspieler Schuppan sträflich ungedeckt gelassen. „In einer solchen Szene kannst du nur gewinnen“, stellte der Torschütze fest.

    Der Kopfballtreffer des Kapitäns sorgte für Glückseligkeit am Ende eines über weite Strecken für die Kickers-Fans unerfreulichen Spiels. „Am Ende bekommst du eben auch so drei Punkte“, sagte Schuppan erleichtert: "Diese Abgezocktheit hat uns oft gefehlt."

    Es war ein Erfolg nach einer Partie, in der die Rothosen nie an die Glanzleistung vom 3:0-Auswärtssieg gegen den KFC Uerdingen anknüpfen konnten und nach einer zweiten Halbzeit, in der die Gastgeber zeitweise wie ein taumelnder Boxer erschienen waren. Wen freilich interessiert das im Nachhinein? „Dieser Sieg war sehr wichtig. Heute hat doch jeder von uns einen Dreier erwartet. Deshalb bin ich froh, dass wir es geschafft haben“, sagte Simon Skarlatidis, der die Kickers in der ersten Halbzeit mit 1:0 in Führung geschossen hatte (25.).

    Ein fein anzuschauender Treffer aus 17 Metern war das, den die Rothosen als verdienten Lohn für eine leichte Überlegenheit vor dem Seitenwechsel verbuchten. Tatsächlich waren die Kickers in der ersten Halbzeit das spielbestimmende Team gewesen, brachten sich aber schon in den ersten 45 Minuten mit manch Nachlässigkeit selbst in Bedrängnis. Und so hätten sich die Rothosen auch nicht beklagen  können, wenn Aalen schon vor der Pause getroffen hätte. Schließlich musste Patrick Drewes bei Chancen von Luca Schnellbacher und Matthias Morys schon sein ganzes Können aufbieten, um einen Gegentreffer zu verhindern.

    Hatten die Kickers vor dem Seitenwechsel noch den Großteil der Zweikämpfe im Mittelfeld für sich entschieden, lief nach der Pause kaum noch etwas zusammen. „Man nimmt sich ja nicht in der Kabine ja nicht vor, jetzt einen Schritt weniger zu laufen beteuerte Skarlatidis hernach. Es sah freilich fast so aus. „Erklären kann ich mir das nicht“, sagte Kapitän Schuppan zum Auftreten der Kickers in Halbzeit zwei. Verunsichert, ja fast verängstigt wirkten die Würzburger. Aalen bestimmte das Tempo und den Rhythmus der Partie in Halbzeit zwei. Ein Sololauf von Dominic Baumann sorgte zwischendurch zwar noch einmal für eine gute Kickers-Chance (62.). Mehr war aber lange nicht zu sehen von den Rothosen.

    Die Gäste von der Ostalb, in der Winterpause mit sechs Neuzugängen aufgebüscht, witterten die Chance, ihren Jahresauftakt mit Punkten zu garnieren. Die Partie des Vorletzten gegen die SpVgg Unterhaching am vergangenen Montag war abgesagt worden. Aalen kam durch einen Drehschuss von Morys auch zum verdienten Ausgleich (67.). Morys bleibt für die Rothosen ein Schreckgespenst. Der Aalener Torjäger traf im sechsten Spiel gegen die Kickers zum fünften Mal. Der Gegentreffer war für die Gastgeber kein Weckruf. Auch danach dominierte Aalen.

    Erst die (berechtigte) Gelb-Rote Karte für Aalens Abwehrmann Sarr erweckte bei den Kickers in der Schlussphase wieder den Siegeswillen. „Wir haben auch in den letzten Minuten noch daran geglaubt, dass wir gewinnen können. Dafür sind wir belohnt worden“, stellte Skarlatidis fest. Alles in allem sei es aber, so stellte auch Trainer Michael Schiele fest „ein glücklicher Sieg“.

    Der Rothosen-Coach schien mitzufühlen mit seinem Ex-Verein, für den er einst als Außenverteidiger gekickt hatte: „Für Aalen ist das ganz bitter.“ Den Kickers indes schmecke dieser Erfolg am Ende dann aber doch ganz süß. „Fußball ist eben Ergebnissport“, sagte Siegtorschütze Sebastian Schuppan grinsend. Ihn hatten die Kollegen zuvor beim Torjubel fast erdrückt. Die Kickers haben, so wirkt es zumindest, nach der Winterpause die Kurve bekommen. Am Samstag brauchten sie dazu aber eine gute Portion Glück.

    Frank Kranewitter

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