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    Fußball: Dritte Liga

    Die Kickers stecken fest im Mittelmaß

    Gleich liegt der Ball im Netz: Der Ball springt vom Pfosten des Kickers-Tores an den Rücken von Torhüter Leon Bätge und von dort zum 1:0 für Großaspach in den Kasten. Bätges Kolege Peter Kurzweg (vorne) sieht es mit Schrecken. Foto: Frank Scheuring

    Jetzt sind es nur noch sieben Punkte. Sieben Zähler Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz haben die Würzburger Kickers nach der 1:2-Niederlage bei der SG Sonnenhof Großaspach noch. In dieser Dritten Liga sollte man sich nie zu sicher sein. Auch als Tabellensiebter nicht. Ein graues Mittelfeld, in dem man nun acht Spieltage vor Schluss jenseits jeder Hoffnung und aller Ängste dem Saisonende entgegen treiben kann, gibt es nicht. Ein Drittliga-Mittelmaß aber sehr wohl. Und nichts anderes stellen die Würzburger in dieser Saison dar. Denn was hilft, die von den Kickers-Protagonisten schon oft selbst geäußerte Erkenntnis, es mit jedem Gegner in dieser Liga aufnehmen zu können, wenn am Ende eben auch umgekehrt gegen jedes Kellerkind eine Niederlage drin ist. Wie am Samstag nach einer turbulenten Schlussphase in Großaspach bewiesen.

    Der Verein, der bei jedem Heimspiel eine Art Apres-Ski-Party im alpenländischen Stil veranstaltet und als selbsternannter Dorfklub einen echten Esel als Maskottchen am Spielfeldrand stehen hat, feierte den Erfolg über die Rothosen als eine Art Frühjahrserwachen, als Mutmacher im Abstiegskampf. SG-Trainer Florian Schnorrenberg, einst Kollege von Kickers-Coach Michael Schiele beim Fußballlehrer-Lehrgang, wurde nicht müde die Stärken der Kickers zu betonen. "Wir wussten um die Qualität von Caniggia Elva", sagte Großaspachs Trainer zum Beispiel über den besten Würzburger Offensivspieler an diesem Tag: "Dass für ihn Simon Skarlatidis, der ja auch ein richtig guter Spieler in dieser Liga ist, auf der Bank sitzt, sagt ja schon einiges über die Klasse dieser Mannschaft."

    Dass die Kickers am Ende ohne Punkt die Heimreise antraten, sagt freilich auch einiges darüber, was schief läuft in dieser Saison bei den Rothosen, die von den gegnerischen Trainern regelmäßig derart wortreich gepriesen werden, dass man sich tatsächlich fragen muss, warum es am Schluss nicht für mehr reicht als für Mittelmaß. Lob ist das eine, Resultate etwas anderes. Und am Ende  sind eben nur die Punkte die harte Währung, an denen die Leistungsfähigkeit einer Mannschaft gemessen wird. Geht es nach den Spielanteilen hätten die Rothosen in den letzten drei Auswärtsspielen in Braunschweig, Meppen und eben Großaspach  stets gewinnen können, ja müssen. Unterm Strich stehen aber nur zwei Zähler aus diesen Partien.

    Alles Pech? Nein! Auch wenn am Samstag bei Patrick Breitkreuz' Kopfball an die Latte und Elvas Pfostenkracher nur Zentimeter zu einem Treffer fehlten. Die Dinge wiederholen sich. Die Gegentore in den letzten Auswärtsspielen wirken– verglichen mit den aufwendig erspielten Würzburger Chancen–sehr simpel. Einmal legte sich Keeper Leon Bätge den Ball gar selbst ins Netz (82.), beim Großaspacher Siegtreffer stand Jannes Hoffmann nach einer Ecke im Würzburger Strafraum erstaunlich frei (90.). "Ich muss mir das mal im Fernsehen anschauen", sagte Janik Bachmann, Schütze des zwischenzeitlichen Ausgleichs (87.), auf die Frage, was da schief gelaufen sei: "Wir werden das analysieren."

    Dass Ausfälle, wie der von Kapitän Sebastian Schuppan, der in Großaspach mit einem grippalen Infekt genauso wie Torjäger Orhan Ademi (Baumuskelzerrung) fehlte, nur schwer zu kompensieren sind, wurde mal wieder deutlich. Dass Bätge als Vertreter von Patrick Drewes im Kickers-Kasten auch in der Rückrunde nicht unbedingt vom Glück verfolgt ist, ebenso. Ob er, sollte Drewes den Verein im Sommer verlassen, die neue Nummer eins wird?

    Einige Akteure scheinen im Rothosen-Gefüge nur schwer zu ersetzen zu sein. Auch Mittelfeldmann Dave Gnaase, der nach seiner Auswechslung in der 60. Minute sichtbar angefressen reagierte. Nachdem mit Patrick Sontheimer auch noch ein zweiter Spieler aus dem zentralen Mittelfeldtrio der Rothosen, zu dem auch noch Bachmann zählte, ausgewechselt wurde, verloren die Kickers deutlich sichtbar die Kontrolle über die Partie. Dass am Ende das Kellerkind aus dem Schwabenland jubelte war kein Zufall mehr.

    Die Statistik des Spiels
    Fußball: Dritte Liga
    SG Sonnenhof Großaspach - Würzburger Kickers 2:1 (0:0)
    Großaspach: Broll - Dem, Leist, Gehring, Burger - Bösel, Pelivan (89. J. Hoffmann) - Hercher (46. Brünker), Janjic, Baku (71. Binakaj) - Röttger.
    Würzburg: Bätge - P. Göbel, Hajtic, Hägele, Kurzweg - Kaufmann (74. Küc), Bachmann, Sontheimer (66. Skarlatidis), Gnaase (60. Baumann), Elva - Breitkreuz.
    Schiedsrichter: Henry Müller (Cottbus).
    Zuschauer: 1538.
    Tore: 1:0 Janjic (82.), 1:1 Bachmann (87.), 2:1 J. Hoffmann (90.).
    Gelbe Karten: Gehring (8) / Hajtic (3), P. Göbel (3)

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