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    AUSDAUERSPORT

    Gunther Dihsmaiers Triathlon-Sucht

    Gunther Dihsmaier: Auch mit 75 Jahren hat er noch nicht genug von Ausdauer-Wettkämpfen. Foto: Thomas Obermeier

    3,8 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren, 42,4 Kilometer Laufen. Und das alles in unter 15 Stunden. Die Anforderungen, die ein Ironman-Wettbewerb an die teilnehmenden Ausdauersportler stellt, sind brutal.

    Dennoch ist sich Gunther Dihsmaier sicher: "Grundsätzlich kann das jeder schaffen." Eine Überzeugung, die der Würzburger in Vorträgen für die Kolpingjugend an Jugendliche weitervermitteln will. Der 75-Jährige muss es schließlich wissen: 49-mal ist er bereits über die Triathlon-Langdistanz an den Start gegangen, zuletzt am 31. August dieses Jahres im österreichischen Podersdorf. Nach 13:49 Stunden kam er dort ins Ziel – als ältester Teilnehmer und mit dem zweitbesten Ergebnis in der Altersgruppe 60plus.

    Ein Resultat, das er als Bestätigung seiner Aussage sieht: "Ich war nie besonders kräftig oder athletisch", gibt er unumwunden zu. Seine Erfolge, darunter der mehrmalige Gewinn der Bronzemedaille in seiner Altersgruppe bei der inoffiziellen Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii, verdankt er stattdessen einzig und allein hartem Training. Über 20 Stunden pro Woche investiert Dihsmaier in die Vorbereitung auf einen Ironman. Dabei nimmt der Würzburger im Sommer alle sich bietenden Triathlon-Wettbewerbe im näheren Umkreis mit, etwa in Gemünden, Wertheim oder Lohr. Häufiger trifft er dort auch andere ambitionierte Triathleten aus dem Raum Würzburg – man kennt und schätzt sich in der Szene. Zu Sportlern wie Carolin Lehrieder oder Jan Diekow hat er einen guten Draht, man tauscht sich aus und freut sich über gute Ergebnisse der anderen.

    Sportlicher und sozialer Balanceakt

    Auf der Strecke läuft jedoch jeder für sich, ebenso wie Dihsmaier auch den Großteil seines Trainings alleine absolviert. Und er macht keinen Hehl daraus, dass damit auch eine gefühlte Einsamkeit einhergeht. Umso wichtiger ist ein harmonisches Umfeld, das Halt gibt und Verständnis für die zeitintensive Leidenschaft hat. Der dreifache Familienvater schätzt sich glücklich, ein solches zu haben, weiß jedoch auch, dass die Wettbewerbe und das damit verbundene Training nicht nur ihm, sondern auch seiner Familie einiges abverlangen: "Mental und physisch leer" sei er nach einem langen Trainingstag in der Vorbereitungsphase, und sicher nicht der beste Gesprächspartner.

    Nicht nur aus sportlicher Sicht betont Dihsmaier daher die Bedeutung von "Periodisierung": Auf die trainingsintensiven Intervalle im Frühjahr und Sommer folgt ein reduziertes Trainingsprogramm im Winter. Ein sportlicher und sozialer Balanceakt, den er über die Jahre verinnerlicht hat, und der es ihm ermöglicht, sportliche Ambitionen und seine Familie unter einen Hut zu bringen.

    Doch warum mutet der 75-Jährige sich und auch seinen Angehörigen diese Strapazen zu? Dihsmaier beschreibt seine Gefühle beim Start und beim Zieleinlauf: "Vor jedem Start spüre ich Angst, Nervosität. Am Ziel dann ein Gefühl der Erleichterung.  Ein tiefer innerer Friede." Und direkt danach überwiege die Überzeugung: „Nie mehr!“ Zwei bis drei Tage halte diese Phase an, bis sich die Vorfreude auf den nächsten Wettbewerb ausbreite. Eine Sucht also? Dihsmaier: "Man muss mental schon ein bisschen bescheuert sein, um so viel Zeit in Wettkämpfe und Vorbereitung zu stecken."

    Rückschläge als Motivation

    Für dieses Jahr hatte sich der Würzburger die Teilnahme am Ironman in Frankfurt als Ziel auserkoren, und – im Falle eines erfolgreichen Abschneidens – eventuell auch den erneuten Start auf Hawaii. Auf die Königsklasse des Ironman-Triathlon angesprochen, beginnen seine Augen zu leuchten. "Hawaii ist ein Mythos", sagt Dihsmaier mit sichtlicher Begeisterung. Neunmal trat der Routinier dort bereits an, zuletzt 2014. Dieses Jahr klappte es indes nicht: Bei der von Hitze geprägten Veranstaltung in Frankfurt scheiterte er am Zeitlimit, sein Traum von der erneuten Teilnahme in Hawaii ist damit zumindest für dieses Jahr passé. Rückschläge wie dieser belasten den 75-Jährigen aber nur kurz. Statt der verpassten Gelegenheit hinterher zu trauern, entschied er sich für den Start in Podersdorf – um sich selbst sein Leistungsvermögen zu beweisen. Ein Muster, das sich durch die gesamte sportliche Karriere zieht: Rückschläge als Motivation statt als Anlass zur Resignation, Wut über schlechte Ergebnisse als Antrieb für bessere.

    Der Ironman auf Hawaii: Für Gunther Dihsmaier immer noch ein Sehnsuchtsziel. Foto: dpa/Bruce Omori

    Nach Hawaii würde Dihsmaier aber schon noch einmal gerne – auch wenn ihm bewusst ist, dass das Alter nicht spurlos an ihm vorübergeht: "Früher hätte ich über die Zeiten, die ich jetzt auflege gelächelt."  Das merke er auch bei Radtouren mit seiner Frau, erzählt er schmunzelt: Da müsse er bei längeren Steigungen mittlerweile ordentlich strampeln, um mit dem E-Bike seiner Frau mitzuhalten. In die Zukunft blickt er deshalb pragmatisch, fest planen wolle er nichts: "Ich trainiere. Und wenn die Leistung stimmt, die Zeiten konkurrenzfähig sind und der Körper das wegsteckt, kann ich weitersehen."

    Bearbeitet von Fabian Ballweg

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