• aktualisiert:

    HANDBALL: ZWEITE BUNDESLIGA MÄNNER

    Wölfe gegen die „Big Five“

    Pfeift seine Jungs zu Konzentration über 60 Minuten: Rimpars Trainer Matthias Obinger Foto: Frank Scheuring, foo2press

    Wilhelmshavener HV – DJK Rimpar Wölfe
    (Samstag, 19.30 Uhr, Nordfrost-Arena)

    Als Sturmtief „Xavier“ vergangene Woche über Norddeutschland hinwegfegte, blieb auch Wilhelmshaven nicht verschont. Orkanböen der Stärke zwölf schmissen im Hafen einen rund tausend Tonnen schweren Kran um und stürzten ihn in die Nordsee. Das Bild ging durch die Nachrichten.

    Die Erfahrung, am Jadebusen baden zu gehen, haben auch die Zweitliga-Handballer der DJK Rimpar Wölfe (9./10:6) schon gemacht – im übertragenen Sinne natürlich. Und das bereits zweimal. Bei den beiden bisherigen Begegnungen beim Wilhelmshavener HV (12./6:10) sahen die Wölfe kaum Land. In der vergangenen Saison verloren sie das Nachholspiel des wegen einer Zugpanne verpassten Saisonauftakts mit 28:35, in der Runde davor unterlagen sie in der Nordfrost-Arena mit 25:30. Überhaupt verließen sie in vier Vergleichen erst einmal als Sieger das Feld. Irgendwie, so scheint's, liegen die Niedersachsen den Unterfranken nicht.

    Strapaziöse Anreise mit der Bahn

    Oder die mit fast 600 Kilometern weiteste Anreise zu einem Auswärtsspiel liegt ihnen nicht. Doch die Strapazen einer mehr als fünfstündigen Bahnfahrt gehören auch an diesem Samstag zu ihrem Job als Handball-Halbprofis. „Das ist noch mal ätzender als eine lange Busfahrt, denn in einem Großraumabteil kommst du nicht zur Ruhe. Du kannst dich da schlecht aufs Spiel fokussieren“, sagt DJK-Chefcoach Matthias Obinger. „Außerdem hat jeder Spieler im Zug nur einen Platz zur Verfügung und keine Zweierbank wie im Bus. Es kann sich also keiner mal hinlegen und ausruhen.“ Obinger wird nicht müde zu wiederholen: „Eigentlich musst du bei solchen Spielen am Vortag anreisen.“ Aber dafür fehle eben das Geld.

    Für die Rimparer bedeutet die Reise in den kühlen Norden den Beginn eines heißen Herbstes. Die Wölfe treffen dabei auf „Big Five“, wie es in der Safari heißt. Zwar zählt der WHV als erster des Konkurrenten-Quintetts tabellarisch nicht dazu, für die Rimparer aufgrund der gemeinsamen Geschichte aber schon. Danach empfangen die Grün-Weißen die Bundesliga-Absteiger Bergischer HC (21.

    10.) und HBW Balingen Weilstetten (10.11.), auswärts müssen sie beim VfL Lübeck-Schwartau (3.11.) und der SG BBM Bietigheim (12.11.) ran – allesamt Teams aus den Top Sechs.

    Wie viele Punkte er aus den fünf Duellen holen wolle, wurde Obinger auf der Pressekonferenz nach dem Heimsieg am vergangenen Samstag gegen die HSG Konstanz (30:23) gefragt. „Zehn“, antwortete er forsch, bevor er die allseits beliebte Sportlerphrase strapazierte: „Wir wollen jedes Spiel gewinnen.“ Wie viele Punkte realistisch seien, wurde er daraufhin gefragt. Erneut lautete seine Antwort: „Zehn.“ Diesmal allerdings mit durchaus ironischem Unterton. „Wir können überall gewinnen“, schob er hinterher. „Wir können allerdings auch überall verlieren.“

    WHV mit wechselhafter Form

    Um auch nur einen der „großen Gegner“ zu Fall zu bringen, werden die Wölfe noch einmal an Biss zulegen müssen.

    Zwar steigerten sie ihre Leistung gegen Konstanz sowohl in der Abwehr als auch im Angriff schon deutlich im Vergleich zu den beiden Niederlagen zuvor gegen Dessau-Roßlau und in Emsdetten, doch gelang es ihnen noch nicht, ihr Potenzial über die gesamte Dauer der Partie abzurufen. Gute 50 oder 55 Minuten werden gegen die „Big Five“ mutmaßlich nicht genügen. Wenngleich die Tagesform des Teams schon für einige Sensationen in der Liga gesorgt hat.

    Auch beim Wilhelmshavener HV sorgte sie bisher für wechselhafte Vorstellungen. So überraschten die Nordlichter etwa positiv mit Punktgewinnen gegen Coburg (25:25) und in Eisenach (26:25), aber auch negativ mit Niederlagen zu Hause gegen Hildesheim (24:28) und Dessau (24:32). Vor allem mit einem starken Rückraum werden es die Rimparer zu tun bekommen. Auf der rechten Seite hat Trainer Christian Köhrmann mit Kay Smits den derzeit fünftbesten Torschützen der Liga im Team, auf der linken sorgen Lukas Kalafut und Tobias Schwolow für Gefahr. „Wilhelmshaven spielt zu Hause sehr diszipliniert und mit viel Geduld seine Angriffe aus.

    Da dürfen wir nicht abschalten“, betont Obinger, der ohne Lukas Siegler (Fußverletzung), den Langzeitverletzten Max Bauer und die beiden Youngster Philipp Meyer und Felix Karle, die mit den Jungwölfen beziehungsweise der A-Jugend im Einsatz sind, die Reise an die See antritt. Der Gästetrainer ist guter Dinge: „Auf dem Papier ist der WHV nicht stärker als Eisenach. Dort haben wir gewonnen. Also ist es unser Anspruch, auch in Wilhelmshaven endlich das erste Mal zu siegen.“

    Selbstbewusstsein haben seine Schützlinge gegen Konstanz getankt. „Ich freue mich riesig auf die nächsten fünf Gegner“, hatte Benedikt Brielmeier am Samstag gesagt: „Das sind die Spiele, warum wir gerne in dieser starken Liga spielen.“ „Spaß haben“, so der Rückraumakteur, wollen er und seine Teamkameraden. Und mit Spaß Stürmen und Schwergewichten auf den Spielfeldern trotzen. Brielmeier: „Ich denke, dann haben wir ganz gute Chancen, ein paar Punkte zu holen.“

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!