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    FECHTEN

    Interview: Was macht eigentlich die Ex-Fechterin Zita Funkenhauser?

    Früher im Stadion oder der Halle erfolgreich – und jetzt? Wie geht es Unterfranken, die den Sport prägten, nach der Karriere? Diese Woche skizziert die Ex-Fechterin Zita Funkenhauser ihren Weg von Siebenbürgen bis hin zur Zahnärztin.
    Glücklich: Freudestrahlend präsentieren sich nach ihrem Dreifacherfolg bei den Olympischen Sommerspielen von Seoul im September 1988 die Tauberbischofsheimer Fechterinnen Sabine Bau (Silber, links), Anja Fichtel (Gold, Mitte) und Zita Funkenhauser (Bronze, rechts).
    Glücklich: Freudestrahlend präsentieren sich nach ihrem Dreifacherfolg bei den Olympischen Sommerspielen von Seoul im September 1988 die Tauberbischofsheimer Fechterinnen Sabine Bau (Silber, links), Anja Fichtel (Gold, Mitte) und Zita Funkenhauser (Bronze, rechts). Foto: dpa-Olympia

    Als Zita Funkenhauser 13 Jahre alt war, stand sie vor einer ungewissen Zukunft. Als gebürtige Rumänin kam sie nach Deutschland, war in ihrem Geburtsland allerdings schon Fecht-Meisterin geworden. So meldete ihr Vater Laszlo Zita und ihre Schwester Hedwig beim FC Tauberbischofsheim an.

    Für seine beiden Töchter sollte dies der Startschuss zu erfolgreichen Laufbahnen sein: Während Hedwig deutsche Einzel-Meisterin im Degenfechten wurde und Silber mit der Mannschaft bei den Weltmeisterschaften holte, errang Zita gleich vier Olympia-Medaillen im Florettfechten. 1984 gab's Gold mit der Mannschaft in Los Angeles – es folgten Gold mit dem Team und Einzel-Bronze vier Jahre später in Seoul sowie Silber mit der Florett-Mannschaft in Barcelona (1992).

    Neben ihren sportlichen Aktivitäten studierte sie Zahnmedizin und erhielt 1994 den Doktortitel. Zita Funkenhauser ist mit dem ehemaligen Weltklasse-Fechter Matthias Behr verheiratet, Mutter von zwei Töchtern (Greta und Leandra, beide 23) und lebt in Tauberbischofsheim, wo sie eine eigene Praxis betreibt.

    Frage: Ihre gegenwärtige Form?

    Zita Funkenhauser: Ein wohltemperierter Glückszustand.

    Für welchen Sport bewegen Sie sich noch?

    Funkenhauser: Die langsamen und bedachten Bewegungen beim Yoga tun mir gut. Höchstgeschwindigkeit lockt nur noch Badminton aus mir heraus, wohl wissend, wie weh alles danach tut.

    Frisch gebackene Eltern: Zita Funkenhauser und Matthias Behr, hier im Jahre 1996 mit ihren Neugeborenen Greta (links) und Leandra.
    Frisch gebackene Eltern: Zita Funkenhauser und Matthias Behr, hier im Jahre 1996 mit ihren Neugeborenen Greta (links) und Leandra. Foto: Schwarzott
    Und was bewegt Sie?

    Funkenhauser: Im meinem kleinen Mikrokosmos die alltäglichen Gedanken einer Mutter, Tochter und Ehefrau. In der großen Welt natürlich die Frage: Können die vielen Konflikte dieser Erde friedlich gelöst werden? Unser Klima - ein winzig kleines Molekül, Kohlendioxid. Aber seine Wirkung ist gewaltig. Weltweit belastet die Menschheit die Atmosphäre mit Milliarden von Tonnen CO2. Ist der Klimawandel noch umkehrbar?

    Wofür wären Sie heute gerne noch mal jünger?

    Funkenhauser: Nochmals aus dem Vollen schöpfen! Feiern, ohne wirklich müde zu werden, Sport treiben und nur den herrlichen Muskelkater spüren. Zu glauben, das Leben endet nie!

    Was schätzen Sie am Älterwerden am meisten?

    Funkenhauser: Am Alter schätze ich, dass ich nichts mehr hinterherjagen muss und einfach dankbar sein kann für das, was ich im Leben bislang schon bekommen habe.

    In welche Zeit würden Sie mit einer Zeitmaschine reisen und warum?

    Funkenhauser: Obwohl ich gerne reise, habe ich dazu keine Vorstellung und keine Wünsche, denn ich bin mit dem Hier und Jetzt sehr, sehr zufrieden und glücklich!

    Ihr Lieblingsort?

    Funkenhauser: Mein Zuhause. 

    Was haben Sie vom Leben gelernt?

    Funkenhauser: Wenn die Sehnsucht größer ist als die Angst, wird Mut geboren!

    Und was hat Sie der Sport gelehrt?

    Funkenhauser: Disziplin - und dass nicht die Talentiertesten am Ziel ankommen, sondern die mit dem größten Durchhaltevermögen.

    Bei welchem Thema werden Sie angriffslustig?

    Funkenhauser: Die ewige auch irgendwie unlösbare Geschichte der Gleichberechtigung.

    Und wen oder was würden Sie immer verteidigen?

    Funkenhauser: Meine Familie.

    Wie waren die ersten Wochen/Monate nach Ihrem Karriereende in der Familie?

    Funkenhauser: Mein Karriereende begann mit der Eröffnung meiner Zahnarztpraxis und der gleichzeitigen Schwangerschaft mit meinen Zwillingen. So trat dieses Gefühl, es sei etwas zu Ende, in den Hintergrund, denn es begann so viel aufregend Neues.

    Zita Funkenhauser beim Start ihrer zweiten Karriere: Noch heute ist sie als Zahnärztin tätig.
    Zita Funkenhauser beim Start ihrer zweiten Karriere: Noch heute ist sie als Zahnärztin tätig. Foto: Wolf-Dietrich Weissbach
    Welchen Moment Ihres Lebens würden Sie gerne noch einmal erleben?

    Funkenhauser: Zuerst dachte ich, die ersten Augenblicke nach der Geburt meiner Kinder, aber diese Momente sind immer noch sehr lebendig in mir. Vielmehr würde ich gerne den Gewinn mancher meiner olympischer Medaillen noch einmal erleben sowie diese Minuten und Stunden danach achtsamer wahrnehmen. So oft werde ich danach gefragt und ehrlich: So wirklich erinnern kann ich mich nicht daran.

    Welches sportliche oder menschliche Foul würden Sie gerne rückgängig machen?

    Funkenhauser: Den einen oder anderen Gefühlsausbruch nach Fehlentscheidungen eines Kampfrichters..., denn heute weiß ich: es ist NUR Sport.

    Wenn Sie nicht Sportlerin geworden wären – was dann?

    Funkenhauser: Ich glaube, ich wäre immer Sportlerin geworden. Wenn nicht im Fechten, dann in der Leichtathletik - oder was der Zufall sonst mir zugedacht hätte.

    Ihr Lieblingssportler heute?

    Funkenhauser: Ich bewundere viele für ihre herausragenden Leistungen. Und wenn sie dabei natürlich bleiben, dann noch viel mehr.

    Was war das größte Abenteuer Ihres Lebens?

    Funkenhauser: Das Verlassen meiner damaligen Heimat Siebenbürgen nach Deutschland. Ich wusste selbstverständlich mit 13 Jahren noch nicht, was mich erwartet.

    Nach wessen Pfeife tanzen Sie heute?

    Funkenhauser: Wenn ich ganz ehrlich bin, gerne nach der Pfeife meiner Zwillinge und meiner Eltern. Mein Mann pfeift zwar auch gerne, aber nur zur Musik.

    Worüber haben Sie zuletzt gelacht?

    Funkenhauser: Über die vielen Späße meines Mannes, denn Lachen ist gesund und wichtig.

    Lacht viel und gerne: Zita Funkenhauser (rechts), hier bei einem Pressetermin mit ihrer früheren Fecht-Kollegin Sabine Bau.
    Lacht viel und gerne: Zita Funkenhauser (rechts), hier bei einem Pressetermin mit ihrer früheren Fecht-Kollegin Sabine Bau. Foto: Thomas Obermeier
    Was regt Sie auf?

    Funkenhauser: Menschen mit einer vorgefertigten Meinung, die jeglichen Argumenten trotzen.

    Wen bewundern Sie – und wofür?

    Funkenhauser: Kinder, für ihre wunderbare Unbekümmertheit und ihre kindliche Neugier.

    Wer oder was macht Sie glücklich?

    Funkenhauser: Ein sonniger Tag in der Natur, wenn es riecht und duftet, die Schmetterlinge flattern und die Blumen in allen Farben blühen – am liebsten pink.

    Und vor welchem Unglück fürchten Sie sich?

    Funkenhauser: … dass etwas zu Ende ist und es aber noch nicht zu Ende sein sollte.

    Was möchten Sie noch lernen?

    Funkenhauser: Noch mehr im Augenblick zu leben, einfach die Gedanken an Morgen weglassen.

    Was möchten Sie unbedingt noch erleben?

    Funkenhauser: Noch viel reisen, um Neues kennenzulernen.

    Wovon träumen Sie?

    Funkenhauser: … dass die Zeit stillsteht und ich das Jetzt und Heute einfrieren kann.

    Welche Botschaft würden Sie jungen Sportlern gerne mitgeben?

    Funkenhauser: Es gibt ein Leben nach dem Sport und dieses ist sogar länger! Sport ist eine wunderschöne Nebensache, in der man viele Siege feiern kann - aber auch Niederlagen gehören dazu.

    Fröhlich: Zita Funkenhauser im Jahr 2018 bei einem Gespräch über ihren Olympia-Erfolg in Seoul. 
    Fröhlich: Zita Funkenhauser im Jahr 2018 bei einem Gespräch über ihren Olympia-Erfolg in Seoul.  Foto: Thomas Obermeier
    Die neue Reihe: Was macht eigentlich . . . ?
    Fast jeder in der Region kennt sie – aber kaum einer weiß, was sie heute machen. Früher waren sie erfolgreiche Sportler, Trainer oder Funktionäre. Doch wenn sie nach ihren Karrieren nicht mehr im Scheinwerferlicht der Arenen, Hallen und Stadien stehen und damit im Fokus der Öffentlichkeit, verschwinden sie in der Regel auch aus den Schlagzeilen.
    In unserer neuen Reihe „Was macht eigentlich . . . ?“, die in losen Abständen erscheint, haben wir uns auf die Suche gemacht nach Menschen, die den Sport in Unterfranken im vergangenen Jahrhundert oder Jahrzehnt auf irgendeine Weise geprägt haben. Wir haben ihnen allen den gleichen Fragebogen zukommen lassen und sie gebeten, ihn für uns auszufüllen. Darin blicken sie zurück auf ihre Karrieren, verraten, was sie gegenwärtig auch jenseits des Sports bewegt und wovon sie in Zukunft noch träumen.
    Sie wollen wissen, was aus einer ehemaligen lokalen Sportgröße geworden ist? Dann schreiben Sie in die Kommentare, über wen Sie gerne mehr erfahren würden. Wir versuchen die Sportler zu kontaktieren um herauszufinden, was sie eigentlich machen.

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