• aktualisiert:

    Residenzlauf

    Kibet verpasst Streckenrekord beim Residenzlauf knapp

    Im Gleichschritt: Der spätere Sieger im Lauf der Asse Vincent Kiprotich Kibet (rechts) und der Zweiplatzierte Lawi Kosgei (beide Kenia). Foto: Fabian Gebert

    Die bayerischen Farben und die deutsche Flagge wehten im kalten Wind auf den Außenflügeln der Residenz am gestrigen Sonntag kräftig. Doch immerhin wehten sie aus Sportlersicht in die richtige Richtung, so dass die insgesamt 5802 Teilnehmer bei der 31. Auflage des Residenzlaufs auf der langen Startgeraden vom Rückenwind profitierten. Und so stand auch einem neuen Streckenrekord auf diesem prominent besetzten Zehnkilometerlauf nichts im Wege – außer zwei Sekunden.

    Vincent Kiprotich Kibet aus Kenia lief um kurz nach 17 Uhr in 27 Minuten und 34 Sekunden ins Ziel vor dem Unesco-Weltkulturerbe ein. Damit verpasste der erst 20-jährige Kenianer die Bestzeit von Leonard Komon aus dem Jahr 2011 nur denkbar knapp. „Mit dieser Zeit bin ich sehr zufrieden. Der Streckenrekord in Würzburg wird ja immerhin vom Weltrekordhalter (Anm. der Red.: Leonard Komon) über diese Distanz gehalten“, sagte Athletenmanager Christoph Kopp, der diesmal auch persönlich vor Ort dabei sein konnte.

    Die Topläufer strahlten

    Seine Topläufer strahlten ebenfalls anstatt der um diese Zeit längst hinter den Wolken verschwundenen Sonne. Denn neben Kibet waren auch sein Landsmann Lawi Kosgei (27:39) und der Äthiopier Yasin Hajy (27:53) unter 28 Minuten geblieben. Die Frauen konnten ebenfalls mit Spitzenzeiten aufwarten. Eva Cherono, 22 Jahre, verpasste den Streckenrekord um fünf Sekunden. Ob die Kenianerin mit ihrer Zeit von 31:20 zufrieden ist? Sie nickte eifrig, während ihre fast schon blauen Lippen bibberten. Die Temperaturen – das Thermometer zeigte am späten Nachmittag nur acht Grad Celcius an – waren zwar nach dem Start schnell vergessen gewesen. Danach hätten sich aber vor allem die afrikanischen Läufer wohl am liebsten auf direktem Wege in die Wüste gebeamt.

    Unter der magischen Grenze

    Doch ihre Leistungen dürften sie im Hotel alsbald aufgewärmt haben. Denn es blieben gleich fünf Frauen unter der magischen Grenze von 32 Minuten, darunter auch Besu Sado. Die nachträglich gemeldete Äthiopierin war 2016 bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro immerhin Neunte über 1500 Meter und debütierte beim Residenzlauf auf der Zehnkilometerstrecke. „Sie will künftig Prämien auf der Straße einlaufen“, bemerkte Kopp. Residenzlauf-Chef Reinhard Peter zeigte sich von den Zeiten ebenfalls angetan: „Die Leistungsdichte war diesmal sehr hoch. Scheinbar waren die Bedingungen nahezu ideal zum Laufen.“

    Eine Veranstaltung für Jedermann - Eindrücke vom Residenzlauf

    Das dürften sich auch die beiden deutschen Vorzeigeathleten Tobias Blum und Martin Grau gedacht haben. Ersterer verbesserte seine persönliche Bestzeit mit 29:31 Minuten um eine Sekunde. Der Saarländer, der mit einer umgedrehten Cappy rannte, war im letzten Jahr der Viertschnellste über 10 Kilometer bei den nationalen Titelkämpfen.

    Spontaner Entschluss

    „Es hat Riesenspaß auf dieser Strecke gemacht“, sagte Blum und ergänzte schmunzelnd: „Den Martin habe ich halt ein bisschen mitgezogen.“ Der Martin heißt mit Nachnamen Grau, stammt aus dem mittelfränkischen Höchstadt an der Aisch und startet mittlerweile für den LAC Erfurt. Eigentlich ist der 27-Jährige auf kürzeren Strecken zu Hause. Grau ist deutscher Meister über die 3000-Meter-Hürden und hat sich noch spontan für den Residenzlauf entschieden. Diese Distanz ist er offiziell zum ersten Mal gelaufen – und dann gleich in 29:45. „Und das Ganze ja quasi in meiner Heimat“, freute sich Grau.

    Eine andere deutsche Meisterin, über 5000 Meter, musste hingegen passen: Hanna Klein erwischte ein Magen-Darm-Infekt. Daher konnte auch keine Sportlerin in die ostafrikanische Phalanx einbrechen. Marie Tertsch vom ASC Darmstadt war in 37:24 Minuten die vorletzte Frau vor der für Birnfeld bei Stadtlauringen startenden Lisa Hinrichs (39:07). Damit war sie allerdings noch schneller als vier Männer. Die Würzburger Lokalmatadorin Lara Pröschl, die einen Sturz hinnehmen musste, kam leider nicht im Ziel an, obgleich sie sich immerhin noch mehr als drei Runden durchgekämpft hatte.

    Auf die Sekunde

    Auf die Sekunde war es nicht nur im Lauf der Asse angekommen, sondern auch zuvor im Hauptlauf. Dort gingen 1338 mehr oder weniger ambitionierte Hobbyläufer an den Start. Gleich fünf Männer und eine Frau waren schneller, als es die Stoppuhr erlaubte.

    Denn wer 37 Minuten bzw. 43 Minuten unterbietet, wird dort seit einigen Jahren aus der Wertung genommen. Jonny Pegg war das ziemlich schnuppe. Der Engländer, der im Würzburger Frauenland wohnt und studiert, kam mal eben in einer Zeit von 33:16 ins Ziel. Erst heute morgen, so berichtete Pegg, habe er sich entschlossen mitzulaufen.

    Eine echte Sekundenlandung legte Stefan Handwerk auf die Strecke. Der Lagerist aus Holzkirchen (Lkr. Würzburg) kam in exakt 37 Minuten ins Ziel und war damit der offizielle Sieger des Hauptlaufs. „Auf die Zeit habe ich gar nicht geachtet, schneller hätte ich eh nicht rennen können“, sagte er lapidar. Handwerk könnte ein Hoffnungsschimmer für alle Spätberufenen sein. Denn der 45-Jährige kam tatsächlich erst vor wenigen Jahren zum Laufen und macht eigentlich fast nur bei Crossläufen in freier Natur mit.

    Joseph Fritsch gewinnt Handbike-Rennen

    Eine klare Sache war das Handbike-Rennen zwischen den beiden finalen Läufen gewesen. Es wurde von Eroll Marklein, der 1988 bei den Paralympics in Seoul sechs Goldmedaillen abräumte, mit viel Expertenwissen kommentiert. So konnte man ihm getrost glauben, wenn er den Sieger als künftig besten französischen Handbiker sieht. Joseph Fritsch jedenfalls dominierte den Residenzlauf fast nach Belieben. Das Nachwuchstalent schaffte die 20 Kilometer in 36:05 Minuten und siegte damit vor dem deutschen Routinier Olaf Heine und dem französischen Landsmann Johan Quaile. Bei den Frauen kam Rollstuhl-Baskeballerin Annika Zeyer aus Bonn vor Lokalmatadorin Nadia Schumacher ins Ziel.

    Kenianerin brach zusammen

    Größere Zwischenfälle gab es beim 31. Würzburger Residenzlauf augenscheinlich keine. Eine kenianische Läuferin brach allerdings nach dem Zieleinlauf zusammen und musste ins Krankenhaus gebracht werden. „Sie hat sich offensichtlich übernommen und lag auch deutlich unter ihrer bisherigen Bestzeit. Doch es scheint nichts Schlimmes zu sein, so dass sie bestimmt schnell wieder auf die Beine kommt“, gab Kopp kurz nach der Siegerehrung Entwarnung.

    Nach der Doping-Probe eines offiziellen NADA-Kontrolleurs ließ der 72-jährige Manager den Tag gemeinsam mit seinen Athleten bei einem Italiener in der nahen Ludwigstraße ausklingen. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht. Denn bereits am nahenden Karsamstag startet der Tross beim Paderborner Osterlauf. Im nächsten Jahr findet Residenzlauf wieder am letzten Sonntag im April statt. „Dann wieder mit zehn Grad mehr“, gab Peter den frierenden Zuschauern noch mit auf den Heimweg.

    Die wichtigsten Ergebnisse vom 31. Residenzlauf

    Lauf der Asse Männer: 1. Vincent Kiprotich Kibet 27:34 Minuten, 2. Lawi Kosgei (beide Kenia) 27:39, 3. Yasin Hajy 27:53, 4. Tesfahun Guangul (Äthiopien) 28:14. 5. Vincent Ngetich 28:17. 6. Chesari Jacob (beide Kenia) 28:28., 7. Mathew Chekwurui (Uganda) 28:33, 8. Ashenafi Waldegiorgis (Ätiopien) 28:33, 9. Victor Kiplangat (Uganda) 28:35, 10 Philimon Maritim (Kenia) 28:41, ... 15. Tobias Blum (Rehlingen) 29:31.

    Frauen: 1. Eva Cherono (Kenia) 31:20, 2 Alemaddis Sisay 31:37, 3. Alemtsehay Kasegn (beide Äthiopien) 31:47, 4. Valentina Mataiko (Kenia) 31:48, 5. Besu Sado (Äthiopien) 31:56, 6. Asefa Tigist (Äthiopien) 32:01, 7. Kidsan Gebremedhin (Äthiopien) 32:30, 8. Caroline Chepkemoi 32:45, 9. Cynthia Kosgei, 33:05, 10. Sylvia Medugu, (alle Kenia) 33:22, ... 15. Brandah Kebeya (Kania, LG Bamberg) 35:24, 16. Marie Tertsch (Darmstadt) 37:22.

    Hauptlauf Männer: 1. Stefan Handwerk (Zabelstein Runners) 37:00. 2. Sebastian Reinhard (Lehrstuhl für Biotechnologie und Biophysik) 37:03, 3. Andreas Kurfeß, 37:03, 4. Daniel Vergote, (beide ohne Verein) 37:08, 5. Simon Wittmann (VFB Friedrichshafen) 37:13, 6. Daniel Schwinghammer (Viktoria Augsburg) 37:28, 7. Felix Hockgeiger 37:39, 8. Robert Glöckner (LG-WVV) 37:49, 9. Yves Strack 37:50, 10. David Kessie, (beide ohne Verein) 37:57.

    Frauen: 1. Anja Bertleff (LG Erlangen) 43:40, 2. Marina Staab (ohne Verein) 43:43, 3. Sophia Nohner (TSV Ipsheim) 43:48, 4. Christina Heller (ohne Verein) 45:05, 5. Franziska Solger (MiBi Running Club) 45:19, 6. Magdalena Fink (On Runners) 45:33, 7. Diana Bayer (TSG Estenfeld) 45:51, 8. Anne Schmidhuber (TSV Essleben) 45:55, 9. Tanja Biehl 46:35, 10. Ute Lemmich (beide ohne Verein) 00:46:37. Es handelt sich um die Netto-Zeiten.

    Im Hauptlauf geht es zur Sache. Foto: Fabian Gebert
    Im lauf der Asse Kogei Cynthia (links) und Kangogo Florence Jepkuri. Foto: Fabian Gebert

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!