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    Fußball: Dritte Liga

    Kickers: Fabio Kaufmanns ungewöhnlicher Torjubel

    Mit Vollgas raus aus dem Tabellenkeller: Torschütze Fabio Kaufmann (am Boden) beim Jubel über das 2:1 mit (von links) Patrick Sontheimer, Dave Gnaaase und Albion Vrenezi. Foto: foto2press/Frank Scheuring

    Der Mann des Abends hatte nichts zu sagen. Oder durfte er auch einfach nicht zu viel reden? Auf jeden Fall war Torhüter Vincent Müller von den Interviews nach Spielschluss ferngehalten worden. Selbst der übertragende Internet-Fernsehkanal bekam kein Statement des Spielers. Sprechen sollten nach dem 2:1-Sieg gegen 1860 München, das hatten sie sich bei Fußball-Drittligist Würzburger Kickers so ausgedacht, lieber andere, über Müller. Siegtorschütze Fabio Kaufmann zum Beispiel. „Er hat seine Sache ordentlich gemacht“, sagte der Rechtsaußen über den Drittliga-Debütanten im Kickers-Kasten: „Ich freue mich für den Jungen wie für jeden anderen, der ein gutes Spiel gemacht hat.“

    Trainer Michael Schiele wollte den Ball nach Schlusspfiff im übertragenen Sinne mal lieber flach halten. „Es war in Ordnung“, kommentierte er Müllers Leistung. Auf die Frage nach den Gründen, warum er den bisherigen Stammkeeper Eric Verstappen außen vor gelassen habe, sagte der Rothosen-Coach: „Wir haben viele Gegentore. Es war vielleicht mal an der Zeit, etwas zu ändern.“ Und die Veränderung dürfte, bei aller Vorsicht, erst einmal von Dauer sein. Der 19-jährige Müller wird wahrscheinlich die Chance bekommen, sich im Kickers-Tor festzuspielen, wenn es nach der nun folgenden Länderspielpause zum Auswärtsspiel beim Liga-Schlusslicht nach Jena geht. Zuvor werden die Kickers noch einmal testen. Am Donnerstag geht es gegen Zweitligist Darmstadt 98. Die Partie findet allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Aschaffenburg statt.

    Wahrscheinlich bekommen dort auch jene Spieler eine Bewährungschance, die derzeit keine Rolle spielen. Denn außer dem Torwartwechsel hat sich personell bei den Kickers zuletzt rein gar nichts getan. Einige Spieler sind seit Wochen außen vor. Ein Beispiel ist Lion Schweers. Der Innenverteidiger war vor der Saison hoch gehandelt, kam als hoffnungsvoller Neuzugang aus Münster an den Dallenberg. Gegen die Münchner Löwen gehörte er zum vierten Mal nicht in Folge zum Aufgebot bei einem Drittliga-Spiel. Nun aber muss Schiele gezwungenermaßen umbauen: Angreifer Luca Pfeiffer ist nach der überzogenen Gelb-Roten Karte ebenso für die Partie in Jena gesperrt wie 1:0-Torschütze Dave Gnaase nach der fünften Gelben.

    Über die defensive Anfälligkeit der Kickers auf der linken Abwehrseite wollte der Trainer indes nicht viele Worte verlieren. Die meisten Teams hätten eben auch ihre Stärken auf der rechten Angriffsseite so eine der Begründungen, warum der mit eigenen Flanken immer wieder gefährliche Robert Herrmann als Linksverteidiger zum wiederholten Male so seine Probleme hatte.

    Die kurze Phase zwischen der Länderspielpause im September und der nun folgenden erneuten Liga-Unterbrechung war aus Kickers-Sicht durchaus erfolgreich: vier Siege in fünf Pflichtspielen. Das kann sich sehen lassen. Und plötzlich stehen die Kickers als Liga-Zwölfter mittendrin in dieser Dritten Liga, in der es verdammt knapp zugeht. In einzelnen Spielen, wie dem am Montagabend, und in der Tabelle sowieso.

    Vier Punkte haben die Kickers nun Vorsprung vor der Abstiegszone, aber gleichzeitig auch nur fünf Zähler Rückstand auf Relegationsrang drei. Macht es da überhaupt einen Sinn, auf den Tabellenstand zu blicken? „Du verlierst zweimal und steckst im Abstiegskampf, dann gewinnst du zweimal und spielst plötzlich um den Aufstieg“, stellt Kaufmann fest: „Es klingt nach Floskeln: Aber es macht doch nur Sinn, auf uns zu schauen. Wenn wir konsequent punkten und nicht in einen Negativstrudel geraten, bleiben wir von unten weg.“

    Der Flügelflitzer der Rothosen hatte zuvor vor den Kameras seinen ungwöhnlichen Torjubel erklären sollen. Statt wie bei den vorangegangen Saisontoren im Liegestütz feierte er seinen vierten Treffer dieser Spielzeit auf dem Boden sitzend in Autofahrerpose. „Ich wollte noch mal fahren“, sagte Kaufmann und verriet, dass da etwas mit dem Führerschein sein könnte. Womöglich wird der Sohn eines Autohändlers also ein paar Wochen auf Mitfahrgelegenheiten zum Training in Randersacker angewiesen sein. Kaufmanns Wert für die Mannschaft ist freilich, auch wegen solchen Treffern wie am Samstag unbestritten. Man könnte spöttisch anmerken: Es läuft bei ihm.

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