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    HANDBALL: ZWEITE BUNDESLIGA, MÄNNER

    Wölfe feiern im „Kinderzimmer“

    Hoch die Hände! Endlich einmal konnten die Wölfe nach einem Spiel gegen Großwallstadt jubeln. Foto: Heiko Becker

    „Derbysieger, Derbysieger, Derbysieger!“, schallte es am Samstagabend durch die Arena in Aschaffenburg, bevor die Handballer der DJK Rimpar Wölfe Humba-Täterä-tanzend sich und ihren 26:24 (13:11)-Erfolg über den TV Großwallstadt feierten. Den ersten dieser Saison in der Zweiten Bundesliga. Und den ersten überhaupt in diesem fünften Vergleich zwischen den beiden unterfränkischen Klubs im Unterhaus nach den drei Jahren Zwangspause für den TVG aufgrund der Insolvenz und des Abstiegs. „Es war das entscheidend, was in einem Derby meist entscheidend ist“, sagte Rimpars Rückraumwerfer Steffen Kaufmann nach intensiven 60 Minuten: „Die Leidenschaft. Die war bei uns von Anfang an da. Wir haben schon auf der Busfahrt gefühlt: Heute wollen wir einen raushauen.“

    Wie DJK- Kapitän Patrick Schmidt war er in sein früheres „Kinderzimmer“ (Schmidt) zurückgekehrt. Beide haben in der Halle vor Jahren schon Erstligapartien für ihren Ausbildungsverein bestritten, aus dessen Schmiede auch Patrick Gempp und Andreas Wieser stammen. „Ich hab mit jedem von denen früher schon zusammengespielt“, sagte Kaufmann über die Großwallstädter, die ein paar Meter entfernt geschlagen vom Feld gingen, unter ihnen die Ex-Wölfe Tom und Lars Spieß sowie Jan Winkler. Die freundschaftlichen Bande habe er während des Matchs aber ausblenden können.

    Kein Kindergeburtstag

    Dass die Kumpels sich als Konkurrenten begegneten, für die es zwar auch um Prestige, aber vor allem um Punkte ging, um nicht früh in der Runde unter Zugzwang zu geraten, war von Beginn an zu sehen. Es war kein Kindergeburtstag, den sie vor großer Kulisse von 2555 Zuschauern, darunter gut 100 Gäste-Fans, veranstalteten. In Sachen Kampf und Körpereinsatz schenkten sie sich nichts. Der Erste durfte im „Kinderzimmer“ schon nach 18 Minuten beim Stand von 6:7 nicht mehr mitspielen. Großwallstadts Leistungsträger Mario Stark hatte Rimpars Rechtsaußen Max Bauer beim Wurf mit der Hand am Fuß gefoult und ihn so von den Beinen geholt. Eine berechtigte Rote Karte. „Der Ausfall hat uns sehr geschwächt“, befand TVG-Trainer Florian Bauer, „denn Mario ist einer, der den Unterschied machen kann.“

    Obingers munterer Personalwechsel

    Den Unterschied machte stattdessen die „breitere Bank“, räumte sein Kollege Matthias Obinger ein. Zwar nicht unmittelbar, denn die Gastgeber glichen im Lauf der ersten Halbzeit immer wieder aus, aber mit zunehmender Dauer des Duells unübersehbar. Während Bauer im linken Rückraum nun Lars Spieß brachte, der erst sein zweites Spiel nach einem Mittelfußbruch machte, und auch Kapitän Florian Eisenträger (Handbruch) auf dem linken Flügel entbehren musste, wechselte Obinger sein Personal munter auf allen Positionen durch. Wie ein Hütchenspieler, der Verwirrung stiften will. Seine Mannschaft blieb dadurch schwer ausrechenbar und stellte den Altmeister immer wieder vor neue Aufgaben. „Mit voller Kapelle hätten wir auch mehr Flexibilität gehabt“, merkte Tom Spieß hinterher an. „Wir haben uns zwar trotzdem sehr gut verkauft, aber teilweise auch zu blöd angestellt.“

    In Trainersprech übersetzt hieß das: „Wir haben es nicht geschafft, das Momentum auf unsere Seite zu ziehen, als wir die Möglichkeit dazu hatten“, so Bauer. Sein Team führte dadurch nur einmal: beim 2:1 (4.).

    Nach dem 11:13 zur Pause bauten die Grün-Weißen ihre Führung allmählich auf bis zu fünf Tore aus (23:18, 54.). Auf einen 3:0-Lauf während einer Phase mit zwei Kreisläufern reagierte der TVG-Coach mit einer Umstellung der Abwehr auf eine offensive 4:2-Formation. „Dann haben wir durch Rimparer Ballverluste viermal den Ball geschenkt bekommen – und trotzdem kein Tor geworfen“, klagte Bauer.

    Wirkungsvolle DJK-Defensive

    Wirkungsvoller verrichtete ihren Job tatsächlich die DJK-Defensive mit dem sich stetig steigernden Max Brustmann im Tor, der nicht zuletzt zwei Siebenmeter des Ex-Nationalspielers Michael Spatz parierte. Und so brachten die Wölfe den Sieg trotz einiger Nachlässigkeiten in der Schlussphase über die Zeit und glichen ihr Punktekonto nach der herben 26:34-Auftaktpleite in Essen zwei Wochen zuvor auf 2:2 Zähler aus.

    „Danach wussten wir nicht, wo wir stehen“, gestand Obinger. „Diesmal waren wir in allen entscheidenden Dingen konsequenter als in Essen.“ Trotz einer nicht fehlerfreien Vorstellung sei die Abwehr kompakter, der Angriff variabler, das Zweikampfverhalten aggressiver und das Tempospiel besser gewesen. Das mache Hoffnung fürs erste Heimspiel gegen den VfL Lübeck-Schwartau am kommenden Sonntag (17 Uhr, s. Oliver Arena). Aber auch aufs Rückspiel gegen Großwallstadt freue er sich schon. „Schön, dass es dieses Derby wieder gibt! Davon profitiert jeder von uns.“ Vor allem der Handball in Unterfranken.

    Die Statistik des Spiels

    TV Großwallstadt – DJK Rimpar Wölfe 24:26 (13:11)

    Großwallstadt: Redwitz (1.-45.), Kugis (ab 45.) – Spatz 4/2, Engels 4, Blank, Erifopoulos 1, Pfeifer, Schnellbacher, Corak 4, Stark 2, T. Spieß 1, Keck, Winkler 3, L. Spieß 2, Göpfert 3.

    Rimpar: Brustmann (1.- 60.), Wieser (n.e.) – Böhm 1, Karle (n.e), Gempp 3, Schmidt 2, Kaufmann 4, Siegler 4, Meyer, Bauer 1, Schulz 1, Backs 3, Brielmeier 1, Herth 3/2, Sauer 3.

    Spielfilm: 0:1 (1.), 2:1 (4.), 3:3 (6.), 3:5 (8.), 4:4 (13.), 6:8 (18.), 8:8 (22.), 11:11 (29.), 11:13 (HZ), 13:14 (33.), 16:17 (39.), 16:20 (43.), 18:23 (54.), 21:24 (58.), 24:26 (Endstand).

    Siebenmeter: 2/4 : 2/4.

    Zeitstrafen: 2:3.

    Rot: Stark (TVG, 18., grobes Foul).

    Schiedsrichter: Christian Moles/Lutz Pittner (Heddesheim/Karlsruhe).

    Zuschauer: 2555.

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