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    Basketball: WM

    Kleber: "Wir haben als Mannschaft versagt"

    Die Erwartungen waren groß - das Resultat war enttäuschend: Deutschland kam nur auf Platz 18 bei der WM. Der Würzburger Maximilian Kleber zieht eine (persönliche) Bilanz.
    Maximilian Kleber im letzten WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Kanada. Foto: Swen Pförtner

    Das Wochenende noch etwas entspannen bei und mit der Familie in Würzburg. Am Montag geht es dann zurück nach Dallas, wo er zuerst vor allem individuell trainiert, ehe am Ende des Monats mit den Mavericks die Vorbereitung auf die NBA-Saison beginnt: Maximilian Kleber hatte ein paar Tage Zeit, die für Deutschland und auch ihn so enttäuschend verlaufende Basketball-Weltmeisterschaft zu verarbeiten. Die persönliche WM-Bilanz des 27-Jährigen.

    Frage: Sie hatten nun, nach dem frühen Ausscheiden bei der WM und dem am Ende 18. Platz doch ein wenig mehr Sommerpause als erwartet. Wie groß war die Enttäuschung?

    Maximilian Kleber: Die Enttäuschung war riesig. Wir haben uns ja selber auch viel vorgenommen. Medienhype hin oder her: Wir wissen genau, wie gut wir als Mannschaft sein können. Deshalb war die Enttäuschung so riesig, als wir nach dem Auftakt gegen Frankreich auch das zweite Spiel (Anm. d. Red.: gegen den Außenseiter Dominikanische Republik) verloren hatten und die WM für uns damit direkt am zweiten Spieltag auch schon wieder vorbei war. Das ist ungleich bitterer, als wenn du nach Ende der Vorrunde nur knapp scheiterst. Die letzten drei Spiele, die wir dann in der Platzierungsrunde gewonnen haben, das war mehr oder weniger nur ein Trostpreis, damit wir das Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele nun spielen können. Aber die Art, wie wir gespielt haben, gegen wen wir verloren haben, und vor allem wie wir verloren haben, war total bitter und enttäuschend.

    Auch für Sie verlief die entscheidende Partie sehr enttäuschend. Bundestrainer Henrik Rödl nahm Sie erstaunlich früh vom Feld, Sie kamen auf nicht mal 15 Minuten Spielzeit . . .

    Kleber: Ja, das war auch für mich etwas komisch. Ich war an dem Tag offensiv gar nicht eingebunden, warum auch immer. Defensiv war alles okay, habe ich auch gut gespielt. Aber offensiv habe ich einfach nichts bekommen. Und der erste Wechsel kam auch ein bisschen früher als sonst . . .

    Sie hatten nicht einen Wurf im ganzen Spiel . . . In den drei Spielen der Platzierungsrunde haben Sie anschließend stets zweistellig getroffen.

    Kleber: Da habe ich 18, zwölf und 20 Punkte gemacht, ja. Aber als Spielertyp macht es mich jetzt ja nicht vor allem aus, dass ich viele Würfe habe und viele Punkte mache. Es kann schon mal passieren, dass du ein Spiel hast, in dem der Gegner dir was wegnimmt und du dann einfach wenige Würfe hast. Aber dass ich keinen einzigen Wurf bekam, war für mich natürlich frustrierend. Das Problem war, und das haben wir dann als Mannschaft angesprochen: Der Ball hat sich gegen die Dom Rep kein einziges Mal wirklich von links nach rechts bewegt. Das war alles statisch, alles vorhersehbar. Der Gegner wusste genau, worauf er sich einstellen muss. Und wenn du die schwierigen Würfe dann nicht triffst, dann ist das Spiel schneller gelaufen als du denkst. Man hat ja auch gesehen: In den Spielen danach wurde es deutlich besser. Wir haben zwar immer noch viele Fehler gemacht. Aber wir haben zumindest mal den Ball besser bewegt.

    "Für unser Scheitern kann man niemandem die Alleinschuld geben."
    Maximilian Kleber

    Speziell an Dennis Schröder, der in der entscheidenden Partie offensichtlich alles im Alleingang probieren wollte und vor allem am Ende bei nur zwei Punkten Rückstand zwei falsche Entscheidungen getroffen hat, ist anschließend in Deutschland eine Diskussion entbrannt.

    Kleber: So sah das von außen aus. Auch das war ein Thema, das wir angesprochen haben. Für unser Scheitern kann man niemandem die Alleinschuld geben. Dennis ist bei uns der Spieler, der kreieren und machen soll. Natürlich hat er die individuelle Klasse, dass er in wichtigen Momenten die Mannschaft führen kann. Und so einen Spieler brauchst du auch, vor allem in der Crunchtime, wenn das Spiel entschieden wird. Das Problem aber war, dass wir zu monoton gespielt haben, das war für die Verteidiger zu leicht. Da haben wir uns als Mannschaft vielleicht auch zu sehr auf ihn verlassen und gesagt: Er soll mal machen. Das Thema im Vorfeld war ja immer: Wir sind ein tiefer Kader, und jeder kann. Und genau das haben wir in den ersten zwei Spielen nicht genutzt.

    Sie sehen das Scheitern also eher als Mannschaftsproblem.

    Kleber: Wir haben als Mannschaft einfach versagt.

    Auch die Zukunft von Henrik Rödl als Bundestrainer steht nun zur Diskussion. 

    Kleber: Das kennt man ja aus den Vereinen, nicht nur bei der Nationalmannschaft. Sobald es nicht läuft, muss einer herhalten. Die schwächste Position ist dann halt meistens die des Trainers. Ob da nun wirklich noch was passiert, weiß ich nicht. Wir haben ja danach alle Spiele gewonnen und gezeigt, dass wir auch anders spielen können.

    "Es ist doch auch eine Sache der Ehre, im Nationalteam spielen zu dürfen und sein Land zu vertreten."
    Maximilian Kleber

    Die Qualifikation zu einem der vier Olympia-Quali-Turniere wurde nun als Erfolg verkauft. Wenn man aber sieht, welche Konkurrenz dabei sein wird, erscheint die Teilnahme in Tokio keineswegs als Selbstläufer. Griechenland, Serbien, Slowenien . . .

    Kleber: Auch Italien und Brasilien. Ich möchte jetzt nichts schönreden. Es war eine Riesenentäuschung, keine Frage. Aber man muss auch sehen: Vielleicht wäre das Ergebnis unterm Strich dasselbe gewesen. Wir hätten die Zwischenrunde gespielt, dann vielleicht ein Viertelfinale, aber die Olympia-Quali hätten wir vermutlich so oder so spielen müssen, weil ja nur die zwei besten Europäer dieser WM sich direkt für Tokio qualifizieren. Das Wichtigste für uns als Mannschaft war letztlich, dass wir mit einem guten Gefühl aus dem Turnier gehen konnten. Das letzte Spiel gegen Kanada hätten wir ja auch haushoch verlieren können und wären trotzdem in der Olympia-Quali gewesen.

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    Neben dem frühen Aus von Deutschland waren die größten Überraschungen der WM wohl das Viertelfinal-Scheitern von Serbien und den USA, und das Finale zwischen Spanien und Argentinien hat wohl auch nicht jeder erwartet.

    Kleber: Dass die USA angreifbar sind, damit habe ich gerechnet, weil die ja mit einer anderen Mannschaft angereist sind, ohne die ganz großen NBA-Stars. Aber bei Serbien habe ich gedacht, dass die ins Finale marschieren. Was mich fasziniert, sind Teams wie Spanien und Argentinien, die ja auch im Finale stehen und einen so schönen schnellen, einen modernen Basketball spielen, dass es einfach unglaublich schwierig ist, sie zu verteidigen.

    Hatten Sie den Gedanken nach dieser WM-Enttäuschung, womöglich in Zukunft im Sommer länger zu pausieren und ihn nicht mehr mit der Nationalmannschaft zu verbringen?

    Kleber: Es ist doch auch eine Sache der Ehre, im Nationalteam spielen zu dürfen und sein Land zu vertreten. Und man muss ja auch sagen: Wir haben ordentlichen Bockmist gebaut. Das wollen wir wieder gutmachen! Ich glaube nicht, dass bei uns einer dabei ist, der sagt: Hey, ich spiel nun nicht mehr, weil wir keinen Erfolg hatten. Wenn du mit so einer Einstellung rangehst, dann bist du auch kein Leistungssportler.

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