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    Basketball: Bundesliga

    Kresimir Loncars Ideen für die Baskets

    Der ehemalige Kapitän und heutige Manager von Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg würde den Klub gerne zu einer Art Talentschmiede entwickeln. Darf und kann er das?
    Auch eine Kugel, aber die bleibt am Boden: Kresimir Loncar bei einem Bowling-Abend mit dem Team von s.Oliver Wuerzburg. Foto: Heiko Becker

    Die Caféteria ist zwar nur einen guten langen Dreier entfernt von der Trainingshalle - aber wenn man mit Kresimir Loncar dorthin marschiert, dauert es an diesem Vormittag ein Weilchen, bis man dann Platz nehmen kann an einem der Tische, um ein wenig zu plaudern. Über ihn. Seine Rolle, die er nach dem Abschied vom Parkett vor gut einem Jahr bei s.Oliver Würzburg angenommen hat. Und seine Ziele. Es dauert deswegen ein wenig, weil Loncar ständig angesprochen wird auf dem Weg ins Bistro. Die Leute im Trainingszentrum "L'Alqueria del Basket" des spanischen Spitzenklubs Valencia Basket kennen ihn noch - "obwohl ich nun kürzere Haare habe als damals". Gerade einmal eine Saison verdiente Loncar seine Brötchen an der Ostküste Spaniens, wo die Baskets auch auf seine Anregung und Vermittlung hin ein kurzes Trainingslager bezogen haben. Vor knapp sechs Jahren heuerte der Deutsch-Kroate, der seine Profikarriere im neuen Jahrtausend, also vor 20 Jahren, in Würzburg begonnen hatte und dann ausgezogen war in die weite Basketball-Welt, in Valencia an. "Der Status eines Profi-Basketballers ist in Spanien ein ganz anderer als in Deutschland", sagt Loncar, der nach seiner Stippvisite auf der iberischen Halbinsel mit Alba Berlin den deutschen Pokal gewann, ehe er nach Würzburg zurückkehrte.

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    Dort sitzt er nun also seit dem vergangenen Frühjahr am Schreibtisch, als "Manager Sport und Scouting" der Baskets. Fragt man ihn jetzt, ob es nicht doch noch ein wenig juckt in den Fingern, wenn er zuschaut bei den Trainingseinheiten, dann lächelt der vor einer Woche 37 gewordene 2,09-Meter-Mann und sagt: "Ich habe die letzten drei Jahre meiner Karriere immer unter Schmerzen gespielt. Ich habe keinen Bock mehr auf Basketball." Natürlich macht er noch ein bisschen was, "Tennis und Fitness", und den "Big Men", den großen Jungs im Baskets-Kader, gibt der einstige Center und Power Forward auch seine Erfahrung weiter und versucht, sie im Training fortzubilden. Aber seine Hauptaufgabe ist inzwischen eine andere.

    "Du kannst nicht professionell genug sein."
    Kresimir Loncar, Manager bei s.Oliver Würzburg

    "Den Verein für die Zukunft gut aufstellen" ist ein Satz, der so oder so ähnlich sehr häufig fällt an diesem Vormittag, und wenn man dann nachfragt, was genau er meint und wie er sich das vorstellt, kann man nach den Antworten auch eine Ahnung davon bekommen, dass da einer gerne etwas ändern möchte und Strukturen fortentwickeln, um "fit für die Zukunft" zu sein. Loncar sagt, er sei anfangs - neben seinem Job, auch für Spielerverpflichtungen zu sorgen - vor allem Beobachter gewesen: "Ich habe geschaut, wie was läuft." Aus dem neuen Blickwinkel sieht man natürlich mehr, als wenn man sich täglich übers Parkett plagt. Seine Erkenntnisse: "Wir müssen viel ändern. Auch Strukturen."

    Damals der Kapitän Foto: Heiko Becker

    Kresimir Loncar macht den Eindruck, ziemlich genau zu wissen, wie der Hase läuft und was er will. Nachdem er in seiner Geburtsstadt Split gespielt und in Würzburg seine internationale Karriere gestartet hatte, feierte er in Italien und in der Ukraine Meisterschaften, in Russland gewann er den Pokal und durfte am All-Star-Spiel teilnehmen, mit Chimki holte er den Eurocup und mit Kroatien nahm er an den Olympischen Spielen in Peking 2008 und bei der EM 2009 teil. Sicherlich ist es nicht übertrieben, wenn man behauptet: Ein Verein aus dem Bundesliga-Mittelmaß wie s.Oliver Würzburg, der sich freilich eifrig bemüht und sich auch strecken muss, um diesen Status zumindest zu halten, kann profitieren von Rat und Ideen, von den Beziehungen und der Erfahrung eines so vernetzten einstigen Profis, der freimütig zugibt, in seinem neuen Job mehr oder weniger noch Lehrling zu sein, der sich andernorts auch Anregungen holt. Am Mittwoch aß Loncar mit Valencias Geschäftsführer zu Mittag.

    Es ist ein schwieriges Spagat für den Klub, der sich ambitionierte Ziele setzt - dauerhaft ein ernstzunehmender Play-off-Teilnehmer zu sein -, aber finanziell auch nicht auf Rosen gebettet ist.  "Du kannst nicht professionell genug sein", sagt Loncar, der meint, "vielleicht auch zu kritisch" zu sein, "auch mit mir selbst". Aber: "Ohne Fehler zu machen, kommst du nicht nach vorne." Kurzfristige Ziele zu verfolgen, hält Loncar für falsch. Weshalb er - wie Baskets-Cheftrainer Denis Wucherer - der Meinung ist, dass, wenn sie denn tatsächlich kommt, die neue Multifunktionsarena in Würzburg, zwar ein essentiell wichtiger Schritt auch für die Baskets sein kann - der aber sehr gut vorbereitet sein muss.

    Kresimir Loncar (rechts) in einem Länderspiel mit Kroatien 2008 gegen Deutschland. Foto: A3644 epa ANA Panagiotou

    Loncar, der glaubt, Erfolg im Basketball habe vielleicht zehn, maximal 20 Prozent mit angeborenem Talent zu tun, der Rest sei "harte Arbeit", schwebt vor, aus den Baskets eine Art Talentschmiede zu machen. "Wann hat Würzburg zuletzt einen Spieler aus der eigenen Jugend in die Bundesliga-Mannschaft gebracht?", fragt er rhetorisch. Selbst ein Maximilian Kleber, der inzwischen in der NBA Millionen verdient, habe sich ja erst zu einem richtig guten Basketballer entwickelt, als er seine Heimatstadt verlassen hatte. Es ist nicht wirklich möglich, Loncar in diesem Punkt Gegenbeispiele zu nennen oder gegen ihn zu argumentieren. Er wünscht sich, Talente zu rekrutieren, die dann in Würzburg entsprechend gefördert und ausgebildet werden. Natürlich ist diese Idee nicht bahnbrechend neu und der Traum vieler Vereine - in Würzburg konsequent umgesetzt, bedeutete sie freilich auch eine radikale Abkehr der traditionellen Politik - wie sie im Basketball  mehrheitlich Usus ist -, mit (relativ) teuren Spielern zu versuchen, sich Erfolg einzukaufen.

    Natürlich weiß Loncar, der in seiner Karriere bestimmt sehr gutes Geld verdient hat, dass es ohne Zukäufe nicht geht, um in der Bundesliga zu bestehen. Aber die Grundidee, vermehrt Kohle in die Nachwuchsarbeit zu stecken, als sie in diesem - systemimmanent bedingten - Söldnersport an jederzeit wechselwillige Athleten zu verpulvern, ist ja - weiß Gott - nicht unsympathisch. Hängt halt, wie so vieles im Leben, letztlich trotzdem am Geld - und wie man es einsetzt.

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