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    HANDBALL: 2. BUNDESLIGA

    Kurzarbeit wegen Corona: Existenzsorgen bei Rimpars Spielern

    So reagieren die Wölfe auf den Aufruf nach Gehaltsverzicht seitens der Vereinsführung: Solidarität ja - aber bitte beidseitig! Einbußen gehen bei manchen ans Eingemachte.
    Zusammenhalt in Zeiten von Corona - auch wenn zu Freudentänzen kein Anlass besteht: die Zweitliga-Handballer der DJK Rimpar Wölfe sind untereinander und mit der Spielergewerschaft Goal in engem Austausch.  Foto: Meike Scheuring

    Die Corona-Krise stellt Klubs vor nie dagewesene Herausforderungen - und damit auch jene vor innere Zerreißproben, die sich nach außen gern als heile Familien präsentieren. In Zeiten wie diesen, die nach Meinung mancher ganze Sportarten bedrohen, haben nicht nur Geschäftsführer Furcht vor Konkursen, sondern auch Angestellte Angst um ihre Existenzen. Vermeintliche Vereinsfamilien werden dann schnell zu normalen Wirtschaftsunternehmen, in denen Arbeitgeber und Arbeitnehmer naturgemäß nicht immer die gleichen Interessen haben. Das zumindest ist aus Gesprächen herauszuhören. 

    Beim Handball-Zweitligisten DJK Rimpar Wölfe hat am Dienstagabend der Mannschaftsrat mit drei Gesellschaftern der GmbH im Rahmen einer Telefonkonferenz um einen für alle ver- oder wenigstens erträglichen Konsens gerungen. Geschäftsführer Roland Sauer hatte in einem Interview mit dieser Redaktion Kurzarbeit angekündigt und die Spieler zu Gehaltsverzicht aufgefordert, um die Liquidität des Klubs zu erhalten (Saisonetat: rund 900 000 Euro). 

    Austausch mit Spielergewerkschaft Goal

    "Wir haben zwei Stunden lang diskutiert, zum Teil auch emotional, und einen fürs Erste solidarischen Konsens gefunden", berichtet Rimpars Kapitän Parick Schmidt auf Anfrage. Er gehört neben Benjamin Herth, Benedikt Brielmeier und Parick Gempp dem Mannschaftsrat an. Dieser habe um ein volles Gehalt noch bis Ende März gekämpft, so Schmidt. Sauer wolle versuchen, es zu bezahlen. "Unser Wunsch wäre, dass wir danach noch 80 Prozent bekommen." Ob dieser Wunsch erfüllt wird, darüber wird wohl nächsten Monat von Neuem gerungen werden. 

    "Wir müssen, wollen und werden uns solidarisch gegenüber dem Verein zeigen, aber das Gleiche erhoffen wir im Härtefall auch von Vereinsseite für uns", sagt Rimpars Kapitän Patrick Schmidt. Foto: foto2press/Meike Scheuring

    "Der Zusammenhalt im Team ist eng, auch wir Kapitäne der Zweitligisten sind in einer WhatsApp-Gruppe vernetzt, und wir stehen in permanentem Austausch mit der Spielergewerkschaft Goal", sagt Schmidt. Die gemeinschaftliche Organisation aller Lizenzhandballer darf zwar nicht rechtlich beraten, aber grundsätzlich aufklären. Nationaltorwart Johannes Bitter und der frühere Profi Marcus Romminger von Goal "hören uns auch an und bringen unsere Anliegen bei der Handball-Bundesliga vor". Grundsätzlich gilt: Profisportler können sich gegen Kurzarbeit wehren.

    Schmidt stellt klar: "Wir müssen, wollen und werden uns solidarisch gegenüber dem Verein zeigen, aber das Gleiche erhoffen wir im Härtefall auch von Vereinsseite für uns. Denn wir Spieler sind die letzten und oft schwächsten Glieder in der Versorgungskette. Bei denjenigen, die am wenigsten verdienen, geht es selbst bei geringen Einbußen darum, dass sie nicht mehr wissen, wie sie ihre Miete oder ihr Studium bezahlen können."

    "Wir Spieler sind die letzten und oft schwächsten Glieder in der Versorgungskette. Bei denjenigen, die am wenigsten verdienen, geht es selbst bei geringen Einbußen darum, dass sie nicht mehr wissen, wie sie ihre Miete oder ihr Studium bezahlen können.
    Patrick Schmidt, Kapitän von Handball-Zweitligist DJK Rimpar Wölfe

    Neben dem Kapitän studieren sieben weitere Spieler, teils mit Minijobs bei Hauptsponsoren, wie Schmidt bei Infosim oder Lukas Böhm bei SSI Schäfer. Nur fünf von 15 Spielern arbeiten annähernd in Vollzeit, Felix Karle ist davon noch in der Ausbildung zum Bankkaufmann. Steffen Kaufmann hat neben dem Handball einen Minijob, Fin Backs ist als Ausleihe von MT Melsungen reiner Handballer.

    "Privatinsolvenz muss ich nicht anmelden", sagt Kreisläufer Michael Schulz, der nebenbei in der Geschäftsstelle tätig ist und für den Klub Vor- und Spielberichte schreibt - dafür bekommt er seine Studiengebühren bezahlt. "Aber auf Rosen gebettet ist keiner von uns." Ob er seinen auslaufenden Vertrag verlängert, darüber sei man noch in Verhandlungen. 

    Besonders schwierige Situation für Benjamin Herth und Familie 

    Wie sehr die Situation aber bei anderen ans Eingemachte gehen kann, zeigt das Beispiel von Benjamin Herth. Der Vertrag des Mittelmanns läuft Ende der Saison aus und wurde nicht verlängert. Gerne würde der ehemalige Nationalspieler bei einem niederklassigeren Verein in der Region noch weiterspielen, neben seinem Referendariat als Lehrer. Doch die Prüfungen zum ersten Staatsexamen wurden am Mittwoch von der bayerischen Staatsregierung ausgesetzt. Herth weiß daher nicht, wann er zu arbeiten anfangen wird können, um Geld für sich und seine Familie zu verdienen. Seine Frau, eine Tennislehrerin, hat nun ebenfalls kein Einkommen mehr. Und das mit zwei Kindern - und bald ohne Handballjob.

    Zwischen ausgesetztem erstem Staatsexamen und auslaufendem Handballvertrag: Für den zweifachen Familienvater Benjamin Herth könnte die Ungewissheit, wie es weitergeht, bald existentiell werden. Foto: foto2press/Frank Scheuring

    "Ich kann auch keinen anderen annehmen, solange ich nicht weiß, wie sich das mit dem Referendariat entwickelt", sagt der 34-Jährige. "Das ist natürlich eine sehr schwierige Situation für uns, aber noch versuche ich, locker zu bleiben. Fürs nächste Vierteljahr haben wir noch keine Existenzängste. Ab September könnte es brenzlig werden."

    Dass er nach 17 Jahren als Handball-Profi in der Ersten und Zweiten Liga vielleicht ohne Abschied seine Profi-Karriere beenden wird, sollte die Saison abgebrochen werden, ist dabei noch seine kleinste Sorge.

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