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    FREIWASSERSCHWIMMEN

    Leonie Beck fischt EM-Silber aus dem See

    „Beim Rumschwimmen hat sie immer wieder zwei, drei Meter verloren“
    Bundestrainer Stefan Lurz über Becks Probleme an den Bojen

    Für ausschweifenden Jubel hatte Leonie Beck nach ihrem Silber-Coup keine Kraft. Die 21 Jahre alte Freiwasserschwimmerin musste husten, nahm die Schwimmbrille ab und schnaufte erst einmal kräftig durch. Beck musste sich im Loch Lomond nur Olympiasiegerin Sharon van Rouwendaal aus den Niederlanden geschlagen geben.

    Leonie Beck hatte einen Plan. Sie wollte die erste von zwei Runden an Position drei oder vier schwimmen – weit genug vorn, um bei einem Ausreißversuch nicht hängen zu bleiben im Feld, aber eben auch nicht ganz vorn, um noch ein paar Körner sparen zu können. Nach den ersten Bojen auf Runde zwei habe die Würzburgerin dann vorziehen wollen.

    Wie das aber nun mal so ist mit den Plänen – zumal im so unberechenbaren Geschäft des Freiwasserschwimmens – wurde daraus dann eben doch nichts. Gut so, möchte man fast sagen, denn am Ende dieses Fünf-Kilometer-Rennens hatte Leonie Beck Silber hinter der Niederländerin Sharon van Rouwendaal und damit ihre erste internationale Medaille erkrault. Lea Boy verpasste als Zwölfte knapp die angepeilten Top Ten, Jeanette Spiwoks schwamm als 16. durchs Ziel.

    Tatsächlich lief es an diesem Mittwochmorgen im Loch Lomond nämlich so: Van Rouwendaal hatte bereits nach wenigen Minuten dieser fast einstündigen Reise den Turbo angeschmissen und sich an die Spitze des Feldes gesetzt. „Das war sehr gut für mich“, sagte Beck später. Denn schließlich war sie direkt mitgezogen. Dann wurde das Rennen schnell – und schon nach einer halben Runde war da eine relativ große Lücke zum Rest des 18 Frauen starken Feldes.

    Tatsächlich hatte Beck nach drei Kilometern sogar noch einmal alle Kraft zusammengenommen, ist aus dem Sog rausgeschwommen, um an der routinierten Olympiasiegerin vorbeizuziehen. „Aber da habe ich ziemlich schnell gemerkt: Das wird nichts“, sagte Beck und lachte beim Gedanken an diese forsche Aktion.

    An den Füßen der Niederländerin schwamm Beck also ihr Rennen, einzig an den Bojen hatte die 21-Jährige ein paar Probleme. „Beim Rumschwimmen hat sie immer wieder zwei, drei Meter verloren“, sagt Bundestrainer Stefan Lurz.

    Vor der letzten Geraden auf diesem Dreieckskurs wurde Beck dies dann zum Verhängnis, die Sogwirkung ließ nach. „Da habe ich die Füße dann verloren“, sagte Beck, die schlussendlich nach 56:17,8 Minuten knapp 17 Sekunden hinter van Rouwendaal (56:01,0) anschlug. Die Italienerin Rachele Bruni als Dritte kam abgeschlagen nach 56:43,7 Minuten ins Ziel.

    Beck, deren Einstellung Lurz nach der medaillenlosen WM im vergangenen Jahr noch kritisiert hatte, konzentriert sich seither ausschließlich aufs Freiwasser. Hier will sie sich bei der kommenden WM für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 qualifizieren. Und dafür schwimmt sie nun auch unter der Saison mehrere Rennen, konnte im März bereits beim Weltcup in Doha als Zweite hinter Rouwendaal aufs Podest schwimmen. Zwei Top-Ten-Platzierungen folgten, dazu über die fünf Kilometer der erste deutsche Meistertitel im Freiwasser.

    Ruwen Straub hatte bei seinem Start in die EM größere Probleme. Die linke Schulter, in der eine Zyste bereits seit einiger Zeit auf den Nerv drückt, habe ihm das ganze Rennen über Schmerzen bereitet. Zunächst habe er sich noch gut gefühlt, dann sei es aber schwer geworden, so dass er sich „hinten rein verfrachtet“ habe, um auf der letzten Gerade dann doch noch mal alles zu geben. Am Ende schrappte er nach 53:14,7 Minuten knapp an der Top Ten vorbei. Den Sieg sicherte sich der Ungar Kristof Rasovszky (52:38,9 Minuten) vor den Franzosen Axel Reymond (52:41,7) und Logan Fontaine (52:44,4). Rob Muffels (52:55,4) hatte auf eine Medaille gehofft, musste sich dann aber mit Rang vier begnügen.

    Straub hat nun erst einmal Pause, bis Lurz über die Besetzung für die gemischte Staffel am Samstag entscheidet. Über die zehn Kilometer ist der Würzburger Vereinskollege Sören Meißner gefordert. Auch Beck wird über die olympische Distanz starten und sich damit der Doppelbelastung stellen. Dafür komme es jetzt darauf an, richtig zu regenerieren – Physiotherapie, ein paar Bahnen im Becken ziehen, Kohlehydratespeicher auffüllen. „Und dann sehen wir mal, wie es wird. Ich werde mein Bestes geben“, sagte Beck noch, bevor sie zur Massage verschwand.

    Von Sabrina Knoll

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