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    FUßBALL: DRITTE LIGA

    Wulnikowski stresst seine Nachfolger

    Robert Wulnikowski bei der Arbeit mit den Kickers-Torhütern. Foto: Frank Kranewitter

    Robert Wulnikowski hat am Rand des Trainingsplatzes in La Manga Platz genommen. Die Nachmittagseinheit der Würzburger Kickers, die sich hier in Spanien auf die Restsaison in der Dritten Liga vorbereiten ist gerade vorbei. Unmittelbar nach den Würzburgern hat ein Team mit einem Adler auf dem Trikot den Platz in Beschlag genommen. Es sind junge Akteure, die U-17-Nationalmannschaft Österreichs mit ihren Trainern. Eine neue Generation Profis. Eine ganz andere als die aus der Wulnikowski stammt, der bis zum Sommer der älteste Zweitliga-Akteur in Deutschland war. Er sagt: „Heute wissen die Jungs viel früher, was sie unbedingt wollen. Da steht für einige schon mit zwölf Jahren fest, dass sie Fußball-Profi werden wollen. Aber niemand sollte vergessen, dieses Geschäft ist verdammt harte Arbeit.“

    Wer sollte das besser wissen als Wulnikowski, der einst noch neben seinem Job als Ersatztorhüter bei Schalke 04 eine Ausbildung auf einer Zeche. „Es gibt nicht viele Fußballer, die wissen, wie es ist, unter Tage zu malochen. Profifußball ist ein Privileg“, sagt er und lacht. Wulnikowski hat durchaus etwas mitzuteilen als Trainer, in seiner neuen Rolle. Seit Sommer ist er nun Torwartcoach bei den Kickers.

    Früher als erhofft. Denn eigentlich wollte der 40-Jährige ja noch immer zwischen den Pfosten stehen. Ein Kreuzbandriss kam dazwischen. „Ich bin noch immer nicht beschwerdefrei. Dabei hätte ich den Kickers in der vergangenen Saison so gerne noch einmal geholfen. Ich wollte unbedingt noch an einem der letzten Zweitliga-Spieltage eingreifen. Aber es hat nicht sollen sein.“

    Das vorzeitige Aus einer ereignisreichen Profikarriere. „Man muss auch akzeptieren, wenn es vorbei ist“, sagt Wulnikowski. Für acht Klubs spielte er. „Alle diese Vereine sind in meinem Herzen. Außer Rot-Weiss Essen. Denn dort hatte ich die schlimmste Zeit meiner Karriere. Aber gerade solche Tiefen prägen einen.“ In Essen war der Deutsch-Pole einst nach einem Fehler zum Saisonauftakt ganz schnell aufs sportliche Abstellgleis geschoben worden. Nach einem Jahr und nur zwei Einsätzen zog er weiter.

    Wulnikowski, der mit seiner Familie in der Nähe von Offenbach wohnt, weiß genau, wie sich Wolfgang Hesl derzeit fühlen dürfte, nachdem der 30-Jährige in dieser Saison vom sechs Jahre jüngeren Patrick Drewes aus dem Kickers-Kasten verdrängt wurde. Die Entscheidung über einen solchen Torwartwechsel liege letztlich beim Cheftrainer alleine. Da habe der Torwartcoach nichts mitzureden, berichtet er. „Aber wir sind im Trainerteam natürlich im ständigen Austausch.“

    Dass sich während der Kickers-Krise im Herbst die Kritik auf Hesl fokussiert habe, sei nicht gerecht gewesen. 31 Treffer kassierten die Kickers mit Hesl im Tor. „Das waren deutlich zu viele, aber keineswegs nicht nur seine Schuld. In einer solchen Situation wird natürlich jede Szene unter die Lupe genommen. Die ganze Mannschaft muss verteidigen, und Wolfgang wurde manchmal im Stich gelassen.“

    Drewes habe dann aber seine Chance genutzt. „Er will unbedingt spielen und hat sich in dieser Saison gut entwickelt. Als Nummer eins steht er jetzt unter ständiger Beobachtung und muss sich immer wieder neu beweisen. So ist das als Torwart. Ich kenne dieses Gefühl noch sehr gut.“

    Beeindruckend fand Wulnikowski vor allem, wie Drewes sich nach einem unglücklichen Gegentor bei seinem ersten Liga-Auftritt in Köln nicht aus dem Konzept bringen ließ. Der Kickers-Keeper verursachte bei seinem Debüt einen Elfmeter, die Kickers unterlagen gegen die Fortuna 1:2. „Viele sprachen von einem Fehler. Er hat es gut verarbeitet und in den Wochen darauf insgesamt starke Spiele gemacht. Darauf kommt es als Torwart an.“ Auf der Torwartposition, so Wulnikowskis Botschaft, haben die Kickers kein Problem.

    Im Trainingslager in La Manga schuftet er mit den Keepern oft etwas abseits der Mannschaft. „Ich setze sie unter Stress, um zu sehen wie sie reagieren“, sagt Wulnikowski über seine Methoden: „Das ist ein Spiel. Es geht darum, während einer Partie zu jeder Zeit auf alles vorbereitet zu sein. Daran arbeiten wir.“ Er erinnert sich an den Start seiner Karriere, als es nicht üblich war, dass jeder Profiverein seine eigenen Torwarttrainer beschäftigte. „Während meiner Ausbildung auf Schalke schon. Da war das üblich. Aber woanders? Als ich zu Union Berlin wechselte, hat in den ersten beiden Jahren der Co-Trainer das Torwarttraining geleitet, der aber leider keine Erfahrung als Keeper hatte.“ Es war eine andere Zeit.

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