• aktualisiert:

    Würzburg

    NBA-Draft: Joshua Obiesies Traum erfüllt sich vorerst nicht

    Joshua Obiesie: "Ich werde meinen Weg auf jeden Fall gehen." Foto: Heiko Becker

    Er hat es live am Bildschirm verfolgt, und weil er dies in München mit der Familie und mit Freunden tat, die Veranstaltung aber im New Yorker Stadtteil Brooklyn über die Bühne ging, wurde es früh am Freitagmorgen für Joshua Obiesie. Der Internet-Streamingdienst DAZN übertrug das Spektakel ab ein Uhr nachts live, und das Portal spox.com beendete seinen  Liveticker gegen sieben. Anschließend postete der 19-Jährige auf seinem Instagram-Account ein kurzes Video, in dem er sich für all die Unterstützung bedankte und meinte: "Auch wenn ich nun nicht gedraftet worden bin, heißt es nicht, dass es vorbei ist. Es heißt: weiter hart arbeiten."

    Obiesie war der einzige deutsche Teilnehmer an der Talenteziehung der stärksten Liga der Welt, die auf diesem Weg, auf dem auch Dirk Nowitzki vor über 20 Jahren in die NBA gekommen war, nun 60 neue Spieler unter Vertrag genommen hat. Er hatte sich nach dem Ende der Bundesligasaison Mitte Mai, die er mit s.Oliver Würzburg auf Rang neun beendet hatte, in den letzten Wochen mehrfach in den Staaten vorgestellt. Workouts heißen bei den Basketballern das Vorspielen und die Bewerbungsgespräche, in denen es nicht ausschließlich ums Basketballerische und ums Mittrainieren geht.

    In zahlreichen Interviews versuchen die Klubs auch herauszufinden, wie der Bewerber tickt und ob er denn zum Klub und in die Liga passt. Vor dem Draft hatte Joshua Obiesie zwar davon gesprochen, wie stressig die Wochen waren, aber auch wie schön: "Ich habe viel gelernt und viel gesehen."

    Das Feedback war positiv

    Der gebürtige Münchner war unter anderem in Brooklyn, Milwaukee, Charlotte, Cleveland und Atlanta vorstellig geworden, und "das Feedback war durchweg positiv", hatte Obiesie es empfunden: "Ich habe ein gutes Gefühl. Das hat wirklich Spaß gemacht." Optimistisch war er in die Nacht auf Freitag gegangen. Zu arg grämen braucht sich das Talent nun freilich auch nicht, wie sagte er am Freitag: „Es war bei mir immer im Hinterkopf, dass das passieren kann. Ich finde es nicht so schlimm, denn ich weiß, was ich kann.“ Ganz bestimmt tut es seiner Entwicklung gut, noch ein, zwei Jahre in der Bundesliga zu spielen. Gegen Männer - und eben nicht mehr in der Nachwuchsbundesliga gegen Jugendliche, die er am Ende beinahe nach Belieben dominieren konnte.

    Joshua Obiesie im Europe-Cup-Spiel im März gegen die Bakken Bears aus Dänemark. Foto: Heiko Becker

    Das ist auch der Punkt, den sein Vereinstrainer Denis Wucherer bereits im Frühjahr immer wieder betont hatte - dass er Obiesie eben noch fehle, der Wettkampf unter Erwachsenen, die viel härter hinlangen und viel schneller spielen als die Jugend. "Natürlich wäre es schön für ihn gewesen, wenn er gezogen worden wäre", sagt Wucherer nun, wenn man nach dem Draft mit ihm telefoniert. Der Baskets-Trainer war stets guter Dinge, dass sein Hoffnungsträger auch noch mindestens ein Jahr in Würzburg hätte bleiben können, selbst wenn ihn ein NBA-Klub unter seine vertraglichen Fittiche genommen hätte.

    Das ist auch jetzt noch nicht ausgeschlossen, da Obiesie, der in Würzburg einen Vertrag bis 2022 unterschrieben hat, als sogenannter Free-Agent auch noch unter Vertrag genommen werden kann - aber es erscheint derzeit eher unwahrscheinlich. Wucherer ist überzeugt, dass ihm die Bundesliga guttun wird. "Das ist ja auch der Unterschied zum Beispiel zu Daniel Theis, Dennis Schröder oder Maximilian Kleber", sagt Wucherer: "Die haben alle erstmal zwei, drei Jahre in der Bundesliga Erfahrungen gesammelt, ehe sie in die NBA gingen." Der 1,98 Meter große Aufbauspieler Obiesie kam auf 21 Bundesliga- und Europe-Cup-Partien für die Baskets, dabei erhielt er durchschnittlich 16 Minuten Spielzeit und legte 6,8 Punkte, 2,3 Rebounds und 1,4 Assists pro Begegnung auf.

    Joshua Obiesie bei der Saisonabschlussfeier der Baskets mit den Fans. Foto: Silvia Gralla

    Die Vorbilder und der Ausweichplan

    "Als kleines Kind sagst du, dass du in der NBA spielen willst. Die Leute sagen dir allerdings, dass du dir einen Ausweichplan zurechtlegen solltest, da die Chance, es zu schaffen, sehr gering ist", sagte Zion Williamson, der - wie von den Experten erwartet - als Erster gedraftet wurde. Die New Orleans Pelicans sicherten sich die Dienste des 18-Jährigen, der in seiner ersten und einzigen College-Saison für die Duke University im Schnitt knapp 23 Punkte machte und sich 8,9 Rebounds krallte.

    Sicher überlegt sich auch Joshua Obiesie, dessen Vorbilder LeBron James, D'Angelo Russell und inzwischen auch der gerade einmal ein Jahr ältere Luka Doncic aus Dallas sind, einen Ausweichplan. Schließlich erklärte er am Freitag noch auf Instagram: "Ich werde meinen Weg auf jeden Fall gehen, das wisst Ihr."

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!