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    HANDBALL

    Wenn Wölfe von Pferden lernen

    Da kommt Freude auf: Rimpars Handballer Patrick Schmidt führt ein Pferd an der Leine, ein zweites gesellt sich gleich ma... Foto: Wolfgang Renninger

    Leider hat auch der Altmeister der Zoologie in Brehms Tierleben der Nachwelt keinerlei Hinweis darauf vermacht, was wohl passieren würde, sollte ein Wolfsrudel in freier Natur auf eine Pferdekoppel geraten. Allerdings steht zu vermuten, dass die Begegnung wohl keinen guten Ausgang nehmen würde – zumindest nicht für die Pferde. Am vergangenen Samstag machte sich im Rahmen der Saisonvorbereitung das Rudel der Rimparer Wölfe auf den Weg zu einem Reiterhof in Prosselsheim, um die Probe aufs Exempel zu machen.

    Seit 13. Juli schuften die Spieler des Zweitligisten nun schon wieder, um sich für ihre mittlerweile vierte Saison im Handball-Unterhaus fit zu machen. Am Wochenende beginnt mit dem ersten Turnier die heiße Phase der Vorbereitung, und mit Lukas Böhm, Benjamin Herth und Andreas Wieser sind auch drei neue Spieler zum Kader gestoßen. Für Geschäftsführer Roland Sauer genau der richtige Augenblick, etwas Neues auszuprobieren und frischen Wind in die Vorbereitung zu bekommen. „Als Marion mir das Angebot gemacht hat, fand ich die Idee gleich gut“, erinnert sich Sauer. „Wir wollten die Spieler einfach mal mit einer für sie neuen Situation konfrontieren.“

    „„Ich habe schon den einen oder anderen Urlaub auf einem Reiterhof hinter mir. Von daher hatte ich schon einen gewissen Vorteil.“
    Stefan Schmitt, Leitwolf bei Rimpars Handballern

    Die angesprochene Marion Neubert-Walter, Reittrainerin und Leiterin des Reiterhofs in Prosselsheim, hat den Handball-Zweitligisten auf die Anlage eingeladen. „Durch meinen Mann Peter (Anm. der Red.: früher Torwart in Rimpar) bin ich schon lange Teil der Familie“, erzählt die gelernte Versicherungskauffrau, die sich nach einer Weiterbildung im Bereich des pferdegestützten Coachings mit ihrer Firma EquiBrain ein zweites Standbein geschaffen hat. Seitdem coacht sie sowohl Einzelpersonen als auch Vertriebs- oder Verkaufsteams unter Einbeziehung ihrer dafür ausgebildeten Pferde.

    „Pferde sind Meister der nonverbalen Kommunikation“, sagt die ehemalige Agenturleiterin, „sie nehmen hochsensibel wahr, was wir über unsere Körpersprache ausdrücken und spiegeln unser Verhalten prompt und ehrlich wider.“ Dadurch böten sie auch Möglichkeiten an, sich allein oder im Team weiterzuentwickeln. Mit der Triathletin Michaela Nahler hat sich Neubert-Wahler speziell für das Wölfe-Coaching noch eine Leistungssportlerin mit ins Boot geholt.

    Mit Leberkäs-Semmeln und flotten Sprüchen im Gepäck trifft der Wölfe-Tross schließlich auf dem Hof ein. DJK-Leitwolf Stefan Schmitt etwa macht beim Anblick des Elektrozauns um die Koppel gleich den Vorschlag, dass man „die drei Neuzugänge mal für eine Minute an den Zaun anschließt“. Als Neubert-Wahler die erste Aufgabe für die Spieler vorstellt, wird das Rudel allerdings schnell zahm: Jeder Spieler solle sich ein Pferd aussuchen und selbstständig von der Weide in den Stall führen.

    Den Gesichtern der gestandenen Mannsbilder kann man ansehen, dass ihnen die Pferde doch gehörigen Respekt einflößen und es stellt sich die Frage, ob die dezenten Schweißflecken an den Shirts nur vom Nachschwitzen in der Folge des morgendlichen Trainings stammten.

    Allerdings löst das komplette Wolfsrudel die Aufgabe anschließend mit Bravour. Selbst Wölfe-Urgestein Sebastian Kraus, der den beiden Coaches bereits bei der Ankunft vorsorglich mitgeteilt hat, dass er „kein Tierfreund“ sei, lässt sich nicht lumpen und findet eine tierische Begleiterin. Besonders anziehend auf die Tierwelt wirkt offensichtlich auch Patrick Schmidt; neben dem von ihm ausgewählten Pferd macht sich freiwillig ein zweites an seiner Seite mit auf den Weg. Nach der ersten praktischen Übung folgt ein theoretischer Teil, in dem hauptsächlich gruppendynamische Prozesse thematisiert werden. Dabei machen sich die Coaches beispielsweise mittels eines sogenannten Teamrades ein Bild darüber, wie die einzelnen Mannschaftsmitglieder selbst das Gefüge innerhalb ihrer Gruppe definieren.

    Zum nächsten praktischen Teil geht es dann in die Reithalle. Die Spieler müssen, aufgeteilt in einzelne Teams, einen Hindernisparcours anlegen, über den sie anschließend die Pferde führen sollen. Bei der Ausführung sind die einzelnen Teammitglieder durch Stricke miteinander verbunden. Neben der eigentlichen Aufgabe kommen auch hier der Spaß und die lockeren Sprüche nicht zu kurz. Abgesehen von einigen kleineren Missgeschicken können die Wölfe auch bei dieser Aufgabe überzeugen, die Trainerinnen finden immer wieder lobende Worte.

    Zum Abschluss erläutern Neubert-Walter und Nahler der ganzen Gruppe, wie sie die einzelnen Prozesse innerhalb der Teams wahrgenommen haben und gehen auch noch einmal auf die Reaktionen der Pferde ein. Dabei kommt es bei den Wölfen auch zum einen oder anderen Aha-Erlebnis.

    „War gut und hat auch allen richtig Spaß gemacht“, befindet Schmitt hernach. „Wir sind ja ein Team, das bereits ziemlich lange zusammen ist und in dem es auch gewachsene Strukturen gibt. Von daher bringt das immer was, wenn mal jemand von außen einen Blick darauf wirft und einem Rückmeldung gibt.

    “ Für seinen eigenen souveränen Umgang mit den Pferden hat der Lehrer, der schon seit der Jugend Teil des Wolfsrudels ist, auch eine Erklärung: „Ich habe schon den einen oder anderen Urlaub auf einem Reiterhof hinter mir. Von daher hatte ich schon einen gewissen Vorteil.“

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