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    Fußball: Dritte Liga

    Die Kickers wollen jetzt die Kurve kriegen

    Ungebrochener Optimismus: Trainer Stephan Schmidt ist „absolut überzeugt“, dass den noch immer sieglosen Würzburger Kick... Foto: Foto2press, FRank Scheuring

    Schluss mit den schlechten Gedanken! Man lasse sich von „Negation im Umfeld“ nicht beeinflussen, sagt Trainer Stephan Schmidt vor dem Drittliga-Kellertreffen des FC Würzburger Kickers beim FSV Zwickau am Sonntag (14 Uhr, Stadion Zwickau). „Ich bin restlos überzeugt davon, dass wir die Kurve bekommen. Am Sonntag wollen wir damit beginnen,“ sagt Schmidt. Doch wie stehen die Chancen, dass die Wende tatsächlich gelingt? Wir analysieren die Lage nach fünf sieglosen Liga-Spielen:

    Ist der FSV Zwickau der richtige Gegner zur rechten Zeit?

    Man könnte auf die Idee kommen. Wann, wenn nicht am Sonntag? Gegen wen, wenn nicht gegen den Tabellenletzten, soll diese verflixte Kickers-Negativserie von 22 sieglosen Punktspielen endlich reißen? Mit den Worten „Schluss mit Ausreden“ überschrieben die Zwickauer auf ihrer Facebookseite den Aufruf, zum Spiel gegen die Kickers ins „Schwanennest“, so wird das Stadion in Anlehnung an die Wappentiere des Klubs genannt, zu kommen.

    Vor allem einen Akteur konnte der FSV in dieser Saison nicht ersetzen: Patrick Göbel, der am Sonntag, wenn denn nicht der Storch – sprich die Geburt seines Sohnes – die Reise ins Schwanennest verhindert, für Würzburg auflaufen wird. Göbel war in der Vorsaison an 17 Zwickauer Treffern direkt beteiligt, gehörte für den „Kicker“ zur Elf der Saison. Ohne ihn und den nach Regensburg abgewanderten Stürmer Jonas Nietfeld fehlt den Sachsen im Angriff jegliche Durchschlagskraft. Erst zwei Tore gelangen in fünf Spielen. Doch Vorsicht ist geboten. „In positivem Sinne Gewalt“ – so drastisch beschreibt Kickers-Coach Stephan Schmidt das, was er vom Gegner erwartet: „Ich habe großes Vertrauen in den Schiedsrichter. Der entsprechend darauf vorbereitet sein wird und entsprechende Maßnahmen treffen wird.“ Pfeifen wird Henry Müller aus der Niederlausitz.

    Ist Trainer Stephan Schmidt der richtige Mann?

    Kickers-Vorstandsvorsitzender Daniel Sauer hat sich festgelegt, keine Trainerdebatte führen zu wollen, auch wenn in Zwickau der Befreiungsschlag nicht gelingt. Dann aber werden die Kritiker schnell zur Stelle sein und ganz gewiss wieder auf Schmidts bislang eher mäßigen Erfolg im Erwachsenen-Fußball verweisen. Sein letztes Zweitliga-Engagement in Cottbus endete nach neun Spielen ohne Sieg. Dabei gibt es viele Dinge, die für Schmidt sprechen: Er hat den Kickers einen neuen Spielstil verpasst, der deutlich attraktiver ist als der in der vergangenen Zweitliga-Rückrunde. Die Stimmung im Training ist, von außen betrachtet, gut. Die Mannschaft glaubt an sich, wie Patrick Göbel betont: „Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Doch am Ende zählen nur die Resultate und da muss Schmidt nun aufpassen, dass ihn die Negativstimmung nicht überrollt. Auch taktisch wird er nach neuen Antworten suchen müssen. Der Plan, mit flinken Spielern über die Flügel Torgefahr zu erzeugen, ging bislang nicht auf. Keines der vier Tore wurde mit einem Flankenlauf vorbereitet. Dabei gilt gerade Göbel in Zwickau noch immer als „Flankengott“.

    Ist der Kickers-Kader stark genug?

    Auf den ersten Blick auf jeden Fall. Der Kader ist – laut dem Internetportal „Transfermarkt.de“ – derzeit der zweitwertvollste der Liga und zählt gewiss auch zu den kostspieligeren in dieser Spielklasse. Für das Geld haben die Würzburger reichlich Erfahrung bekommen. Drittliga-Rivale Hansa Rostock bezeichnete die Kickers-Mannschaft vor dem Aufeinandertreffen vergangenes Wochenende auf seiner Internetseite gar als „kleines All-Star-Team der Dritten Liga“. Allerdings sind die Kickers nicht in allen Mannschaftsteilen so gut besetzt wie im Mittelfeld, wo gegen Hansa mit Simon Skarlatidis und Emanuel Taffertshofer gleich zwei zweitligaerfahrene Akteure gar nicht zu Einsatz kamen. Die Vierer-Abwehrkette stellt sich, so lange Hendrik Hansen mit seiner Fußverletzung aus der Vorbereitung noch ausfällt, fast von selbst auf. Torhüter Wolfgang Hesl hat zahlreiche Referenzen in Erster und Zweiter Liga vorzuweisen, ist aber auch kein mitspielender Torhüter, der die Spieleröffnung schneller macht. Und dass im Angriff nach wie vor ein Torjäger fehlt, das hat unter den Kickers-Anhängern inzwischen wirklich jeder bemerkt.

    In vier von fünf Drittliga-Partien hatten die Rothosen ein Chancenplus. Gewonnen haben sie keine. Ob die Kickers auf die Probleme noch einmal reagieren? Die Verantwortlichen antworten darauf ausweichend. Trainer Schmidt ist von der Qualität seines Teams überzeugt. „Was uns fehlt, sind die Tore. Aber die werden kommen und dann sprechen wir in ein paar Wochen nicht mehr über irgendeine Negativphase.“

    FSV Zwickau – FC Würzburger Kickers (Sonntag, 14 Uhr, Liveticker auf www.mainpost.de)

    Die zehn Treffer, die die Würzburger Kickers am Mittwoch beim 10:0-Pokalsieg in Meeder erzielten, sollen, so hofft man im Lager der Rothosen, Selbstvertrauen geben. Endlich wollen die Würzburger auch in der Liga die zuletzt so oft vermisste Kaltschnäuzigkeit im Abschluss zeigen.

    „Wir müssen auch einmal mit einem einfachen Tor zufrieden sein. Daran muss man auch im Training arbeiten. Es muss nicht immer ein Fallrückzieher sein. Es reicht, auch einfach die Innenseite hinzuhalten“, hatte Kapitän Sebastian Neumann schon nach dem 0:3 gegen Rostock als Losung ausgegeben. In Meeder hielten sich die Kollegen an die Vorgabe. Man darf gespannt sein, wen Kickers-Trainer Stephan Schmidt beim Tabellenschlusslicht FSV Zwickau in vorderster Reihe aufbietet. Marco Königs erzielte nach über einem Jahr in Meeder seine ersten Pflichtspieltreffer für die Kickers, Neuzugang Orhan Ademi ist noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte und wurde geschont. Dominic Baumann, der gegen Rostock besonders durch Chancenwucher auffiel, dürfte in seiner sächsischen Heimat gewiss einen Schuss Extramotivation verspüren.

    Im Mittelfeld wird nach der Rotsperre von Björn Jopek in jedem Fall die Formation gewechselt werden. Bleibt abzuwarten, für welches System sich Schmidt entscheiden wird, ob er – wie gegen Rostock – auf zwei Angreifer setzt oder lieber das Mittelfeld mit einem zusätzlichen Akteur stärkt.

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