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    Einwurf

    Pyrotechnik: Die Eitelkeit einer Minderheit

    Menschen, die in vollem Bewusstsein etwas Verbotenes tun und damit anderen mit dem gleichen vollen Bewusstsein Schaden zufügen, sollten, sofern ermittel- und überführbar, für diesen entstandenen Schaden zur Rechenschaft gezogen werden. Das sieht die Strafgerichtsbarkeit so vor. In der Sportgerichtsbarkeit ist das längst nicht so einfach. Immer noch können in Fußball-Stadien einzelne Idioten im Schutz der Menge, von Fahnen, ihrer Kapuzenjacken oder Gesichtsmasken ungehemmt und leider allzu oft ungestraft ihrer verbotenen Leidenschaft für Pyrotechnik frönen – und damit sich selbst wie Umstehende gefährden, für einen Spielabbruch sorgen und Einfluss auf sportliche Entscheidungen nehmen. Dem Verband bleibt wenig übrig, als die Vereine stellvertretend in die Pflicht zu nehmen und zu bestrafen. Der Bayerische Fußball-Verband tut dies restriktiver als der DFB, das Strafmaß für einen Regionalligisten wie den FC 05 Schweinfurt kann bis zu 25 000 Euro reichen.

    Pyro-Ärger beim Derby FC 05 gegen Kickers: „Das war Mist“

    Natürlich, der Einsatz von Bengalos, Rauchtöpfen und Böllern war im Pokal-Derby überschaubar; es hätte aber auch dieser eine Böller sein können, der bei einem Menschen ein Knalltrauma verursacht, das eine Bengalo, das eine Jacke entflammt und ihren Träger lebengefährlich verletzt. Genau deswegen ist der BFV so resolut und verfährt nach dem Motto „Wehret den Anfängen“. Gleiches Recht für alle, kein Ungerechtigkeiten heraufbeschwörender Handlungsspielraum. Gute Stimmung gibt es auch mit farbenfrohen Choreografien, einfallsreichen überdimensionalen Blockfahnen oder lautstarken Anfeuerungen. Es braucht dazu weder ein Silvesterfeuerwerk, Seenotfackeln oder Knallkörper, geworfen von ebensolchen. Diese „Show“ ist nichts als der selbstgefällige Versuch einer Minderheit, ausschließlich sich selbst eine Bühne zu schaffen. Es geht dieser Sorte Ultras nicht um die Unterstützung der Mannschaft, sondern um pure Eitelkeit – und im Idealfall den größtmöglichen Triumph, einen Spielabbruch provoziert zu haben. Am Mittwoch versuchten dies primär Würzburger, in der Vergangenheit hatten Schweinfurter schon einmal Erfolg mit dieser perfiden Strategie: Als im Mai 2014 der FC 05 wenige Minuten vor Ende des Spiels gegen Heimstetten mit 1:3 hinten gelegen hatte und aus der Regionalliga abgestiegen war, hatten 05-Chaoten Böller gezündet und eine Unterbrechung erzwungen, nach der die Schweinfurter noch mit 4:3 gewonnen und später in der Relegation auch den Klassenerhalt geschafft hatten.

    Stimmen zum Pokal-Derby

    Für die betroffenen Vereine, im aktuellen Fall die Schweinfurter und die Würzburger gleichermaßen, bleibt nach dem zu erwartenden Urteil eine Geldbuße und die mühevolle Aufgabe, die Täter mittels Videomaterial oder Zeugenaussagen zu ermitteln. Es gab Fälle, in denen die Strafen auf Täter umgelegt werden konnten. Wenn diese Summen dank drastischerer Strafen für Einzelne in die Tausende gehen, hat dies wahrscheinlich einen größeren Effekt als Stadionverbote – für die sich ohnehin wieder einige Chaoten rühmen. Und erst dann hätte der BFV mit seiner zuallererst durch Präsident Rainer Koch vertretenen Null-Toleranz-Linie etwas erreicht.

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