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    FUßBALL: TOTO-POKAL

    Pyro-Ärger beim Derby FC 05 gegen Kickers: „Das war Mist“

    Hilflose Beobachter: Kickers-Trainer Michael Schiele und Schiedsrichter-Assistent Christopher Schwarzmann sehen, wie im ... Foto: Frank Scheuring, Foto2press

    „Schade, dass zwei Mannschaften dafür bluten müssen, dass Wenige gegen Vorschriften verstoßen. Es gehört nicht in ein Fußball-Stadion, dass man Angst vor einem Spielabbruch haben muss.“ Besser als FC-05-Trainer Timo Wenzel konnte man es kaum auf den Punkt bringen, was am Mittwochabend im Willy-Sachs-Stadion passiert ist. Es war absurd, wie nachdenklich der 40-Jährige wirkte in diesem Moment kurz nach dem Spiel, in dem seine Schweinfurter mit Leidenschaft, Spielwitz und Effizienz Drittligist FC Würzburger Kickers mit 3:1 (2:0) im Achtelfinale des BFV-Pokals besiegt hatten – und man auch bei den Verantwortlichen des Regionalligisten normalerweise Jubelsprünge hätte erwarten können. Doch normal war an diesem Spiel, den Sieg des Außenseiters eingeschlossen, nicht viel.

    Der Spielbericht zum Schweinfurter 3:1-Erfolg

    Es ist nur schwer nachzuvollziehen, dass im Schweinfurter Fanblock nach der Pause, wohlgemerkt beim Stand von 2:0, Bengalos gezündet wurden, obwohl es sich längst bis zum letzten „Fan“ herumgesprochen haben sollte, dass der Bayerische Fußball-Verband (BFV) beim leidigen Thema Pyrotechnik eine erheblich restriktivere Linie als der DFB in den drei Profi-Ligen verfolgt. Dazu noch grüner Rauch. Da sahen sich Schiedsrichter Patrick Hansl-bauer und der Stadionsprecher zu ersten Ermahnungen veranlasst. Als dann zunächst aus dem Kickers-Block roter Rauch aufstieg und in den Schweinfurter Reihen ein zweiter Böller gezündet wurde, griff der Referee regularienkonform zur nächsten Maßnahme: den Gang in die Kabinen, der einer letzten Ermahnung an beide Fan-Blöcke gleichkam.

    Fingerspitzengefühl des Schiedsrichters

    Dass dann, kaum dass alle wieder zurück auf dem Feld waren, einige Unverbesserliche im Kickers-Sektor erneut Bengalos zündeten, war nicht anders zu verstehen als eine auf den Abbruch zielende Provokation. Doch da hatten die Chaoten die Rechnung ohne die Polizei und das Fingerspitzengefühl Hanslbauers gemacht. Denn nach intensiven Beratungen wurde, obwohl das vorzeitige Aus vom Regelbuch gedeckt gewesen wäre, auch im Hinblick auf weitere mögliche Eskalationen weitergespielt.

    Stimmen zum Pokal-Derby

    Während Adam Jabiri, der nur eine knappe Minute nach Patrick Breitkreuz' Anschlusstreffer (55.) die Schweinfurter wieder mit 3:1 in Führung gebracht hatte, die lange Unterbrechung noch mit Humor kommentierte („nicht gut für mich, mit 34 fährt man nicht mehr so schnell hoch“), fasste Rothosen-Kapitän Sebastian Schuppan die Geschehnisse prägnant zusammen: „Das waren auf dieser Bühne, bei diesem Spiel, das seit drei Jahren nicht mehr so stattgefunden hatte, einfach unwürdige Zustände. Das kann man auch nicht einfach als Derby-Stimmung abtun. Das war Mist. Die Unterbrechungen haben dem Spiel nicht gutgetan.“

    Der Liveticker zum Nachlesen

    Auch 05-Vorsitzender Markus Wolf war nur „genervt. Die ganzen Einnahmen des Tages werden wohl für Strafen draufgehen. Die nach den BFV-Richtlinien verhängten Strafen für Pyrotechnik können inzwischen ja richtig saftig sein. Ich verstehe, dass der Verband das Problem in den Griff bekommen will. Aber eigentlich müssen ja nicht die Vereine, sondern die Fans erzogen werden. Und wir haben es in einem städtischen Stadion, das die ganze Woche über frei zugänglich ist, schwer zu kontrollieren, ob im Vorfeld schon gefährliche Gegenstände auf dem weitläufigen Gelände deponiert werden.“ BFV-Verbandsspielleiter Josef Janker kündigte wegen der mehr als fünfminütigen Unterbrechung ein darauf resultierendes Sportgerichtsverfahren an, ungeachtet der Tatsache, dass die Spielwertung wohl nicht mehr korrigiert wird.

    FC 05 im Viertelfinale in Illertissen

    Für den FC 05 geht die über zwei Jahre währende Erfolgsgeschichte im BFV-Pokal weiter mit dem Viertelfinale, in dem der Titelträger von 2017 und 2018 am 3. Oktober auswärts bei Ligarivale FV Illertissen ran muss. Und langsam wächst der Hunger auf den dritten Cup-Sieg in Serie bei den Schweinfurtern, obwohl sie sich auch über die Regionalliga Bayern als Meister oder beste Nicht-Profi-Reserve für die DFB-Pokal-Hauptrunde qualifizieren könnten. „Wir sind Titelverteidiger und mit den Kickers ist der nächste Hochkaräter raus. Wir müssen uns nicht verstecken, wir können weit kommen“, sagte Marco Fritscher, der mit seinem Treffer zum 1:0 (20.) die Nullfünfer auf Touren gebracht und das 2:0 von Alexander Piller (43.) mit vorbereitet hatte.

    Pyrotechnik: Die Eitelkeit einer Minderheit - ein Kommentar

    Es sind diese magischen Momente in Alles-oder-Nichts-Spielen auch gegen höherklassige Klubs, in denen der FC 05 immer konstanter besteht. Letzte Saison mit Siegen gegen Drittligist Unterhaching und Zweitligist Sandhausen, nun mit dem 3:1 über die Kickers. In allen Partien waren die Schweinfurter nicht nur kämpferisch auf der Höhe, sondern auch spielerisch – bisweilen gar überlegen. Völlig zu Recht merkte Lukas Billick, neben Jabiri zweiter Ex-Kickers-Akteur in Grün-Weiß, nach dem Derby an: „Wir haben den Ball richtig gut laufen lassen.“ Mit der zweimaligen wohldosierten Kader-Korrektur ist das Leistungsniveau auf Regionalliga-Spitze. Nur hapert es noch daran, diese Qualität konstant auch gegen Schwächere, insbesondere auswärts, auf den Platz zu bringen. Und so klafft in der Liga zwar eine Lücke zum FC Bayern München II von sechs Punkten – aber noch keine zu den weiteren Mitstreitern Burghausen, Nürnberg und Memmingen.

    Das hatte sich der FC 05 – angetreten mit dem Ziel, den Bayern einen Zweikampf um die Meisterschaft zu liefern – etwas anders vorgestellt. Weswegen Trainer Wenzel auch im Moment des Triumphs über die Kickers dieses Defizit im Blick hatte. Es sei zwar nachvollziehbar, dass Fußballer „in solchen Spielen, wie sie nicht oft vorkommen, einen Tick mehr geben als zum Beispiel gegen Heimstetten, aber ich finde das nicht gut: Das hat auch mit der Einstellung zum Beruf zu tun. Das müssen wir schnellstmöglich in die Köpfe hineinbekommen.“

    Möglichst schnell aus den Köpfen raus soll die Derby-Niederlage bei den Kickers. „Unsere Fans sind sauer. Wir haben hingestellt und einmal durchbeleidigen lassen“, berichtete Spielführer Schuppan vom unschönen Gang in die Kurve zum eigenen Anhang: „Da gibt es dann auch nichts, was man sagen kann.“ Torhüter Patrick Drewes analysierte die drei Gegentore aus Kickers-Sicht kurz und knapp: „Wir haben es dem Gegner zu einfach gemacht. Das wird von einer guten Mannschaft wie Schweinfurt bestraft.“ Nach drei Ligasiegen in Serie schienen die Kickers vor der Länderspielpause gerade so richtig in Schwung gekommen zu sein. Und jetzt? Erst das 0:5 im Test gegen Zweitligist Heidenheim, dann die Derby-Pleite in Schweinfurt. Die Aufbruchstimmung ist erst einmal dahin. Und nun wartet am Sonntag bei Tabellenführer SpVgg Unterhaching eine sehr schwere Drittliga-Aufgabe auf die Würzburger.

    Schiele: Pokal-Aus „nicht überbewerten“

    „Nicht überbewerten“ will Trainer Michael Schiele die Pokal-Partie in der Rückschau, wenngleich ein Saisonziel für die Kickers nun sehr schwer zu erreichen sein wird. „Wir wollten uns durch den Toto-Pokalsieg für den DFB-Pokal-Wettbewerb qualifizieren. Jetzt bleibt uns noch eine andere Chance.“ Die Rothosen müssten mindestens Platz vier in der Liga erreichen, um im nächsten Jahr im bundesweiten Pokalwettbewerb auf ein attraktives Los hoffen zu können. Mit den am Mittwoch gezeigten Schwächen dürfte der nur schwer zu erreichen sein.

    BFV-Pokal, Viertelfinale

    Die Spiele am 2./3. Oktober: TSV Buchbach (Regionalliga) – TSV 1860 München (3. Liga)

    ATSV Erlangen (Bayernliga) – SpVgg Unterhaching (3. Liga)

    FV Illertissen (Regionalliga) – FC 05 Schweinfurt (Regionalliga)

    SV Seligenporten (Bayernliga) – SV Viktoria Aschaffenburg (Regionalliga)

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