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    HANDBALL: 2. BUNDESLIGA

    Respekt für Rimpars „Mentalitätsmonster“

    So feiern Auswärtssieger: Die Handballer der DJK Rimpar Wölfe bejubeln ihren 27:20-Erfolg über den TuS N-Lübbecke in der Merkur Arena. Foto: Oliver Krato

    TuS N-Lübbecke – DJK Rimpar Wölfe 20:27 (8:10)

    Der eine platzte fast vor Stolz, der andere vor Ärger. Selten fallen die Reaktionen nach einem Spiel so unterschiedlich aus wie nach dem 27:20 (10:8)-Start-Ziel-Sieg der DJK Rimpar Wölfe beim TuS N-Lübbecke am Samstagabend. DJK-Coach Matthias Obinger zollte nach dem sportlich bedeutungslosen, aber charakterlich beeindruckenden Erfolg seiner Mannschaft Respekt: „Ich ziehe den Hut vor ihr, mit welcher Einstellung, Motivation und Disziplin sie sich hier präsentiert hat.“ Im Überschwang gab er sogar den Klopp: „Wir sind halt Mentalitätsmonster!“ TuS-Interimstrainer Heidmar Felixson sprach seinem Team indes teilweise das Zweitliganiveau ab und entschuldigte sich auf der Pressekonferenz bei den Zuschauern: „Es tut mir leid, dass Sie sich dies angucken mussten.“

    Buhrufe und Beleidigungen

    Einzelne der 1330 Besucher in der Merkur Arena, die nach der Schlusssirene nicht etwa die jubelnden Gäste, sondern die beschämten Gastgeber ausgebuht und -gepfiffen hatten, machten ihrem Unmut über deren „lust- und leidenschaftslose“ Vorstellung (Felixson) später auch auf der Facebookseite des Klubs Luft. Sie kritisierten diese als „grottenschlecht“ und „unterirdisch“, sprachen von „einem Witz“ und „verschenkter Lebenszeit“ und beleidigten die Profis nach deren erst dritter Heimpleite als „Gurkentruppe“ und „Dreckshaufen“.

    Dass die Ostwestfalen tatsächlich einen ihrer schwächsten Auftritte abgeliefert haben dürften, soll die starke Leistung der Unterfranken nicht schmälern. Sie waren in allen Belangen besser. Gut auf den Gegner eingestellt, drückten sie dem Spiel von Anfang an ihren Stempel auf und bewiesen im Gegensatz zu den leblos wirkenden Lübbeckern Moral.

    Zehnter Sieg in der Rückrunde

    So gab es für die Rimparer nach den letzten beiden Niederlagen gegen die Aufstiegskandidaten Coburg und Nordhorn-Lingen nicht nur den zweiten Saisonsieg über den Bundesliga-Absteiger und den zehnten in der Rückrunde zu feiern. Zwölf Spieler trugen sich dabei in die Torschützenliste ein, darunter Max Brustmann, der mit seinen Treffern acht, neun und zehn die Liga-Rangliste nicht nur als bester Keeper, sondern auch als bester Torwart-Torjäger anführt. Zum vierten Mal in dieser Saison hielten die Wölfe einen Gegner in der ersten Halbzeit bei acht oder weniger (zweimal bei sieben) Treffern. Und die Abpraller-Quote entschieden sie so deutlich wie vielleicht noch nie mit 10:3 für sich. „Auch da hatten wir das Glück des Tüchtigen“, sagte Co-Trainer Josef Schömig. Man kann so eine Partie eben abschenken – oder dankbar als Geschenk annehmen.

    Blitzstart in torarme erste Halbzeit

    Während es zuletzt ein wenig so gewirkt hatte, als ginge den Wölfen im Endspurt die Luft aus, schienen sie diesmal die zweite Luft zu bekommen. Von Beginn an hellwach, überrumpelten sie die dösigen Hausherren mit einem 3:0-Blitzstart (4.). Bereits in der torarmen und fairen ersten Halbzeit gerieten die Rimparer kein einziges Mal in Rückstand. Meist lagen sie mit einem oder zwei Treffern vorn, nur zweimal – beim 5:5 und 6:6 – gelang den Lübbeckern der Ausgleich.

    Der TuS, der ohne seinen nach einem Fahrradunfall leicht lädierten ersten Schlussmann Joel Birlehm auskommen musste, stabilisierte sich zwar zwischenzeitlich in der Abwehr, brachte sich im Angriff aber durch eine zu hohe Fehlerquote häufig um Zählbares. Die DJK dagegen schaltete durch eine zumeist offensiver interpretierte 6:0-Deckung den gegnerischen Rückraum nahezu aus und erspielte sich mit Geduld ihre Treffer. Anders als zuletzt zu Hause gegen Nordhorn-Lingen, als nur vier Rimparer getroffen hatten, waren diesmal bereits nach einer Viertelstunde fünf von ihnen von sämtlichen Positionen erfolgreich.

    Sauer-Tor mit der Faust

    Kurz vor der Pause ein Hingucker: Rechtsaußen Julian Sauer, der bei einem Tempogegenstoß den von Brustmann gepassten Ball an der Siebenmetergrenze nicht mehr zu fangen bekam, boxte die Kugel mit der Faust über TuS-Torwart Peter Tatai ins Netz.

    Felixson: „Wir spielen Mist“ 

    Nach dem Seitenwechsel erhöhten die Wölfe ihren Vorsprung erst langsam und in den letzten sechs Minuten dann schnell. Sie spielten in der Defensive Ringelpiez mit Anfassen, die Lübbecker ohne. Oder, um es mit den Worten von TuS-Trainer Felixson zu sagen: „In der zweiten Hälfte spielen wir Mist – um kein schlimmeres Wort zu gebrauchen.“ Warum der Isländer allerdings dann auch noch seinen talentierten Zweitliga-Debütanten zwischen den Pfosten, den 18-jährigen Mats Grezesinski, für den siebten Feldspieler herausnahm (53.), weiß nur er selbst. Das jedenfalls ermöglichte Brustmann noch zwei Empty-Net-Goals.

    Und die Moral von der Geschicht': Verlieren wollen die Wölfe offenbar auch im Mittelfeld nicht. Nächsten Samstag bekommt der Tabellenneunte Besuch vom Elften aus Aue. Auch da geht's vor allem um Mentalität.

    Die Statistik des Spiels

    Nettelstedt-Lübbecke: Tatai (1.-38.), Grezesinski (39.-60.) – Genz 2, Walczak 2, Bechtloff 4/1, Gierak 1, Bagaric, Strosack 5, Rakovic, Spohn 1, Jaanimaa 4, Schade, Orlowski 1, Speckmann (n.e.), Hövels.

    Rimpar: Brustmann (1.-60., 3 Tore), Wieser (n.e.) – Schömig 2, Böhm 1, Gempp 2, Schmidt 5, Kaufmann 1, Siegler 5, Meyer, Bauer 1, Schulz 1, Backs, Brielmeier 1, Herth 3/2, Sauer 2.

    Spielfilm: 0:3 (4.), 2:3 (6.), 3:5 (14.), 5:5 (17.), 6:6 (20.), 6:9 (26.), 8:10 (Halbzeit), 9:13 (37.), 15:18 (45.), 19:22 (54.), 19:25 (57.), 20:27 (Endstand).

    Siebenmeter: 1/2 : 2/3.

    Zeitstrafen: 3:2.

    Schiedsrichter: Fabian Friedel/Rick Herrmann (Aue).

    Zuschauer: 1330.

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