• aktualisiert:

    HANDBALL: 2. BUNDESLIGA

    Rimpar gegen Gummersbach: Handballfest vor Rekordkulisse

    Gegen den abgezockteren Bundesliga-Absteiger reißt die erfolgreiche Heimserie der Wölfe. Trotz der Niederlage überwiegen Spaß und Stolz.
    Kung-fu-artige Einlage: Rimpars Kapitän Patrick Schmidt im Zweikampf mit Gummersbachs Alexander Weck (rechts).  Foto: foto2press/Frank Scheuring

    Joachim Löw hat mal verraten, dass er den Musikgeschmack der heutigen Jugend nicht mag. In einem Interview der "Bild am Sonntag" sagte der Fußball-Bundestrainer: "Die spielen heute Musik in der Kabine, da muss ich vor die Tür." Er höre lieber deutsche Schlager. Man kann es Löw nicht verdenken. Wäre er am Samstagabend in der s.Oliver Arena gewesen, er hätte sie vermutlich fluchtartig verlassen. Dort stand die Tür der Gäste-Kabine offen. Heraus dröhnte der Refrain "Auswärts sind wir asozial", ein Ballermann-Hit eines Mannes mit dem bemerkenswerten Künstlernamen "Killermichel". Drinnen grölten die Spieler des VfL Gummersbach mit und feierten ihren 29:26 (14:11)-Sieg über die DJK Rimpar Wölfe, durch den der Bundesliga-Absteiger auf Kurs Wiederaufstieg bleibt. 

    Mehr als 2000 Zuschauer

    Er habe keinen Einfluss auf die Playlist, sagte Trainer Torge Greve einen Stock höher im Pressekonferenz-Kabuff und lachte. Aber "wie sehr sich meine Jungs über den Sieg freuen zeigt, wie wenig selbstverständlich er war". Sein Kollege Ceven Klatt war trotz der Niederlage und der gerissenen Heimserie nach zuvor fünf ungeschlagenen Partien auch gut aufgelegt. "Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen: Sie hat alles aus sich rausgeholt und bis zum Ende gekämpft." Das lange enge Duell vor der Saisonrekordkulisse von 2029 Zuschauern – erstmals über 2000 – nannte er ein "Handballfest".

    Nahkampf: Rimpars Dominik Schömig (links) macht Gummersbachs Lukas Blohme nackig.  Foto: foto2press/Frank Scheuring

    Anders als Fußballer, die in Interviews oft den Rasen der Phrasen abgrasen, nehmen Handballer weniger häufig ein Blatt vor den Mund. "In der ersten Halbzeit, ich sag's mal auf gut Deutsch, hatten wir noch nicht so den Arsch in der Hose", meinte Steffen Kaufmann, mit sechs Treffern  erfolgreichster DJK-Feldtorschütze und als Akteur schlauer Entscheidungen am aufälligsten. Doch das anfängliche Abtasten war beiderseits.

    Starke Abwehrreihen 

    Die drittbeste und die beste Abwehr der Liga dominierten das Duell. Die Unterfranken agierten gegen den wurfstarken Rückraum um Österreichs EM-Rückkehrer Janko Bozovic recht offensiv, gingen ihre Gegenspieler zum Teil schon bei neun bis zehn Metern an. So schlossen die Oberbergischen immer wieder von außen ab. Bei den Gastgebern verhungerte die Flügelzange weitgehend. Eine Überzahlsituation nutzten die Gäste nach wechselnden Führungen in den ersten 20 Minuten, um sich erstmals abzusetzen (8:11, 24.). Den Drei-Tore-Vorsprung nahmen sie auch mit in die Pause.

    "Benjamin Herth hat uns mit seiner Dynamik Probleme gemacht", sagte Gummersbachs Trainer Torge Greve über Rimpars Spielmacher (am Ball).   Foto: foto2press/Frank Scheuring

    Danach die stärkste Phase der Wölfe. "Mit seiner Kampfkraft plus der Atmosphäre kommt Rimpar da wieder ran", so Greve. Kapitän Patrick Schmidt per Siebenmeter – er verwandelte sieben von acht Versuchen –, der druckvolle Benjamin Herth und Kaufmann glichen mit drei Treffern nacheinander aus: 16:16 (38.). "Herth hat uns mit seiner Dynamik Probleme gemacht", bekannte der VfL-Coach. Dennoch legte Gummersbach wieder vor. 

    Siegler fehlt - und fehlt

    Bis zur 52. Minute (22:23) kamen die Grün-Weißen noch mehrmals bis auf ein Tor auf Tuchfühlung. Auch, nachdem Julian Sauer wegen eines Fouls disqualifiziert wurde (45.). "Ich habe mich Lukas Blohme in den Weg gestellt, hatte ein bisschen auf Stürmerfoul spekuliert", erklärte der Rechtsaußen die Situation später. 

    Großes Gezerre: Rimpars Steffen Kaufmann versucht, Gummersbachs Fynn Herzig aufzuhalten.  Foto: foto2press/Frank Scheuring

    In der Schlussphase verloren die Wölfe im Abwehrzentrum zu viele Zweikämpfe. Bei den Blau-Weißen trafen Alexander Weck und Luis Villgrattner aus der Distanz, wobei auch der in der Halbzeit für Max Brustmann eingewechselte Torwart Andreas Wieser nach anfangs zwei parierten Strafwürfen nicht gut aussah. "Da hat dann auch die Kraft nachgelassen", sagte Klatt. Lukas Siegler, der zusätzlich zum verletzten Philipp Meyer (Sprunggelenk) wegen Fiebers kurzfristig ausgefallen war, fehlte als Wechseloption hinten wie vorne. 

    "Wir haben dem Favoriten Paroli geboten, darauf können wir stolz sein", bilanzierte Kaufmann. Nicht asozial, aber abgezockt agierte der Bundesliga-Dino auswärts. "Das Spiel hat Spaß gemacht", waren sie beide Trainer einig. Joachim Löw hätte als Kabinen-DJ vielleicht Roberto Blanco aufgelegt: "Ein bisschen Spaß muss sein."

    Bitte, bitte noch mal Ausgleich: Wölfe-Trainer Ceven Klatt wartete darauf in der Schlussphase vergeblich.  Foto: foto2press/Frank Scheuring

    Die Statistik des Spiels

    Rimpar:
    Brustmann (1.- 30.), Wieser (bei einem Siebenmeter, 31.- 60.)- Schömig 1, Böhm, Karle, Gempp 2, Schmidt 8/7, Kaufmann 6, Schulz 3, Backs, Brielmeier 2, Herth 4, Sauer.
    Gummersbach: Ivic (19.- 38.), Puhle (1.- 18., 39.- 60.) - Schröter 1, Fanger, Dayan (n.e.), Blohme 4/1, Kontrec, Sommer 5, Weck 4, Herzig 3/1, Meinhardt, Villgrattner 3, Stüber, Becker 2, Bozovic 6, Busch.
    Spielfilm: 1:1 (6.), 3:2 (8.), 5:5 (15.), 8:8 (20.), 8:11 (24.), 10:12 (28.), 11:14 (Halbzeit), 13:16 (35.), 16:16 (38.), 16:18 (42.), 18:19 (45.), 20:22 (50.), 22:23 (52.)24:28 (58.), 26:29 (Endstand).
    Siebenmeter: 7/8 : 2/4.
    Zeitstrafen: 2:3.
    Rot: Sauer (Rimpar, 45., Foulspiel).
    Schiedsrichter: Jan Lier/Manuel Lier (Korntal-Münchingen & St. Gallen).
    Zuschauer: 2029.

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!