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    HANDBALL: 2. BUNDESLIGA

    Rimparer Wölfe erobern Platz zwei nach Schlussminuten-Krimi

    Applaus, Applaus! Die Handballer der DJK Rimpar Wölfe feiern ihren Auswärtssieg in Hüttenberg. Foto: Steffen Bär

    2. Bundesliga, Männer
    TV Hüttenberg - DJK Rimpar Wölfe 22:23 (7:11)

    Die Handballer der DJK Rimpar Wölfe stehen nach dem siebten Spieltag in der zweiten Bundesliga auf einem Aufstiegsplatz - punktgleich mit Spitzenreiter ASV Hamm-Westfalen auf Rang zwei. "Wer schaut schon auf die Tabelle?!", sagte Trainer Ceven Klatt nach dem 23:22 (11:7) seiner Mannschaft beim TV Hüttenberg am Samstagabend, dem vierten Sieg in Serie. Ein kurzes Grinsen konnte er sich danach nicht verkneifen.

    Auf der Pressekonferenz wenig später gab sich der 36-Jährige sachlich: "Ich bin sehr zufrieden mit dem Auftritt und der Leistung meiner Mannschaft. Wir haben wieder eine gute, bewegliche Abwehr gestellt, das ist ein Grund für unseren momentanen Erfolg." Tatsächlich haben die Wölfe aktuell die beste Deckung der Liga. Nur sieben Treffer ließen sie in der ersten Halbzeit zu! Dass sie am Ende trotz einer vermeintlich sicheren 22:17-Führung sechs Minuten vor Schluss noch mal zittern mussten, nun, das hätte keiner erwartet. "Wir haben erst in den letzten 20 Minuten richtig Feuer entwickelt", meinte TVH-Coach Frederick Griesbach nach der ersten Saisonheimniederlage. "Unterm Strich, das muss man neidlos anerkennen, ist der Rimparer Sieg verdient."

    Die Antwort der Wölfe auf den 1:4-Rückstand

    Die Wölfe begannen mit Andreas Wieser für den gesundheitlich angeschlagenen Max Brustmann im Tor und ihrer üblichen Startsechs auf dem Feld gegen die ebenso unorthodoxe wie unangenehme 3:2:1-Deckung der Hüttenberger. Diese erzwang in den ersten Aktionen technische Fehler und Ballverluste. So führten die Mittelhessen nach sechs Minuten mit 4:1. 

    Die Antwort der Unterfranken nach einem laustarken Anschiss von Klatt? Ein 5:0-Lauf zum 4:6 (10.). "Das war der erste Schlüssel im Spiel", analysierte Griesbach. Einmal Benedikt Brielmeier im Eins gegen Eins auf Halblinks sowie vier Tempotore aus einer immer aggressiver agierenden Abwehr heraus brachten die Wölfe in der engen Halle des Händekäsedorfs und der dort gewohnt hitzigen Atmopshäre der diesmal 1160 Zuschauer auf Betriebstemperatur. "Tempo zu gehen war unser Plan, um gegen die 3:2:1 nicht in den Positionsangriff zu müssen", erklärte Klatt. "In der ersten Habzeit ist uns das besser gelungen als in der zweiten." 

    Kampf in den Hinterreihen 

    Allzu viele Treffer bis zur Pause fielen danach gar nicht mehr. Beide Mannschaften schenkten sich in den Hinterreihen nichts, dafür verloren beide ein paar Mal die harzige Kugel und verschenkten Chancen im Abschluss - Wieser und sein Keeperkollege Nikolai Weber parierten jeweils sieben Bälle im ersten Durchgang. Nach 23 Minuten stand es 7:9. Mit einem Abpraller vom Kreis und einem Schlagwurf aus geschätzt zehn Metern brachte Philipp Meyer seine Farben mit 11:7 in Führung. Warum TVH-Coach Griesbach dann drei Sekunden vor der Pausensirene noch eine Auszeit nahm? Man weiß es nicht. 

    Schömig Mister Hunderprozent vom Siebenmeterpunkt

    Nach dem Wiederanpfiff verteidigten die Wölfe weiter bissig und hauten den Hüttenbergern buchstäblich auf die Finger. Hinten eroberte Linksaußen Dominik Schömig zweimal den Ball, und vorne traf Lukas Böhm zweimal, nachdem er sich aus dem rechten Rückraum an den Kreis abgesetzt hatte (9:14, 38.). Schömig selbst verwandelte fünf von fünf Siebenmetern und war mit insgesamt sieben Treffern Rimpars bester Schütze. "Wir trainieren das ein-, zweimal in der Woche", sagte der Sohn von Co-Trainer Josef Schömig lakonisch. Klatt konstatierte: "Unseren Rückraum hat Hüttenberg heute toremäßig nahezu neutralisiert." Über Außen und den Kreis ging mehr.

    TVH-Spielmacher Björn Zintel brachte die Hausherren mit einem Dreierpack allerdings auf 16:18 heran (48.). Doch mit den guten Nerven und dem gesunden Selbstvertrauen eines Teams aus den Top Drei setzten DJK-Kapitän Patrick Schmidt und Kreisläufer Michael Schulz umgehend zwei Nadelstiche nach. Wieser nach einer Nahdistanz-Parade gegen Kreisläufer Moritz Lambrecht und im direkten Wurf ins wegen einer Unterzahl leere TVH-Tor sorgten wieder für einen Fünf-Treffer-Vorsprung (17:22, 54.). 

    Das 1000. Tor von Sauer und Kaufmann will nicht rein

    Der Rimparer Sieg schien unter Dach und Fach. Denkste! Die letzten Minuten hatten es noch einmal in sich. Angepeitscht von den Fans, verkürzte Hüttenberg wieder durch Zintel 1.20 Minute vor Schluss auf 22:23. Zuvor war DJK-Rechtsaußen Julian Sauer - nachdem er bereits die Treffer 997, 998 und 999 für seinen Heimatverein erzielt hatte - dreimal frei vom Flügel gescheitert, einmal am Innenpfosten, zweimal an Weber. Auch Steffen Kaufmann hatte das 1000. Tor für Rimpar an diesem Abend einfach nicht gelingen wollen. "Wahrscheinlich haben sie es sich beide für das nächste Heimspiel aufgehoben", unkte Klatt, der nur neun Feldspieler einsetzte und die restlichen Angeschlagenen (Gempp, Herth, Backs) allesamt schonte. Youngster Felix Karle wolle er den dramatischen Schlussminuten nicht mehr aussetzen.    

    Der finale Freiwurf für Hüttenberg: Markus Stegefelt überwindet zwar den Block der Rimparer Wölfe, doch Torwart Andreas Wieser lenkt den Ball mit den Fingerspitzen übers Lattenkeuz und sichert seiner Mannschaft den knappen 23:22-Sieg. Foto: Steffen Bär

    Der letzte Wurf für die Wölfe von Brielmeier landete über dem Tor. Für den finalen Angriff blieben den Gastgebern 15 Sekunden - und schließlich ein letzter Freiwurf. Markus Stegefeldt lief an, stieg hoch und zog ab - und  Andreas Wieser lenkte den Ball mit den Fingerspitzen übers Lattenkreuz und rettete den Gästen beide Punkte. "Ich dachte eigentlich, Schulle (Michael Schulz, Anm. d. Red.) blockt den", sagte der Keeper nach seinem 60-Minuten-Einsatz. Wie die Luft da oben auf Platz zwei statt drei nun schmeckt? "Ich würde sagen, noch ein bisschen besser."     

    Jetzt kommt ein Weltmeister nach Würzburg

    Am nächsten Freitag (11. Oktober, 20 Uhr) kommt berühmter Besuch in die Würzburger s.Oliver Arena. Dann empfangen die Wölfe 2007-Weltmeister Michael "Mimi" Kraus und die SG BBM Bietigheim. Von meisterlicher Form ist der Bundesliga-Absteiger in dieser Saison allerdings noch weit entfernt. 

    Die Statistik des Spiels

    Hüttenberg: Plaue (bei einem Siebenmeter), Weber (1.- 60.) - Fuß 1, Sklenak, Belter, Lambrecht 2, Rompf 2, Zörb 1, Fernandes, Stegefelt 7/4, Mubenzem 3, Hübscher, Zintel 4, Klein, Schreiber 2.
    Rimpar: Wieser (1.- 60., 1 Tor), Brustmann (bei einem Siebenmeter) - Schömig 7/5, Böhm 2, Karle (n.e.), Gempp (n.e.), Schmidt, Kaufmann, Siegler 1, Meyer 2, Schulz 3, Backs (n.e.), Brielmeier 3, Herth (n.e.), Sauer  3. 
    Spielfilm: 1:1 (2.), 4:1 (6.), 4:6 (10.), 5:7 (16.), 7:8 (22.), 7:11 (Halbzeit), 8:13 (35.), 10:15 (40.), 12:15 (43.), 16:18 (48.), 16:20 (52.), 17:21 (54.), 20:23 (58.), 22:23 (Endstand).
    Siebenmeter: 4/6 : 5/5.
    Zeitstrafen: 4:4.
    Schiedsrichter: Jan Lier/Manuel Lier (Korntal-Münchingen/St. Gallen).
    Zuschauer: 1160.
     

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