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    HANDBALL: 2. BUNDESLIGA

    Schwarzer Sonntag für die Wölfe

    Die Rimparer Abwehr ist personell geschwächt. Hier gehen (von links) Julian Sauer, Michael Schulz und Lukas Böhm (vorne Steffen Kaufmann, hinten Max Brustmann) unsanft mit Essens Kubaner Rolando Urios Gonzalez um.  Foto: foto2press/Frank Scheuring

    2. Bundesliga, Männer
    DJK Rimpar Wölfe - TuSEM Essen 26:33 (11:17)

    Sowas gibt's vielleicht auch nur in diesem Verein. Nach der bisher höchsten Saisonniederlage standen die Zweitliga-Handballer der DJK Rimpar Wölfe noch mit weißen Rosen in der s.Oliver Arena Spalier. Ihr "Edelfan" Ludwig Ferschke, den alle nur "König Ludwig" nennen, überraschte seine Frau Elisabeth nach zehn Jahren Ehe mit einem neuen Heiratsantrag. Von Torwart Max Brustmann und Linksaußen Dominik Schömig in die s.Oliver Arena geführt, sagte sie ja - und wird nach der damaligen standesamtlichen Trauung nun am 30. Mai 2020 mit ihrem "König" vor den Altar im Käppele treten. 

    Vielleicht hat die Aktion die Sportler ja auf andere Gedanken gebracht, nachdem sie zuvor nicht nur ihr Spiel gegen Spitzenreiter TuSEM Essen mit 26:33 (11:17), sondern auch einen Spieler verloren hatten. Kreisläufer Patrick Gempp, der am Donnerstag beim 26:24-Erfolg über die HSG Konstanz an gleicher Stelle erst sein Comeback nach einer Schulterverletzung gegeben hatte, zog sich an diesem schwarzen Sonntag nach fünf Minuten eine voraussichtlich schwere Verletzung an der Wade zu und kam direkt ins Krankenhaus. Da Philipp Meyer wohl noch länger fehlen wird und sich Lukas Siegler gegen Konstanz eine Muskelzerrung im Hintern zugezogen hat und ebenfalls ausfiel, blieb vom Innenblock nur noch Michael Schulz übrig. So war es "zum einen ein Kraft-, zum anderen aber auch eine Taktik- und Systemfrage“, so Ceven Klatt, die das Duell der besten Abwehr gegen den besten Angriff von vornherein zu einem ungleichen machte. Der DJK-Coach machte auf der Pressekonferenz ein sorgenvolles Gesicht. "Wir müssen uns jetzt was einfallen lassen", sagte er vor der schweren Auswärstaufgabe am nächsten Samstag beim starken Aufsteiger ThSV Eisenach.

    Früher Rückstand vor Saisonrekordkulisse 

    Vor der Saisonrekordkulisse von 2117 Zuschauern, darunter die Bundesliga-Wasserballer des  SV Würzburg 05, die sich bei der Typisierungsaktion im Foyer der Halle als Stammzellenspender registrieren ließen, gerieten die Gastgeber durch einen 0:5-Lauf früh in einen vorentscheidenden Rückstand (3:7, 11.). Da bat Klatt zur ersten Auszeit. Zehn Minuten später nahm er die zweite. Da lag sein Team bereits mit  7:13 hinten.

    Klatt kritisiert Schiedsrichterinnen: "Unterirdische Leistung"

    Es lief nicht rund bei den Rimparern, die auch mit mehreren strittigen Entscheidungen der international erfahrenen Bundesliga-Schiedsrichterinnen haderten. Eine "unterirdische Leistung" warf Klatt den beiden vor: "Sie hat dazu beigetragen, dass es für uns so gelaufen ist, wie es gelaufen ist."

    Sie hat ja gesagt: Ludwig Ferschke, genannt "König Ludwig", heiratet seine Frau Elisabeth nächstes Jahr noch mal, diesmal kirchlich.  Foto: foto2press/Frank Scheuring

    Seine Schützlinge schafften es durch die ständigen Nadelstiche nicht, sich über Emotion in die Begegnung zu beißen. Dadurch, dass die Wechselmöglichkeiten äußerst begrenzt waren, schwanden zusehends auch die Kräfte. So gelangen den Essenern einfache Tore. "Durch eine gute Torhüter-Abwehr-Kombination sind wir gut ins Tempospiel gekommen", sagte TuSEM-Trainer Jaron Siewert, der im nächsten Sommer in die erste Bundesliga aufsteigen und die Verantwortung bei seinem Heimatverein Füchse Berlin übernehmen wird. 

    Essen präsentiert sich abgezockt

    Aus Sicht der Rimparer war die erste Halbzeit dagegen eine ziemlich zerfahrene Sache. Als es beim Stand von 11:17 in die Kabinen ging, glaubten wohl die wenigsten daran, dass den Wölfen die Wende gelingen könnte. Vielleicht noch nicht einmal sie selbst.

    Nach der Pause erhöhte der Traditionsklub von der Margarethenhöhe seinen Vorsprung auf 23:14. Nach 40 Minuten hatte die DJK-Defensive damit schon so viele Gegentreffer kassiert wie sonst im Schnitt nach 60.  Und die beste Offensive hatte nach 50 Minuten so viele Tore geworfen wie sonst durchschnittlich, nämlich 30. "Essen hat das abgezockt heruntergespielt", bilanzierte Rimpars bester Spieler und Werfer Benjamin Herth. Klatt dankte dem Publikum: "Es hat uns fantastisch unterstützt und dazu beigetragen, dass die Niederlage nicht noch deutlicher ausgefallen ist."

    Die Statistik des Spiels

    Rimpar: Brustmann (1.- 26., 43.- 60.), Wieser (bei einem Siebenmeter, 27.- 42.) – Schömig 2/2, Böhm 1, Karle, Gempp, Schmidt 3, Kaufmann 4, Siegler (n.e.), Schulz 4, Backs, Brielmeier 4, Herth 5, Sauer 3.
    Essen: Genz (1. - 44.), Bliss (45.- 60.) - Beyer 8/6, Ellwanger 7, Gonzalez 1, Akakpo, Ridder 2, Müller 1, Firnhaber 2, Seidel, Klingler 3, Kluth 1, Skroblien 3, Zechel 5.
    Spielfilm: 2:2 (4.), 3:7 (11.), 5:10 (16.), 6:12 (19.), 9:13 (24.), 11:17 (Halbzeit), 13:20 (35.), 14:23 (40.), 21:30 (51.), 26:33 (Endstand).
    Siebenmeter: 2/2 : 6/7.
    Zeitstrafen: 2:2.
    Schiedsrichterinnen: Tanja Kuttler/Maike Merz (Oberteuringen/Meckenbeuren).
    Zuschauer: 2117.

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