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    HANDBALL: BEZIRKSOBERLIGA

    Tempohandball an der Weißen Mühle

    Die Frauen der TSG Estenfeld müssen sich dem Spitzenreiter HSV Bergtheim II mit 32:33 geschlagen geben. Warum sie dennoch stolz sein können.
    Antonia Reisinger (Mitte) und die Frauen der TSG Estenfeld kassierten gegen den HSV Bergtheim II (links Nina Thoben, im Tor Rachel Wagner) eine knappe 32:33-Niederlage.  Foto: HMB Media / Volker Danzer

    Bezirksoberliga, Frauen
    TSG Estenfeld – HSV Bergtheim II 32:33 (19:18)

    Die Handball-Frauen der TSG Estenfeld und die Bayernliga-Reserve des HSV Bergtheim haben sich am Samstagnachmittag vor 120 Zuschauern ein mitreißendes Bezirksoberliga-Derby geliefert. Am Ende mussten die aufopferungsvoll kämpfenden Gastgeberinnen eine unglückliche 32:33 (19:18)-Niederlage hinnehmen.

    Das Weißmehl hat der Weißen Mühle unweit der Kürnach ihren Namen gegeben. Es diente einst der Herstellung von Hostien für die umliegenden Klöster und Kirchen. In Betrieb ist die Weiße Mühle längst nicht mehr. Gleich nebenan bewegt sich das Mühlrad hingegen unaufhaltsam – in Form von Handbällen, die ähnlich wie die Schaufeln eines Rades ihren Zweck im Stakkato erfüllen: ins Tornetz zu fliegen. 65 Mal wird dies am Ende des Lokalduells zwischen Estenfeld und Bergtheim II der Fall sein. Bei dieser ungeraden Zahl kann es gemäß der Arithmetik des Sports keine zwei Sieger geben.

    "Ein Unentschieden wäre gerecht gewesen", sagt Michael Burger und fügt an: "Wir hätten das Spiel auch gewinnen können." Estenfelds Trainer wirkt nach dem Ertönen der Schlusssirene so gefasst wie ein erfahrener Müller während einer schief gelaufenen Inspektion. Der Vorteil sei zum Schluss eigentlich auf Seite seines Teams gewesen, sagt der 35-jährige Berufsschullehrer.

    Estenfelds älteste Spielerin ist Anfang 20

    Mit 32:30 führten die Estenfelderinnen zweieinhalb Minuten vor Schluss, nachdem TSG-Linksaußen Emelie Reisinger ihren einzigen Treffer erzielt hatte. "Dann haben wir einige individuelle Fehler gemacht", erklärt Burger: "Unsere Mannschaft ist noch jung." Sehr jung, um genau zu sein. Die älteste Spielerin auf dem Feld, Jana Heiler, ist derzeit Anfang 20. Viele sind gerade erst der Jugend entsprungen.

    Zu Beginn überrannten die jungen Wilden den noch verlustpunktfreien Klassenprimus förmlich, in der zehnten Minute lagen sie mit 8:2 vorne. "Wir haben gewusst, dass wir ein hohes Tempo gehen müssen, weil wir uns im Positionsangriff schwer tun", berichtet Burger. Zudem habe man sich keinen Druck gemacht. "Gegen diese Topmannschaft kann man doch nur gewinnen. So haben wir mit offenem Visier gespielt."

    Das taten nach einer knappen Viertelstunde auch die Bergtheimerinnen. Binnen weniger Minuten holten sie den Rückstand auf. "Die Anfangsphase haben wir total verpennt", gesteht HSV-Trainer Moritz Kreisel. "Dann lief es besser, auch wenn wir uns in der Abwehr weiter Schwächen erlaubt haben." Kurz vor der Pause glichen die Gäste durch ihre überragende Nachwuchsspielerin Hannah Lichtlein erstmals zum 17:17 aus. Nach dem Seitenwechsel zogen sie dreimal auf drei Tore davon. "Dann haben wir uns wieder gefangen", stellt Burger fest: "Es war uns bewusst, dass wir einfach weitermachen müssen, egal wie es steht."

    Zwölf Treffer von Veronica Stamm

    Veronica Stamm schaffte für ihre TSG den 29:29-Ausgleich (53.). Kurz darauf brachte die erst 18-Jährige, die insgesamt zwölfmal aus dem Feld einnetzte, ihr Team sogar wieder in Führung. Doch es reichte nicht. Zehn Sekunden vor dem Ende bekam Bergtheim einen Siebenmeter zugesprochen. Die erfahrene Carolin Pfennig, mehrfache Mutter, ließ sich diese Chance nicht nehmen.

    "Wir waren nach Niederlagen schon sehr viel bedrückter", sagt TSG-Rechtsaußen Anne Melching im Kabinentrakt der Halle an der Weißen Mühle. "Heute haben wir uns überhaupt nichts vorzuwerfen." Auch ihr Trainer findet, dass es für die Zuschauer ein "super attraktives und super spannendes Spiel" gewesen sei. "Das war Werbung für den Damen-Handball", sagt Burger, der in Dipbach wohnt und zuvor die HSG Pleichach trainiert hat.

    Eine bittere Pille mussten die Estenfelderinnen dann aber doch schlucken: Antonia Reisinger verletzte sich bei einer Abwehraktion schwer am Knie (51.). Nach Janina Schaub ist sie die zweite Spielerin, die nun länger auszufallen droht.

    Die Statistik des Spiels

    Estenfeld: Fleder, Spall, L. Reisinger – A. Reisinger 2, Schrooten 3, Dürr, Stamm 12, Schraud 3, Heiler 2, Dutz, E. Reisinger 1, Walter 7/5, Fischer, Melching 2.

    Bergtheim: Hümpfner, Wagner – P. Rösner, Pfennig 9/5, Fröhling 2, Brock, Lichtlein 10, A. Rösner 5, Schömig, Cam, Thoben 5, Weigand, Steigleder 2.

    Spielfilm: 4:1 (5.), 8:2 (11.), 9:3 (13.), 9:7 (16.), 14:11 (21.), 16:16 (28.), 19:18 (Halbzeit), 19:22 (34.), 23:25 (40.), 27:28 (46.), 29:29 (53.), 32:30 (58.), 32:33 (Endstand).

    Siebenmeter: 6/5 : 5/5. Zeitstrafen: 5:2. Rot: Schrooten (60., grobes Foulspiel, Estenfeld). Schiedsrichter: Jonathan Hansen (Waldbüttelbrunn). Zuschauer: 120.

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