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    Fußball: Dritte Liga

    Die Kickers schlagen sich selbst

    Entscheidung in der Nachspielzeit: Großaspachs Jannes Hoffmann trifft gegen die Würzburger Kickers (von links Patrick Breitkreuz, Daniel Hägele und Leon Bätge) zum 2:1-Siegtor. Foto: Frank Scheuring, foto2press

    Diese Niederlage tat weh. Siebenmal waren die Würzburger Kickers in Folge bei Auswärtsspielen unbesiegt geblieben. Die letzte Niederlage auf fremden Plätzen datierte vom 3. November letzten Jahres (1:2 in Karlsruhe). Die Serie endete in der schwäbischen Provinz, in Großaspach, bei einem Team, das derzeit mittendrin steckt im Überlebenskampf in Liga drei. Das 1:2, bei dem alle Treffer in der turbulenten Schlussphase jenseits der 80. Spielminute fielen, war aus Würzburger Sicht freilich völlig überflüssig. Die Rothosen waren in einer Partie, die so holprig verlief, wie es der ramponierte Rasen im Aspacher Stadion bereits im Vorfeld vermuten ließ, das sichtbar stärker besetzte Team gewesen.

    Unterm Strich war dies freilich nichts wert, weil die Rohosen aus ihrer vermeintlichen Überlegenheit kein Kapital schlugen und ihnen die Partie in der zweiten Halbzeit förmlich aus den Händen glitt. Die Konsequenz war ein wildes Hin und Her in der Schlussphase, in der die Hausherren zweimal Würzburger Fehler bei Standardsituationen gnadenlos bestraften. "Nicht kompromisslos" lautete die Umschreibung von Michael Schiele für das Abwehrverhalten seines Teams in den entscheidenden Situationen. Mit Platz vier, der zur DFB-Pokal-Teilnahme berechtigt, brauchen die Kickers so nicht mehr liebäugeln. Im Tableau sind die Würzburger nun erst einmal wieder auf Rang sieben abgerutscht

    Doch erst einmal der Reihe nach. Denn Schiele musste beim Gastspiel in Großaspach auf seinen Kapitän verzichten. Sebastian Schuppan hatte sich einen grippalen Infekt eingefangen. Für ihn rückte Ibrahim Hajtic in die Startelf. Eine, das muss man so formulieren, deutlich sichtbare Schwächung. Die Spieleröffnung aus der Abwehr heraus erwies sich in der ersten Halbzeit als Schwachstelle. Immer wieder versuchten die Kickers - womöglich auch wegen des schwer bespiebaren Platzes- den Ball durch lange Schläge von Torhüter Leon Bätge in die gegnerischen Hälfte zu bringen. Ein wirklicher Spielfluss kam so nicht auf, obgleich Schiele die Mittelfeldzentrale mit einer Aufstellung gestärkt hatte. Weil auch Angreifer Orhan Ademi nicht mittun konnte, setzte Schiele auf Patrick Breitkreuz als Solo-Stürmer. Dahinter sollten wie beim 1:1 in Meppen Dave Gnaase, Janik Bachmann und Patrick Sontheimer als Trio das Spiel ankurbeln. Fabio Kaufmann und Caniggia Elva sollten indes von den Flügeln in den Strafraum stoßen. So zumindest der Plan. 

    Und wer weiß - womöglich hätte sich die Partie mit eine frühen Führung im Rücken auch ganz anders gestaltet. Nachdem sich Elva im Zweikampf geschickt durchgesetzt und Linksverteidiger Peter Kurzweg gut geflankt hatte, traf Breitkreuz per Kopf die Latte (14.). Es war die aufregendste Aktion einer ersten Spielhälfte, die spielerisch auf beiden Seiten viel Luft nach oben ließ.

    "Wir haben einer spielstarken Mannschaft wie Würzburg einen großen Fight geliefert", fasste Großaspachs Trainer Florian Schnorrenberg die Partie am Ende zusammen. Womit die Herangehensweise der Hausherren schon ganz gut beschrieben ist. Die SG bemühte sich zuvorderst, die Bemühungen der Kickers möglichst effektiv zu stören. Ein Plan der zu Beginn der zweiten Spielhälfte immer weniger aufzugehen schien. Die Würzburger waren nun deutlich überlegen und spätestens als Elva, Würzburgs auffälligster Offensivakteur, mit einem regelrechten Kracher aus der Distanz den Pfosten des Heim-Tores traf, war das 0:0 für die Hausherren ein glückliches Zwischenergebnis.  

    Die Führung für die Kickers schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Doch plötzlich konnte man zuschauen, wie den Rothosen die Spielkontolle nach und nach abhanden kam. Schiele wollte etwas wagen, holte mit Gnaase (60.) und Sontheimer (66.) zwei zentrale Spieler vom Platz, wechselte mit Dominic Baumann und Simon Skarlatidis zwei Akteure ein, die für zusätzliche Wucht in der Offensive sorgen sollten. Tatsächlich tat sich fortan ein Loch im zentralen Mittelfeld auf. Großaspach wurde in dieser Phase der Partie unübersehbar stärker. "Eine Einschläfertaktik" bescheinigte Kickers-Ersatzkapitän Daniel Hägele, bis zum Sommer selbst sieben Jahre in Großaspach aktiv, dem Gegner: "Wir hatten aber nie Angst vor einem Gegentor, weil wir hinten gut standen."

    Wirklich gefährlich wurde es vor dem Kickers-Kasten tatsächlich bis in die Schlussphase hinein nicht. Dann aber lag der Ball urplötzlich im Netz. Auch Trainer Michael Schiele fand den von Patrick Göbel mit einem Handspiel verursachten Freistoß unnötig. Zlato Janjic schlug den Ball in den Kickers-Strafraum, der Ball strich an Freund und Feind vorbei. Keeper Bätge wirkte leicht verdutzt, das Spielgerät prallte an den Pfosten von dort an den Rücken des am Boden liegenden Kickers-Keepers und schließlich in den Kasten. Eine unglückliche Aktion des Torhüters, den Hägele freilich gleich in Schutz nahm: "Für ihn war es schwer. Direkt vor ihm stand beim Freistoß noch ein Gegenspieler. Er hat wohl damit gerechnet, das der noch den Ball touchiert."

    Das Aspacher 1:0 in der 82. Minute war der Startschuss für eine turbulente Schlussphase, in der die Kickers noch einmal zum Ausgleich kamen: Bachmann drosch den Ball nach guter Vorarbeit von Skarlatidis mit Schmackes ins Tor. So richtig jubeln wollten die Kickers über das 1:1 in der 87. Minute aber nicht. Die Rothosen wollten mehr und verloren am Ende sogar noch den einen Punkt.

    "Das darf nicht passieren", sagte Hägele zur entscheidenden Situation. Wieder war ein ruhender Ball vorausgegangen. Zuerst hatte Bätge nämlich noch einen Janjic-Freistoß mit den Fingerspitzen zur Ecke geklärt. Als er Ball dann in die Mitte flog, stand der eingewechselte Jannes Hoffmann am langen Pfosten unerklärlich ungedeckt. Sein Schuss ging - zu allem Überfluss - dem bemitleidenswerten Bätge auch noch direkt durch die Beine mitten ins Würzburger Tor (90.+1). Es war in Wirkungstreffer in einem Spiel, in dem die Kickers sich die Niederlage am Ende selbst zuschreiben mussten.  

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