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    FUSSBALL: Dritte Liga

    Wo die Probleme der Kickers liegen

    Enttäuschung bei Stürmer Orhan Ademi nach einer der vergebenen Kickers-Chancen. Foto: Frank Scheuring

    Es gab keine Pfiffe. Die wären nun auch nicht angebracht gewesen, nach dem achten Drittligaspiel hintereinander ohne Niederlage. Aber ein Grummeln, oder nennen wir es, ein leises Murren lag dann doch in der Würzburger Abendluft nach dem leistungsgerechten 0:0 der Kickers gegen die SG Sonnenhof Großaspach. Nach einem Fußballspiel, das nicht das gehalten hatte, was sich das Publikum davon versprochen hatte.

    Schiele: "Wir jammern auf hohem Niveau"

    „Wir jammern auf hohem Niveau“, sagte Kickers-Trainer Michael Schiele, als er in seiner Analyse des tor- und bisweilen auch recht trostlosen Kicks feststellte: „Wir hatten schon Lösungen für dieses Spiel. Nur sind sie diesmal nicht zum Tragen gekommen.“ Am Ende gehen die Pläne eines Trainers eben doch nicht immer auf, bringen Einwechslungen nicht jedes Mal den erhofften Schwung. Auch er habe sich mehr erwartet, so Schiele und doch sei es am Ende richtig gewesen, das Risiko zu suchen und dafür auch die Kontrolle über das Spiel ein Stück weit abzugeben. Dass am Schluss auch die in der Tabelle auf dem drittletzten Rang verharrenden Gäste aus dem Schwabenland ihre Siegchancen hatten – geschenkt!

    Kein Sieg gegen Kellerkinder

    Beim bloßen Blick aufs Tableau kann man vor der nun folgenden Drittliga-Pause wegen der Länderspiele feststellen, dass sich die Rothosen gegen die Kellerkinder der Liga besonders schwer tun: Braunschweig, Aalen und eben Großaspach stehen ganz hinten – gegen keinen dieser Gegner gab es einen Dreier. Eine Tatsache, die für Kickers-Rechtsaußen Patrick Göbel aber rein gar nichts aussagt, außer: „In dieser Liga ist es egal, ob du gegen den Ersten oder den Letzten spielst. Da sind alle so eng beieinander.“

    Und in welche Richtung die Gedanken von Trainer Schiele nach der Partie gingen, war auch interessant: „Man muss es auch so sehen: Großaspach hätte den Rückstand auf uns bis auf vier Punkte verkürzen können. Jetzt sind es noch immer sieben Punkte. Wir hätten gerne die 20 Punkte voll gemacht, aber wir stehen noch immer gut da.“

    Hat man im Umfeld der Rothosen in den vergangenen Wochen etwa schon zu früh den Blick in Richtung Tabellenspitze gerichtet? Am Ende scheint, auch wenn die Würzburger in den letzten vier Partien lediglich sechs von zwölf möglichen Punkten holten, schon noch Luft nach oben zu sein. „Wir haben, wenn man sich unsere Spiele anschaut, jeden einzelnen Zähler verdient. Da war kein Zufall dabei“, stellte Göbel fest. Und vielleicht fühlen sich die Kickers in der derzeitigen Rolle ja auch ganz wohl. „Wir sind jetzt nicht die Gejagten“, so Trainer Schiele. Am übernächsten Sonntag treten die Würzburger als Fünfter beim Dritten in Münster an. Die nächste Reifeprüfung für das Team.

    In Zeiten der intensiven Videoanalyse, in der Schwächen und Stärken jeder Mannschaft wie in offenes Buch daliegen, gleicht der Fußball immer mehr einem Schachspiel. Da spielen die Kickers einige Wochen attraktiv und erfolgreich und schon haben die Ligarivalen ein effektives Gegenkonzept entwickelt, auf das nun Schiele und sein Team wieder nach einer neuen Antwort suchen müssen. Die Großaspacher hatten die Würzburger schon ganz früh beim Spielaufbau mit aggressivem Zweikampfverhalten gepiesackt und am Ende auch empfindlich gestört. „Das wird noch öfter vorkommen“, stellte Schiele fest. Am Ende habe seinem Team auch die Passsicherheit im Mittelfeld gefehlt: „Wir hatten keine Ruhe am Ball.“

    Dass all dies am Ende nicht noch zu einer Niederlage führte, lag auch an den Paraden von Leon Bätge. Der Torhüter rettete bei seinem nun schon dritten Einsatz in Vertretung des verletzten Patrick Drewes erneut mehrfach in brenzligen Situationen und dürfte mit seiner Leistung dem Trainer während kommenden Tage einiges Kopfzerbrechen bereiten. Es wird nicht leicht sein, Bätge zu erklären, warum er fortan wieder mit einem Bankplatz zufrieden sein soll.

    Mögliche Torwartdiskussion als Luxusproblem

    Allzu hoch will man bei den Kickers die Torwart-Diskussion – angesichts von Drewes' guten Leistungen vor seiner Verletzung ohnehin ein Luxus-Problemchen - nicht hängen. Bätge war am Montag gewiss einer der besten Kickers-Akteure. Durch die Gesichtsmaske, die er nach seinem Nasenbeinbruch tragen musste, war er ohnehin die auffälligste Erscheinung auf dem Feld. Zu den Auserwählten, die zum Gespräch mit den Pressevertretern nach der Partie geschickt wurden, gehörte der Keeper nicht.

     

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