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    Fußball: Dritte Liga

    Trainieren auch die Kickers bald wieder auf dem Platz?

    Drei von fünf bayerischen Drittligisten dürfen in kleinen Gruppen zusammen üben? Die Genehmigungen erteilen lokale Behörden.
    Training auf dem Platz: Heutzutage müssten die Kickers-Akteure Daniel Hägele(links) und Sebastian Schuppan freilich anderthalb Meter Abstand halten.
    Training auf dem Platz: Heutzutage müssten die Kickers-Akteure Daniel Hägele(links) und Sebastian Schuppan freilich anderthalb Meter Abstand halten. Foto: Frank Scheuring

    Auch wenn in Deutschlands dritthöchster Fußballliga Stillstand herrscht: Das Leben geht bei den Würzburger Kickers in Zeiten der Corona-Krise weiter, auch mit seinen schönen Seiten. Es war am 20. März, als Daniel Hägele zum zweiten Mal Vater geworden ist. "Bei der Geburt hört man Geräusche, da vergisst man, was drumherum gerade los ist", erzählt er. Töchterchen Mia kam zur Welt. "Es geht uns gut", sagt der  31-jährige Fußball-Profi nun zweieinhalb Wochen später.

    Auch wenn der Alltag bei Hägeles ein anderer geworden ist. "Es wird nie langweilig", sagt er. Denn neben Mia buhlt auch noch die anderthalbjährige Schwester Lia um die Aufmerksamkeit der Eltern. Da ist es nicht einfach sein Trainingspensum in den eigenen vier Wänden abzuspulen. Das Programm ist streng vorgegeben. Einen Puffer von zweieinhalb Stunden haben die Würzburger Drittliga-Kicker, um die aufgegebenen Vormittags- und Nachmittagseinheiten zu absolvieren. Kontrolliert wird das Ganze mittels moderner Technik. "Es gibt Leute, die trifft die derzeitige Situation viel härter", betont Hägele. Aber das tägliche Training mit dem Ball fehlt dem Würzburger Vize-Kapitän, der vor der Zwangspause gerade von einer hartnäckigen Muskelverletzung in der Wade genesen war.

    Auch Unterhaching trainiert wieder

    Nun lässt sich gewiss darüber streiten, ob ein Training auf dem Platz mit Ball in kleinen Gruppen, einzelnen Klubs einen entscheidenden Vorteil bringt, sollte die Saison tatsächlich wieder gestartet werden. Fest steht aber, dass drei von fünf bayerischen Drittligisten inzwischen unter strengen Auflagen solche Einheiten abhalten: 1860 München, die U23 des FC Bayern München und seit Dienstag auch die SpVgg Unterhaching. Die bayerischen Erst- und Zweitligisten trainieren ohnehin bereits in Kleingruppen auf dem Feld auf einen Saison-Neustart hin. Und das obwohl im Freistaat alle Sportstätten eigentlich bis mindestens 19. April geschlossen sind. Zuständig für die Ausnahmen sind die lokalen Behörden. In Augsburg hatte das Ordnungsamt in Absprache mit dem Gesundheitsamt den Erstliga-Kickern das Training unter Auflagen erlaubt.

    Im Stand-by-Modus

    Und in Würzburg? Auch die Kickers würden, wenn es denn erlaubt wäre, wieder auf dem Rasen trainieren. Die Regelungen sind aber innerhalb Bayerns unterschiedlich. „Selbstverständlich haben wir uns auf alle möglichen Szenarien vorbereitet, die wir auch mit dem Trainer-Team durchgespielt haben. Wir sind im ´Stand-by-Modus´, was die reguläre Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs betrifft. Nicht nur wir würden uns wünschen, so schnell wie möglich wieder in den Normalzustand zurückkehren zu dürfen", erklärt Kickers-Vorstandsvoritzender Daniel Sauer schriftlich auf Anfrage.

    Wann darf Kickers-Vize-Kapitän Daniel Hägele (vorne) wieder auf den Trainingsplatz? Trainer Michael Schiele, Vorstandsvorsitzender Daniel Sauer, sowie Assitenztrainer Philipp Eckart und Rainer Zietsch sind bereits im 'Stand-by-Modus'
    Wann darf Kickers-Vize-Kapitän Daniel Hägele (vorne) wieder auf den Trainingsplatz? Trainer Michael Schiele, Vorstandsvorsitzender Daniel Sauer, sowie Assitenztrainer Philipp Eckart und Rainer Zietsch sind bereits im "Stand-by-Modus" Foto: Frank Scheuring

    Anders als in erster und zweiter Bundesliga, wo die Klubs eine Fortführung der Saison mit Spielen ohne Publikum anstreben, gibt es unter den Drittligisten allerdings keine Einigkeit, ob die Saison fortgesetzt werden soll. Auch wenn laut "Bild"-Zeitung bereits in Termine für mögliche Relegationsspiele zwischen dem Drittliga-Dritten und dem Zweitliga-16. feststehen: den 26. und 30. Juni.

    Drei Ost-Vereine fordern Saisonabbruch

    Von der von Kickers-Chef Sauer beschworenen Solidarität unter den Klubs war zuletzt nur wenig zu spüren. Mit einer Stimme sprachen die Drittligisten nicht. So bezogen mit dem FSV Zwickau, Carl-Zeiss Jena und dem Halleschen FC drei Vereine ganz deutlich Position für einen Saisonabbruch. Andere wie der MSV Duisburg oder der FC Ingolstdt könnten sich auch eine fortgesetzte Saison mit Geisterspielen vorstellen. Im Umfeld des 1. FC Kaiserslautern machte indes das Wort "Planinsolvenz" die Runde. Schließlich hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) angekündigt, aufgrund der Corona-Krise, im Falle Insolvenz dem betroffenen Klub nicht wie sonst üblich neun Punkte abzuziehen. Für manchen Verein womöglich eine willkommene Chance finanzielle Altlasten im richtigen Moment los zu werden. 

    Auch wenn also längst noch nicht geklärt ist, wie es in der Dritten Liga wirklich weitergeht, trainiert man bei den Kickers auf einen Saison-Neustart im Mai hin. Bald auch auf dem Feld? „Wir kommen unseren Pflichten als Verein nach, gehen – vor allem in Würzburg – mit der nötigen Sensibilität an die Situation heran. Nachdem andere Vereine bereits den Trainingsbetrieb in Kleingruppen wieder aufgenommen haben, wäre es fahrlässig unsererseits, wenn wir uns nicht auch damit beschäftigen und nachgehen würden. Deshalb haben wir als Verein im Vorfeld dazu eine Anfrage gestellt und befinden uns in Abstimmung mit den Behörden. Das Wichtigste ist, dass wir uns an alle möglichen gesundheitlichen Vorschriften halten", erklärt Kickers-Vorstandschef Sauer schriftlich.

    Training mit 1,50 Metern Abstand

    In Unterhaching dürfen die Drittliga-Kicker seit diesem Dienstag in Gruppen mit höchstens vier Akteuren trainieren. Dabei soll ein Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden, Duchen auf dem Trainingsgelände ist nicht erlaubt. So schreibt es die Spielvereinigung selbst auf ihrer Internetseite. In kleinen Schritten soll es da also wieder in Richtung Trainingsalltag gehen. Und was denkt der Familienvater Daniel Hägele in Würzburg über einen möglichen Saison-Neustart:"Vor vier Wochen konnte sich bei uns keiner Dinge wie Geisterspiele vorstellen. Heute ist das anders." Das Leben geht weiter - auf und neben dem Platz.

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