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    Fußball: Bezirksliga

    Warum sich Erlenbach aus der Bezirksliga zurückgezogen hat

    Spielermangel, steigende Kosten und zunehmende Bürokratie. Was Verantwortliche des Klubs als Gründe für die Abmeldung nennen, dürfte vielen Vereinen bekannt vorkommen.
    Im Juli 2017 spielte der SV Erlenbach/Main noch in der Bayernliga Nord. Dieses Bild entstand bei der Begegnung mit dem Würzburger FV. Foto: Heiko Becker

    Am vergangenen Wochenende hat der SV Erlenbach/Main seine Fußball-Mannschaft aus der Bezirksliga West zurückgezogen, jetzt hat sich der Verein aus dem Landkreis Miltenberg auf seiner Homepage ausführlich zu den Gründen geäußert. "1oo Jahre nach seiner Vereinsgründung beschließt der SV Erlenbach die sportlichen Zielsetzungen neu auszurichten und mit der Abmeldung der Ersten Mannschaft vom aktiven Spielbetrieb ein selbstbewusstes Zeichen auch in die ganze Region zu setzen." So beginnt die Nachricht von Teamleiter Erich Czermin. Die Jugendarbeit, früher Aushängeschild des Vereins, solle wieder in den Mittelpunkt rücken und dem "bezahlten Amateur-Fußball bis hin in die untersten Spielklassen eine klare Absage" erteilt werden. Der Klub vom Untermain macht keinen Hehl daraus, dass ihn der regionale Spitzenfußball in den vergangenen vier Jahrzehnte finanziell ge- und personell überfordert habe.

    Nach unten durchgereicht

    Noch vor nicht allzu langer Zeit waren die Kicker des SVE in der Bayernliga angetreten, wurden aber schließlich von Liga zu Liga nach unten durchgereicht. Das schien sich auch in dieser Runde so fortzusetzen, denn das Team rangierte mit nur einem Punkt und einem Torverhältnis von 8:56 auf dem letzten Platz der Bezirksliga West. Hinzu kamen laut Pressemitteilung Probleme, "die in vergleichbar ausgeprägter Weise viel Vereine" treffen, allen voran der Spielermangel.

    Dieser ergebe sich auch daraus, dass immer mehr Spieler Studenten seien, die nach einigen Monaten oder Jahren wieder wegziehen würden, Ortsbindung und Vereinsidentifikation würden sinken – dafür die finanzielle Herausforderung wachsen. Die Liste der Erlenbacher geht noch weiter: "präferieren alternativer Freizeitmöglichkeiten, Mitglieder- und Helferschwund, wachsende Verbandsbürokratie, (...) zunehmende Gewalt sowie stetig zunehmend fehlender Respekt gegenüber Vereinen, Ehrenamtsträgern und Schiedsrichtern." Wer es da an Respekt fehlen lässt, darauf gehen die Verantwortlichen nicht ein, sie beklagen aber auch folgendes: "Selbst in den untersten Spielklassen scheint es nur noch ,mit Geld' zu gehen, die emotionale Bindung an die Vereine scheint in vielen Fällen noch geringer zu sein, als dies bei Profivereinen üblich ist." So habe der SV Erlenbach nach den vergangenen beiden Abstiegen jeweils eine komplett neue Mannschaft zusammenstellen müssen: "Der Aufwand hierfür war allerdings enorm und hat das ehrenamtlich leistbare Zeitlimit mehr als überschritten. Trotzdem bleiben sportliche Leistungen und Zuverlässigkeit einzelner Spieler deutlich hinter den Erwartungen zurück. Eine allgemeine Trendwende ist nicht absehbar."

    Die gespielten Begegnungen in der Bezirksliga West wurden aus der Wertung genommen, die jeweiligen Gegner des SV Erlenbach/Main bleiben spielfrei. Auch in die Tabelle auf der Verbands-Homepage ist der Rückzug bereits eingegangen: Dort steht der SV Erlenbach/Main mit nunmehr null Punkten als erster Absteiger auf dem letzten Platz.

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