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    Fußball: Toto-Pokal

    Warum sich in den Kickers-Jubel Wehmut mischt

    Jubel, Trubel Heiterkeit. Das Kickers-Team mit (hinten von links) Co-Trainer Dennis Schmitt, Peter Kurzweg, Patrick Drewes, Trainer Michael Schiele, Leon Bätge und Torwarttrainer Robert Wulnikowski, (Mitte von links) Patrick Breitkreuz, Patrick Göbel, Eric Verstappen, Caniggia Elva, Patrick Sontheimer, Dominik Meisel, Janik Bachmann, Onur Ünlücifci, Nico Stephan und Leonhard Langhans sowie (vorne von links) Fabio Kaufmann, Simon Skarlatidis, Dave Gnaase, Hendrik Hansen, Orhan Ademi, Sebastian Schuppan und Dominic Baumann. Foto: Frank Scheuring, foto2press

    Sebastian Schuppan trug den Pott unterm Arm. "Ich hätte nicht gedacht, dass das so ein großes Ding ist", sagte der Kapitän der Würzburger Kickers nach dem 3:0-Triumph des Drittligisten im Finale des Toto-Pokal-Wettbewerbs. Gastgeber Viktoria Aschaffenburg war am Ende schon noch eine letzte Hürde gewesen, aber eine, die die Kickers problemlos überspringen konnten. Der Regionalligist war bei allem Bemühen zu harmlos geblieben, um die Rothosen wirklich zu gefährden. Trotzdem war es tatsächlich noch einmal ein großes Ding, dieser Pokalsieg am Saisonende. Das zeigte schon der ausgelassene Jubel der gut 2000 mitgereisten Fans. "Wir haben schon unter der Woche gemerkt, dass die Leute erwarten, dass wir das schaffen", so Schuppan, und gerade die vermeintlich leichten Aufgaben seien sehr anspruchsvoll: "Jetzt sieht das im Nachhinein so leicht aus. Aber gerade so ein Spiel ist am Ende besonders schwer."

    Dass mit dem nach Halle abwandernden Patrick Göbel ein Spieler in seinem letzten Spiel für die Rothosen entscheidenden Anteil am Sieg hatte, war dann auch irgendwie bezeichnend für jene Partie, die der Endpunkt für eine Mannschaft ist, die mit fortlaufender Saison immer besser wurde. Göbel hatte Daniel Hägeles Kopfballtreffer zum 1:0 mit einer guten Ecke vorbereitet und das 2:0 selbst erzielt. Orhan Ademi, ein Akteur, dessen Fortgang noch nicht bestätigt ist, aber doch immer wahrscheinlicher wird, legte mit Schlusspfiff das 3:0 nach. Die Kickers, die in der Winterpause nur drei Punkte von einem Abstiegsrang entfernt waren, weisen in der Liga die drittbeste Rückrunden-Bilanz aller Klubs auf. Im Pokal gab es heuer zwei 3:0-Siege im Halbfinale beim Liga-Rivalen Unterhaching und nun eben in Aschaffenburg. Vergessen all die Schwächen im Herbst und die 1:3-Pokal-Niederlage beim FC 05 Schweinfurt, die das Ausscheiden bedeutet hätte, wenn der Regionalligist wie vorgeschrieben vier statt nur drei U-23-Akteure auf dem Aufstellungsbogen gehabt hätte. "Danke, Schweinfurt", sagte Schuppan, während er den Pokal zärtlich im Arm hielt.

    Es war nicht nur die pure Freude, eher der abgefallene Druck, die Erleichterung, die bei den Kickers zu spüren war. Zweimal in Folge Fünfter in der Liga, nun die DFB-Pokal-Teilnahme in der Tasche, was nicht nur für die Kasse, sondern auch fürs Renommee sehr wichtig ist, wie Vorstandsvorsitzender Daniel Sauer erklärt. Da könnte man doch mal in der Siegerlaune höhere Ziele für die neue Saison ausgeben. Doch von forschen Tönen oder gar zügelloser Begeisterung war nichts zu spüren am Samstag am Aschaffenburger Schönbusch, der mit seinen 6033 Besuchern einen klasse Rahmen für dieses Endspiel geboten hatte. Wehmut mischte sich in den rot-weißen Jubel. Es war das letzte große Ding dieser Mannschaft. Bei den Kickers wird sich auch in dieser Sommerpause wieder vieles verändern.

    "Es tut weh, wenn der ein oder andere Spieler geht", sagte Kickers-Trainer Michael Schiele. Bei allen sportlichen Erfolgen, im Vertragspoker der letzten Wochen sind den Würzburgern offenbar die Grenzen aufgezeigt worden. Man werde, so Sauer am Sonntag, die Abgänge nicht im Voraus verabschieden, sondern abwarten, bis die Spieler bei ihren neuen Klubs vorgestellt werden. "Auf manchen Positionen tut eine Blutauffrischung gut. Bei anderen Spielern ist man schon traurig, wenn sie gehen", so Sauer.

    Dass Angreifer Ademi oder auch Mittelfeldspieler Simon Skarlatidis weiter für die Kickers spielen, glaubt angesichts solcher Aussagen wohl kaum noch jemand. "Das ist halt der Lauf der Dinge", sagt Sauer zu Abgängen. Und Schiele verwies nach der Partie in Aschaffenburg darauf, dass es eben Drittligisten gäbe, die deutlich mehr Geld zur Verfügung hätten als die Kickers. Die Rothosen müssten sich in der Liga eben "als kleiner Verein hinter den Großen, etablierten Traditionsklubs" einordnen, sagt Sauer. Was freilich nicht bedeute, dass man sportlich kleinbeigebe. "Natürlich ist es auch in der nächsten Saison unser Ziel, möglichst lange oben dabei zu sein."

    Schiele wird in der Vorbereitung wieder an einem neuen Team formen müssen. "Nach und nach" werde man in dieser  Woche auch über die eigenen Personalplanungen berichten und Neuzugänge vorstellen, so Sauer. Der Trainingsstart war für 18. Juni geplant, könnte als Belohnung für den Pokalsieg, so kündigte es Trainer Schiele an, auch ein, zwei Tage nach hinten verlegt werden. "Die Dritte Liga wird noch einmal härter", ist Sauer überzeugt: "Einige Vereine investieren richtig viel."

    Aber noch ist das Zukunftsmusik. Als Kapitän Schuppan den Pokal an sich drückte, schepperte aus der Kickers-Kabine Partymusik. "Wir haben ein gutes Gerüst", ist der 32-Jährige überzeugt. Und wen wünscht sich der Spielführer nun als Gegner in der ersten DFB-Pokal-Runde, die am 15. Juni in der ARD-Sportschau ausgelost wird: "Einen machbaren Gegner. Jedenfalls lieber als die Bayern, gegen die du nur die Mütze voll kriegst."

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