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    Würzburg

    Wenn die Generalprobe in die Hose geht

    Wenn die Generalprobe in die Hose geht
    Die zwei erfolgreichsten Werfer der Begegnung: Oldenburgs Legende Rickey Paulding (links), der 28 Punkte erzielte, und Würzburgs Devin Oliver, der 23 Zähler markierte. Foto: EIBNER/Remmers

    Für Freunde des Theaters ist das zwar eine ziemliche Binse, aber die verirren sich ja vermutlich eher seltener in die Rubrik Sport (zumal, wenn es nicht um Fußball geht): Eine schlechte und bestenfalls pannenreiche Generalprobe ist das beste Omen für die Premiere. Und umgekehrt. Eine gelungene, im schlechtesten Falle also perfekte Generalprobe lässt alle Beteiligten schaudern und argwöhnen, was denn für Unheil passieren möge am Premierenabend. Insofern hat Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg am Karsamstag alles richtig gemacht vor seinem ersten Europapokalfinale der Vereinsgeschichte. Und verloren. Mit 93:109 (47:59) beim Tabellenzweiten EWE Baskets Oldenburg.

    So viele oder gar noch mehr Punkte haben sie erst dreimal geworfen in dieser Runde - aber so viele kassiert haben sie noch nicht in dieser Spielzeit. Entsprechend unzufrieden war Baskets-Trainer Denis Wucherer mit dem Defensivverhalten der Seinen.

    Auch wenn Oldenburg zweifellos eine der offensivstärksten Mannschaften der Klasse ist - was Wucherer ein wenig Bauchschmerzen bereiten dürfte, ist die Tatsache, dass Oldenburg ähnlich spielt wie Europe-Cup-Finalgegner Dinamo Basket Sassari, der am Mittwoch auf Sardinien die Würzburger erwartet. Die Ähnlichkeit der Spielanlage von den Niedersachsen und den Italienern hatte Wucherer bereits im Vorfeld angemerkt.

    Mahalbasics Aufregung

    "Wir hätten mehr Energie in der Verteidigung nötig gehabt, um eine Chance auf den Erfolg zu haben" analysierte der Trainer treffend. "In der entscheidenden Phase hat Rickey Paulding übernommen, hat insgesamt sieben von zehn Dreiern getroffen, obwohl die sehr schwer waren." Letztlich versemmelt haben die Baskets ihr 29. Saisonspiel  bereits im ersten Viertel, das sie mit 19:30 verloren (und den finalen Abschnitt dann noch mal mit 19:29). Und dabei recht wenig Land sahen, vor allem unterm eigenen Korb.

    "Ich habe die letzte Auszeit genommen, damit Rasid die Chance auf diese verdiente Marke hat."
    Mladen Drijencic, Trainer Oldenburgs

    Da war es dann auch nicht mehr als eine Randnotiz, dass sich der österreichische Nationalspieler Rasid Mahalbasic nach der Partie über eine Geste der Würzburger echauffierte, die vermutlich gar nicht ihm galt. Zehn Punkte hatte der 28-Jährige geworfen, zehn Rebounds sich geschnappt, und zu seinem zweiten (üblicherweise sehr seltenen) Triple-Double dieser Saison fehlte ihm noch eine Vorlage. Weil Oldenburgs Trainer Mladen Drijencic dann Sekunden vor Ertönen der Schlusssirene dieser längst entschiedenen Partie noch eine Auszeit nahm, verzichteten die Würzburger im Anschluss auf eine Verteidigung. Mahalbasic konnte seine zehnte Vorlage verteilen - und regte sich anschließend darüber auf, dass ihm die geschenkt wurde. "Viele Jahre gab es kein Triple-Double, Rasid hat es zum zweiten Mal in einer Saison geschafft. Ich habe die letzte Auszeit genommen, damit Rasid die Chance auf diese verdiente Marke hat", begründete Drijencic seine ungewöhnliche Maßnahme.

    Wucherer verzichtete in Oldenburg auf die Dienste seines mit im Schnitt knapp 13 Punkten besten Schützen und gönnte dem unlängst zum zweiten Male Vater gewordenen Jordan Hulls eine Pause. "Ihn habe ich heute im Hinblick auf das europäische Finale geschont, weil er zuletzt müde war", sagte Wucherer, der bestimmt darauf hofft, dass sein vor allem aus der Distanz so zielsicherer Aufbauspieler sein Visier für Mittwoch ordentlich justiert.

    Das schwierige Restprogramm

    Durch die Niederlage und den zeitgleichen Verlängerungserfolg Braunschweigs gegen Kellerkind Bremerhaven sind die Baskets jetzt auch erstmal aus den Play-off-Rängen gefallen, weil sie den direkten Vergleich mit den Niedersachsen verloren haben. Und das Restprogramm sorgt bei den Anhängern der Würzburger auch nicht zwingend für Euphorie: Nächsten Samstag kommt Überraschungsaufsteiger Vechta an den Main, dann geht's nach Berlin (5. Mai) und Bayreuth (7.5.), ehe Bonn kommt (10.5.) und das Hauptrundenfinale in Bamberg steigt (12.5.). Bis auf Bayreuth alles Mannschaften, die vor den Baskets stehen, und um die Wahrscheinlichkeit zu steigern, die Saison zumindest mit dem Play-off-Viertelfinale zu verlängern, bräuchte es neben Siegen gegen Bonn und die Wagner-Städter vermutlich schon noch mindestens einen kleinen Überraschungserfolg.

    Theatermenschen spucken sich vor der Aufführung angeblich auch gerne dreimal über die Schulter, soll Glück bringen. In diesem Sinne: Toi-toi-toi.

     

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