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    Basketball: Bundesliga Männer

    Wie Dru Joyce die Baskets zu einem großen Sieg führte

    Führte die Würzburger Baskets zum Sieg: Kapitän Dru Joyce war der überragende Mann auf dem Oldenburger Parkett (links Brian Qvale). Foto: Heiko Becker

    Es konnte ihnen natürlich egal sein, dass die Oldenburger zuletzt vermutlich kaum noch trainieren konnten, weil sie so oft spielen mussten – schließlich steht ihnen in den nächsten Tagen Selbiges bevor. Es konnte ihnen auch schnuppe sein, dass die Gastgeber mit dem einst auch in Würzburg tätigen US-Amerikaner Chris Kramer wegen dessen Verletzung auf eine wichtige (Defensiv-)Stütze verzichten mussten – schließlich fehlte ihnen mit dem gleichfalls maladen Maurice Stuckey auch einer ihrer Zuverlässigsten, der regelmäßig vom Sprungball an auf dem Parkett steht. Und das Lamentieren von manchem Donnervogel über die Schiedsrichter muss ihnen schnurz sein, weil strittige Entscheidungen systemimmanent sind und die Urteile für und gegen einen sich in jeder Sportart immer die Waage halten im Laufe einer Spielzeit.

    Was unterm Strich bleibt von dem Ausflug der Würzburger ins norddeutsche Tiefland am dritten Advent ist: „Ein großer Sieg.“ So nannte Douglas Spradley den dank eines leidenschaftlichen Auftritts hochverdienten 82:75-Erfolg seiner s.Oliver Baskets beim aktuellen Pokalsieger EWE Baskets Oldenburg, der bis zu diesem Sonntag in dieser Saison noch jedes Heimspiel gewonnen hatte.

    Sehr lange auf dem Parkett

    Spradley neigt in seinen Analysen üblicherweise nicht zu unangebrachtem Pathos oder übertriebener Lobhudelei – umso mehr sagt es aus, wenn er am Sonntagabend erst ein „Riesenkompliment“ an seine Mannschaft verteilte und dann meinte: „Heute bin ich ein sehr stolzer Trainer.“ Bestimmt auch deshalb, weil seine Mannen in der mit über 5500 Menschen gefüllten EWE-Arena aufopferungsvoll zusammenhielten. Alle aus der Starting Five trafen zweistellig, und Joyce (20), Tuttle (13), Lane (17), Ulmer (16) und Long (13) mussten dafür auch ordentlich ackern, weil Spradley sie ungewohnt lange auf dem Parkett ließ. Seinem Kapitän Dru Joyce gönnte er gar keine Sekunde Verschnaufpause. Der überragende Mann des Abends beendete seine Akkordschicht dann vorzeitig eigenständig – wegen seines fünften Fouls musste er zwei Minuten und drei Sekunden vor Ultimo runter vom Feld.

    In der Zeit zuvor führte Joyce seinem ehemaligen Arbeitgeber ziemlich schmerzhaft vor Augen, dass es ganz augenscheinlich ein gröberer Fehler gewesen war, seinen Vertrag 2014 nicht zu verlängern nach zwei Spielzeiten, an die er sich zwar gerne erinnert – aber lange aufhalten wollte er sich nicht mit der Vergangenheit, und Schadenfreude verkniff er sich auch: „Wir haben alle zu diesem wichtigen Sieg beigetragen.“ Bescheidenheit kann auch bei Profisportlern eine Zier sein.

    Gegen Zweiten und Ersten

    Aller guten Dinge sind drei: Das gilt zwar wahrlich nicht für die Baskets-Dreierquote, die erneut bei lediglich 29 Prozent lag (nur sechs von 21 Versuchen fanden den Weg durch den Ring) – aber es gilt für die Gastspiele der Würzburger. Jedes Mal, wenn die Baskets in dieser Saison in der Fremde nächtigten, bekamen sie kräftig die Hucke voll, und manchem dem Zynismus nicht gänzlich abholden Zeitgenossen konnte die Idee kommen, die Hotelkosten in Bonn (79:103) und in Braunschweig (52:73) hätten sich die Unterfranken sparen können und auf zukünftige Buchungen auch verzichten. In Oldenburg taten den Würzburgern die Betten offenbar gut, jedenfalls gingen sie von der ersten Sekunde an ausgeschlafen ans Nachmittagswerk, weshalb sie jetzt also von Tabellenrang drei grüßen.

    Und die ersten Zwei hat der Rekordaufsteiger – noch nie startete ein Neuling derart erfolgreich in die inzwischen 50 Jahre alte Bundesliga – nun vor der Brust. Keine 44 Stunden nach der Partie in der s.Oliver Arena gegen den – dank des besseren Korbverhältnisses – Zweiten Ludwigsburg (Freitag, 18. Dezember, 20 Uhr, am Montag gab es noch einige Restkarten) müssen die Baskets versuchen, beim titelverteidigenden Spitzenreiter Bamberg zu bestehen (Sonntag, 20. Dezember, 17 Uhr). Nennt sich Herkulesaufgabe, so etwas.

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